The Project Gutenberg EBook of Briefe aus Aulestad an seine Tochter
Bergliot Ibsen, by Bjrnstjerne Bjrnson

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Title: Briefe aus Aulestad an seine Tochter Bergliot Ibsen

Author: Bjrnstjerne Bjrnson

Editor: Bergliot Ibsen

Release Date: August 17, 2015 [EBook #49722]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK BRIEFE AUS AULESTAD AN SEINE ***




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                        Bjrnstjerne Bjrnson




                         Briefe aus Aulestad
                           an seine Tochter
                            Bergliot Ibsen


                                 1911
                     S. Fischer / Verlag / Berlin

                       Autorisierte bertragung
                       Alle Rechte vorbehalten
              Copyright 1911 S. Fischer, Verlag, Berlin




                               Vorwort


Der grte Teil dieser Briefe ist in den Jahren 1887 bis 1890
geschrieben. Der Zeitraum ist kurz, aber gerade aus diesem Grunde
verstrkt sich der Gesamteindruck. Als ich sie von neuem durchlas,
berraschte es mich, welch ein lebendiges Bild sie von all dem geben,
was damals B. B.'s Gemt und Gedanken beschftigt hat. Und deshalb
entschlo ich mich, sie wenigstens einem engeren Kreise zugnglich zu
machen.

Die Sammlung schliet mit einer kleineren Zahl von Briefen ab, die aus
spterer Zeit stammen. Sie wurden aufgenommen, weil sie in gewissen
Beziehungen die Selbstschilderung der frheren Periode vervollstndigen.

                   *       *       *       *       *

Obige Zeilen waren das Vorwort zu einer Ausgabe, die nur in fnfzig
Exemplaren als Manuskript in Norwegen gedruckt wurde. Gleich nachdem
diese Exemplare verteilt waren, ergingen sowohl von privater Seite wie
durch die Presse eindringliche Aufforderungen an mich, die Briefsammlung
ffentlich erscheinen zu lassen. Das tue ich hiermit, nachdem ich einige
wenige, aber notwendige Streichungen vorgenommen habe.

                                                                 B. I.




                                               Aulestad, 8. Juni 1887.


Liebe, liebe Bergliot, als Mutter aus Deinem Briefe vorlas, Du httest
bei der Nachricht, da mir mein Dichtersold entzogen sei, stundenlang
weinen mssen, da konnt' auch ich die Trnen nicht zurckhalten. Ich sah
Dich vor mir, wie Du weich und bewegt bist; ich liebe Dein Gemt an Dir,
Bergliot, und bin stolz darauf, da Du mich verstehst. Dank Dir fr Dein
Mitgefhl; Du kannst mir glauben, es hat mir wohlgetan. Ich mute nach
meiner Pflicht handeln; denn diese schlechten Menschen gingen darauf
aus, mir ebenso zu schaden wie Kielland. Ich gebrauche nicht gern das
Wort schlecht; aber hier darf ich es ohne Bedenken.

Dann waren Mutter und ich lebhaft berhrt von Deiner schrecklichen Angst
vor einer Untersuchung. Wir fhlen Dir nach, da es ganz furchtbar ist.
Aber wenn es sein mu, mu es eben sein. Ich freue mich mchtig auf den
Tag, da Du wieder von Gesundheit und Mut strotzen wirst; so warst Du,
ehe diese Sache anfing, und Du mut wieder die alte werden. Damit ist
die Schamhaftigkeit und Vorsicht durchaus vereinbar, von der das
Seelenleben einer so unverdorbenen Natur, wie Deiner, beherrscht wird.

Du bist von allen unsern Kindern die vollste und _einheitlichste_ Natur.
Daher bist Du unter ihnen auch _das Kind_, um das ich mir die wenigste
Sorge zu machen brauche. Versuche nun, von der Gesellschaft, in der Du
lebst, zu lernen; sie sind so gemessen in ihren Empfindungen und Ideen;
es lt sich so friedlich und gut mit ihnen leben. Gre alle aufs
herzlichste. Hast Du auch nicht vergessen, Hegel zu bitten, die Bste
von mir, die Runeberg auf die Ausstellung nach Kopenhagen geschickt hat,
an meine Mutter nach Kristiania zu senden? -- Runebergs sind jetzt auf
ein paar Tage in Kopenhagen. Sie reisen nach Finnland.

Hier ist es unglaublich schn in diesen Tagen, durchaus nicht zu warm.
Geht es _Dir_ gut? Sobald Du untersucht bist, mut Du schreiben!

Entsinnst Du Dich der Longworthy-Geschichte, die ich Euch aus England
erzhlte? Von dem Menschen, der ein junges Mdchen in Belgien heiratete
und recht gut wute, da kirchliche Trauung nicht gengend war? Und sie
spter nicht mehr kennen wollte? Nun, er hat jetzt geantwortet (er lebt
in Buenos-Aires, Sdamerika), und diese Antwort ist vernichtender fr
ihn als irgend etwas, was die Frau selbst gesagt oder durch Zeugen vor
Gericht bekundet hat. _Solch ein ausgemachter Schurke!_ -- Hast Du
meinen Aufsatz ber Ruland gelesen? Oder soll ich ihn Dir schicken? Du
liest Verdens Gang jetzt wohl nicht? Es ist ein Brief an Dich aus
Kopenhagen gekommen; sollte mich wundern, wenn er nicht vom kleinen
Hffding wre? Du solltest es so einrichten, da Du so lange wie mglich
in Hamburg bleibst, der Sprache wegen. Und solltest eigentlich schon
jetzt deutsch lernen. -- Ist es nicht drollig, da Thommessen Verdens
Gang gekauft hat, so da er nun die Hlfte besitzt und zwei andere
Freunde je ein Viertel, und nun soll es eine Tageszeitung werden. -- Du
weit wohl, da auch Garborg den Staatsrevisor-Posten verloren hat? Wir
sind also nun drei norwegische Dichter, denen man das Geld wegnimmt,
weil wir nicht dieselben Ansichten haben wie die Majoritt. -- Ja, leb'
wohl, liebe, se Bergliot! Wir wissen, Du machst uns nur Ehre, wo Du
auch bist, und Du wirst heimkehren mit ungeteiltem Herzen fr Heimat und
Eltern! Dein Dir innig zugetaner Freund _Vater_.

                                                     Dein Bjrnst. Bj.




                                                    11. Dezember 1887.


Liebe, liebe Bergliot, innigen Dank fr den Brief; worber ich mich am
meisten gefreut habe, war natrlich, da Du selbst gutes Mutes bist und
an Dich selber glaubst. Da kannst Du sehen, wie recht ich hatte, als ich
meinte, Du mtest wieder sicherer werden und Dich sicherer fhlen im
Gesang, dies sei der Weg fr Dich, um ruhigen, guten Mut zu schpfen. --
Ja, ich freute mich so hierber, da ich nicht so viel Gewicht, als ich
vielleicht gesollt htte, auf den Umstand legte, da Du Dich bei Deiner
Dame nicht wohlfhlst. Liebes Kind, scher' Dich den Teufel um die
Person; setzt sie Dir zu oder kannst Du Dich nicht satt essen, so geh
_sofort_ weg. Du bist Dein eigner Herr. Wenn man sich wohl fhlen will,
so ist es durchaus notwendig, da man es zu Hause behaglich hat, und
selbst wenn Dich Dein Aufenthalt weit mehr kosten sollte, als jetzt, --
lieber das, als wenn Du Dich rgern mut oder kaum wagst, Dich satt zu
essen!

Vergi das nicht!

Ich mchte Dich so gern einmal hier auf der Hochschule haben; es ist die
beste des Nordens, und Schrders sind unsre Freunde von alters her.
Liebste, Du solltest die Mdchen turnen sehen! Das wre was fr Dich, --
_etwas, um ganz und gar gesund zu werden_. Doch davon ein andermal.

Ich habe nun 9000 Kronen Schulden bezahlt und werde noch mehr abzahlen.
Dann haben wir Ruhe. Zu Weihnachten in Kristiania (bei Bjrns, die sich
rasend freuen), und dann zurck nach Schweden, und aller
Wahrscheinlichkeit nach auch noch nach Finnland. Eine schwere Tournee,
eine groe, groe Anstrengung, ber die ich allein durch Mutters immer
wache Pflege hinwegkomme. Dies in aller Eile. Wieder weiter!

                                                    Dein Freund Vater.

Gre die lieben Heides und Cavlings und Kiellands und Runebergs, und
danke letzteren fr die Briefe!




                                             Aulestad, 6. Januar 1888.


Liebe Bergliot, Du mtest Mutter mit Deiner Bste herumziehen sehen,
aus und ein, wie sie die verschiedensten Standorte, jede Art Beleuchtung
ausprobiert; dann die Treppe damit hinauf, vor den Spiegel, wo die Bste
eine Weile stehen bleibt, dann zu mir herein, damit sie nicht entzwei
gehen soll. Heute wieder von da weg -- ich wei noch nicht, wohin.
Vermutlich endigt sie vor dem Spiegel im Korridor auf einem eigens dazu
angefertigten Sockel. -- Sie ist fein, die hnlichkeit in einem Teil des
Geistigen sicher getroffen; aber das Ganze gewissermaen _verkleinert_;
besonders die Unterpartie. Immerhin, -- nur ein echter Knstler konnte
sie modellieren. Es ist ganz famos, da wir sie haben. Danke ihm
vielmals, und innigen Dank Dir, die sie uns geschenkt hat. -- Was Du
ber Arve schreibst, freut uns; ich wute, er wrde ein groer Meister
werden. Ich habe sofort den Vater gebeten, ein Darlehen fr Arves
Rechnung aufzunehmen; sie mu so gro sein, wie der Junge wnscht! In
zwei Jahren mu er es selbst bernehmen knnen. -- Und es freut mich in
jedem neuen Brief zu lesen, da Du Dich mit Deiner Kunst verheiratet
hast, da eine Fertigkeit nach der andern aus Deinem gewissenhaften
Flei im Zusammenleben mit ihr geboren wird. Dieses innige Zusammenleben
ist notwendig. Besonders fr Dich; denn es liegt _kein_, absolut _kein_
Erbe von Virtuositt in Dir. Unsere Familie hat _diese_ erarbeitete Gabe
nicht; so da, falls Du sie erlangst, es allein geschehen kann durch
eine Energie und einen Flei, der seinesgleichen in der Familie nicht
gehabt hat. Ohne das geht es nie und nimmer. Und wenn Du auch Deine vier
(oder viereinhalb) Jahre lang singst, Du wirst sehen, Du mut trotzdem
noch immer weitermachen. Du mut _das_ schwer erringen, Zoll fr Zoll,
was andere leicht nehmen wie im Spiel. Denn Du hast kein Erbe, das Dir
als Sprungbrett dient. Da Du bereits _so_ viel erreicht hast, mu Dich
aufmuntern, immer weiter zu gehen! Und mit derselben treuen
_Behutsamkeit_; -- die darfst Du niemals auer acht lassen.

Ja, ich bin so glcklich ber Deine Fortschritte und Dein Glcksgefhl,
da Du Dich ihrer selbst bewut bist, -- ja, das ist gegenwrtig mein
liebster Gedanke. -- Hast Du Darwin, 7. und 8. Heft gelesen? Das ist das
Herrlichste in seiner Art. Stell' Dir vor, -- Einblick zu gewinnen in
die Werkstatt eines so bahnbrechenden, so groen Werks, wie es der
Ursprung der Arten ist, eines Werks, das umwlzend gewirkt hat auf das
Gedankenleben der Menschen! Ich lese auch sonst viele herrliche Dinge
gegenwrtig. Und sammle Leute um mich zum Vorlesen. -- Die Politik
rgert mich gewaltig; ich mag nichts ber sie schreiben. Aber hier ist
ein Keimen in der Luft; die Norweger sackt keiner ein!

                                                    Dein Freund Vater.






Ich kann mir kein rechtes Bild von den Leuten machen, in deren Haus Du
bist; ich mu Dich mir hinter langen Gardinen in einem leeren Zimmer
denken, wo Kohlen im Kamin glimmen, und sehe nur Schatten an Dir
vorbergleiten. Es wre hbsch, wenn Du mich auch Menschen sehen und
Stimmen hren lieest.

Es geht uns ja nun gut insofern, als wir Geld fr eine Menge kleinere
und grere Bedrfnisse haben, die wir frher nicht befriedigen konnten,
und dazu die Aussicht, in Zukunft sorgloser leben zu knnen; aber wir
verdienen doch nicht so viel, wie es den Anschein hat. Und all die
Menschen, die wir kennen lernen, und all die Freude, die wir erleben!
Sind wir erst einmal damit durch, so wird es ergtzlich sein, das
Erlebte und Gesehene zu sammeln.

Innig geliebte Bergliot, ich sehne mich so danach, Dich wieder so gesund
und frhlich zu sehen, wie damals, als Du aus Dnemark kamst.
Hoffentlich wird es auf Aulestad so gemtlich, wie wir es uns fr den
Sommer wnschen; ich freue mich von Herzen darauf; aber am meisten auf
die Arbeit, selber mit Steine zu brechen und dadurch mehr Erdreich zu
gewinnen. Irgendeinen Sammelpunkt mu die Familie auch nach unsern Tagen
haben, und das wird wohl Aulestad sein; wir werden versuchen, es so gut
in Stand zu setzen, da es dem, der den Hof besitzt, auch etwas abwirft.
Erling ist begeistert fr die Landwirtschaft, so da es den Anschein
hat, als msse er die Aufgabe lsen knnen.

Wir sitzen nun hier bei Hedlunds, die uns lieben und die wir wieder
lieben. Wir haben an vielen Ecken und Enden der Welt Familien, die uns
geistig verschwistert sind, und ohne die wir uns unser Leben nicht mehr
denken knnen; wir mssen sie ab und zu besuchen. Wir denken, es soll
auch einmal fr Euch ein gutes Erbe sein, die treue Anhnglichkeit all
dieser warmen Menschen. Die Liebsten sind und bleiben uns Hedlunds.

Ich habe eine ganz mchtige Sehnsucht, wieder an meinen Roman zu gehen!
Aber alles lt sich nicht zu gleicher Zeit tun. Wenn ich doch so gut
verdiente, da ich den Kauf von Solbakken verantworten knnte; dann
htten wir eine Behausung fr Sommergste und auch fr Erling, wenn er
eine Frau nach seinem Geschmack findet. Wir legten dann Telephon
zwischen den Husern an, und auch hinber zu anderen, die mit uns in
Verkehr stehen. Ich will zusammen mit mehreren in der Gemeinde und im
Sanatorium eine Station fr Telephon bis nach Lillehammer errichten
lassen. Heutzutage meint man ohne Telephon nicht mehr auskommen zu
knnen. -- Alle Deine Freundinnen hier lassen Dich gren; sie
erkundigen sich sehr nach Deinem Gesang; aber ich kann ja nicht viel
antworten; ich wei so wenig davon, und im Grunde wirst Du wohl selbst
nicht mehr wissen. So viel scheint mir sicher, da Du vier Jahre statt
drei wirst studieren mssen, und ich hoffe, ich kann es durchfhren.
Meine Ansicht ist: werde vollkommen darin; was fr einen Gebrauch Du
spter davon machst, ist weniger wichtig; die Hauptsache ist das Talent,
und das Bewutsein, das Meistmgliche daraus gemacht zu haben.

                                                    Dein Freund Vater.






Liebe Bergliot, Mutter ist ein paar Tage unwohl gewesen; aber nun ist es
wieder vorber. Dank fr Deinen letzten Brief. Hier machte in den
Zeitungen ein Brief Cavlings an Politiken ber Dich die Runde, an dem
kein wahres Wort war. Das ist doch ein Satanskerl! Pack' ihn und hau'
ihn durch! Haben sich Brkstad und Thommessen in Paris entzweit? Warum?
Sag' es mir! Ferner, erzhl' uns umgehend, was Du mit Mad.
Viardot-Garcia anfngst!

Ich bin in diesen Tagen besonders guter Laune. Ich will so viel und ich
glaube, ich vermag auch noch viel. Und dann glaube ich, wir stehen
wieder dicht vor einem Aufschwung; ich glaube es. Seltsame, starke
ethische Krfte dringen von allen Seiten herein, strengere Forderungen,
ehrlicherer Wille. -- Was einen angewidert und dabei gepeinigt hat, die
Verrterei im groen und kleinen, hat seinen Hexensabbat gehabt; jetzt
sollst Du sehen, es wird bald Tag. Jedenfalls kann der Mensch nicht
arbeiten, wenn er nicht diesen Glauben hat. Und ich habe ihn! -- --

                                              Dein guter Freund Vater.






Deine Briefe machen uns viel Spa, liebe Bergliot, und Deine ganze Natur
tritt in jedem einzelnen klar zutage. Du bist die wiedererstandene
Jugend Deiner Mutter mit dem Mehr, das Dir die Gelegenheit zu zeitiger
Entwicklung gegeben hat, die ihr fehlte, die sie aber spter nachzuholen
wute; also fr mich bist Du etwas von der Wonne, die ich in den Tagen
meiner Verliebtheit empfand. -- Karl Konow war hier mit seinen
Geschwistern; wie der sich herausgemacht hat! Nie ist er so hbsch
gewesen, so gesund, so unterhaltend. Er hat alle Herzen erobert,
Mutters, meins, Erlings und Keilhaus, der gute Karl. -- Wie entzckend
doch so ein norwegischer Winter ist; fr mein Gefhl bertrifft er den
Sommer. Bald sollst Du von Hegel die norwegischen Bcher bekommen, die
zu Weihnachten erscheinen. Ich wollte, ich wre mit darunter; aber ich
werde bei weitem nicht fertig. Ich schreibe diesmal was Feines. Bitte
keinen Schritt, um mit Lies zusammenzukommen! Ergibt es sich von selbst,
ja; sonst auf keinen Fall. Vergi ja nicht, Tschernings zu gren! --
Sverdrup ist ja jetzt bald erledigt, soviel ich hre. Die Rechte nimmt
nun wohl selbst das Heft in die Hand?! -- Erling ist tchtig in der
Wirtschaft. Aber Ejnars Brief verrt, da er in Footchou in zu groe
Geselligkeit geraten ist, die gefhrlich fr Gesundheit und Charakter
werden kann.

                                                    Dein Freund Vater.






Liebe Bergliot, nein, ich bin nicht dafr, da Du mit Brandes
zusammentriffst. Ich meine, schtze nur Krankheit vor, wenn Du in dieser
Zeit zu Schandorphs oder Cavlings eingeladen wirst; es ist ja auch die
Zeit, in der Du am meisten zu tun hast, -- falls Du durchaus den Juni
ber drauen bleiben willst.

Schandorphs Urteil ber Literatur und Kunst ist sehr _saftig_, wie sein
Naturell -- kognak-getrnkt. Das Urteil der Menschen ist in der Regel
wie ihr Leben, immer wie ihre Natur. -- Was Strindbergs Julie uns
zeigt, ist das Experiment eines begabten, aber ungesunden Burschen, der
dasitzt und konstruiert -- und ganz und gar nicht dem Leben folgt.
Folgen wir dem Leben (womit _sie_ sich immer nur brsten), so ist alles
viel weniger berraschend; Aufsehen wollen sie machen; das ist fr sie
Nummer eins. -- Du kannst ganz ruhig sein: so wird die Literatur _nicht_
werden; aber sie ist voll Verschrobenheit und Ziererei so lang auf
Abwegen gewandelt, da sich mit Recht ein brutaler Protest erhoben hat.
Weit Du noch, da Arnljot Gellines Lied, wie er seine Liebste als Beute
in den Wald trgt, seinerzeit als unanstndig ausgemustert wurde;
Magnhild war ein Buch ber -- freie Liebe; auch Leonarda war das! Ja,
sogar Es flaggen Stadt und Hafen ist unanstndig. Da mute die Natur
ihr Recht wieder geltend machen, und das hat sie durch diese Menschen
getan, -- aber so getan, da nun wieder protestiert wird. Es gibt nicht
viele unter uns, die ihren gesunden Gang gehen! -- Ja, jetzt macht der
Schnee Ernst, zu schmelzen. Auf den Hhen ist schon alles kahl, hier
durch den Hof geht _ein Flu_; aber das Moor liegt noch unterm Schnee.
Auf dem Altan den ganzen Tag alle, die nicht arbeiten. -- Griegs trafst
Du also nicht. Ich hatte einen Brief von Werenskjold, den ich so
auffate, als wolle er diesen Sommer nach Bergen und Griegs malen, und
erst den nchsten nach Aulestad. Ich werde ihm antworten; aber frag'
ihn, ob ich ihn recht verstanden habe. Ich werde diesen Sommer ein
Lustspiel mit Gesang schreiben, und ich denke so halbwegs, Grieg zu
bitten, da er hierher kommt und zusammen mit mir arbeitet. Aber das hat
noch gute Weile. Das Lustspiel ist nur ein einziger langer, sehr langer
Akt, psychologisch ungemein interessant und heit Der Knig kommt! Es
steckt mir schon mehrere Jahre im Kopf. Davon sollst Du nchsten Winter
in Paris leben. Ich mchte aber nicht, da Cavling etwas hierber in
irgendeine Zeitung bringt; vergi das nicht! Ach, ist das hier ein
Wetter! Von morgens bis abends, Tag fr Tag, Woche fr Woche wundervoll!
Ach, wie ich mich in Norwegen wohl fhle! Meine se, liebe Bergliot,
alles, was Du von Deinem Gesang schreibst, freut mich unbndig. Du
sollst auch auf Solbakken ein Klavier haben!

                                                    Dein Freund Vater.






Liebe Bergliot, gestern hatten wir einen Brief von Ejnar; es scheint ihm
in jeder Hinsicht ausgezeichnet zu gehen; er schickt eine Photographie
von sich selbst mit fnf anderen zusammen, bis auf einen alles
Zollmenschen; es scheinen brave, gutmtige Leute zu sein; aber aus den
Gesichtern zu schlieen, scheint Ejnar ihnen berlegen; er hat sich
berhaupt sehr herausgemacht. Es hat auch den Anschein, als wrden ihm
schwierige Arbeiten zugewiesen, bei denen eine Verantwortung ist, und er
ist stolz darauf. Von seinen Geldverhltnissen schreibt er, sie stnden
gut. -- Wir haben jetzt Frulein Julie gelesen. Ob wirklich in der
Welt ein Mensch glaubt, da das wahrscheinlich ist? Hat es jemals
irgendwo zwei Menschen gegeben, die dieses Zwiegesprch gehabt und sich
in einer einzigen Nacht so aufgefhrt haben? Oder hat es irgendwelches
Interesse, es sei denn, Sensation zu machen mit etwas, was sonst nicht
die Regel zu sein pflegt? Auch Ibsens Poesie fllt meines Erachtens
allzu stark unter das Ungewhnliche und rein Unmgliche, um auf die
Dauer, d. h. wenn die Sensation verflogen ist, das allgemeine Interesse
bewahren zu knnen. Aber mag es damit sein, wie es will, -- Strindbergs
Poesie ist obendrein schmutzig. Er ist selbst ein bedenklicher Kerl, und
das spiegelt seine Dichtung wieder. Es gibt zwei Arten von Bchern, --
solche, die in den Menschen die Freude am Leben, die Sehnsucht nach dem
Guten steigern, und solche, die das nicht tun; die ersten sind gut, die
anderen sind schlecht, so ausgezeichnet und genial sie auch in
Einzelheiten sein mgen. -- Es hat mich rasend gefreut zu hren, da es
brillant geht mit Deinem Gesang. Ja, das hat mich gefreut wie nichts
anderes augenblicklich. Mein lieber Schatz, wie sich das ganze Haus
darber gefreut hat! Das mu ich Dir sagen: -- Du kannst Dir nicht
vorstellen, wie gespannt ich bin, was daraus werden wird. Nicht auf die
uerliche Entwickelung, die es nehmen wird, ob Du Opernsngerin wirst
usw.; das mag seinen natrlichen Lauf haben; nein, ob _Du_ die Gabe
erringst, die ich mir fr einen Norweger ersehnt habe -- die Gabe, uns
hinzureien, uns in einen Schnheitstaumel zu versetzen. Uns regelrecht
zu verzaubern. Noch hat keiner sie gehabt. Erringst Du _die_, so werde
ich wieder jung und froh, -- froher, als ber irgend etwas, was ich
selbst oder ein anderer geleistet hat. Mutter sitzt und schreibt fr
mich ab in diesen Tagen, da ihr die Finger steif werden und der Krper
krumm und lahm; aber es ist doch ihre liebste Arbeit. Es ist ein Jammer
mit meinem Buch, da es zu lang wird; aber das lt sich diesmal nicht
ndern; es soll auch nie mehr vorkommen. Ich will fortan fnf Jahre lang
nichts anderes tun als schreiben, schreiben, schreiben. Und dann punktum
finale! -- Du httest die Materna hren sollen; _um jeden Preis_. Sie
war Richard Wagners Liebling. -- Es ist wieder Schnee gekommen; also
werden wir das Fest der Schmelze noch einmal haben, vielleicht sogar
noch zweimal. Nett!

                                                    Dein Freund Vater.




                                                 Aulestad, April 1888.


Ich finde, liebe Bergliot, es wre eine wahre Snde, wenn ich Dir nicht
ein paar Zeilen schriebe. --

Mir ist nicht recht klar, weshalb ich an Jonas Lie schreiben soll, nein,
ich tue es nicht. Mir liegt nichts daran, da Du mit ihnen verkehrst; Du
wirst keine ungetrbte Freude daran haben. Aber wenn _Du_ es durchaus
willst, so wrde ich schon eine Form finden knnen; z. B. jetzt bei
meinem neuen Buch.

Ich sehe, Brkstad ist in Paris gewesen, um sein Geld loszuwerden, das
leichtsinnige Huhn. Aber er war wohl gemtlich? -- Meine liebe, se
Bergliot, hrst Du auch genug Musik? Du schreibst nichts darber; und es
macht mir Sorge, da Du vielleicht die Maschine nicht mit dem
Verstndnis und dem Geschmack lst, die wir immer aus der Arbeit anderer
gewinnen. -- Du sagst, wir sollen Cavlings danken. Ja, was ist ein Brief
fr ein merkwrdig armselig Ding; weder er noch sie zweifeln an unsrer
Dankbarkeit. Wir mssen bei Gelegenheit etwas anderes fr sie aushecken.
Aber ich wei noch nicht was. -- Jetzt beginnt der groe
Schneeschmelzproze, und der ganze lange, kahle Frhling hinterher ohne
Grn. Haben wir einen Winter ohnegleichen gehabt, so mssen wir jetzt
fr ihn ben. -- Ich glaube annehmen zu knnen, da Du jetzt gut
franzsisch sprichst. Ist das der Fall? Dann knntest Du vielleicht auch
lernen, es korrekt zu schreiben? Ich sehe, Du schreibst immer noch
brilliant statt brillant. -- Mutter wird entsetzlich taub, Du; aber
prachtvoll sieht sie aus! Und so gesund ist sie! Sie behauptet, sie
schlafe nicht gut, wenn sie nicht von halb zehn bis acht Uhr
durchschlft! -- Ich lese das 10. Heft von Darwin; hast Du es bekommen?
Wenn nicht, so sag' es mir oder schreibe an Husebye & Comp., Storgaten,
Kristiania. Ich finde, es gehrt zum besten, was man in der Welt lesen
kann. Gibt es etwas Franzsisches, was sich lohnt, so kauf' es, lies es
und schick' es mir! Dann werd' ich es Ejnar schicken. Nichts geht ber
einen gemtlichen Schwatz; aber gleich danach kommt ein gutes Buch.

Heute habe ich nichts zu schreiben, ich sitze da mit leerem Kopf, weil
das, was ich drin habe, bei der Erzhlung ist und frs erste nicht
heimkommt.

                                                    Dein Freund Vater.




                                                     30. Oktober 1888.


Liebe, se Bergliot, die Treue, mit der Du an Frau Lrig hngst,
berhrt mich sehr angenehm, -- natrlich vorausgesetzt, da Du sicher
bist, sie kann Dich weiter bringen.

Treue und alles, was einen Menschen darin festigen kann, ist das Mittel,
unser Gemt und unsern Charakter zu erweitern. Nichts bringt so groes
Leid, aber auch nichts so groe Freuden; deshalb fhrt auch nichts so
viel der Seele eines Knstlers und dem Willen eines Menschen zu. Halt an
der Treue fest, Bergliot, sie ist die Krone des Lebens! Alles andere,
was die Menschen so nennen, ist es _nicht_, -- mgen nun Priester oder
Gott wei wer sonst es behaupten. _Allein die Treue ist es._ Dabei aber
erhebt sich die Frage: wem schuldet man das Meiste? Also auch die
hchste Treue? _Dem Vaterland._ Unter diesem Namen hast Du Wahrheit,
hast Du alles Gute. Pa' auf, da Deine Treue gegen die Menschen niemals
in Widerstreit kommt mit Deiner hchsten Verpflichtung. Erst sie, dann
alles andere! -- Ich zweifle nicht, da gerade _Du_ hierin meinen Spuren
folgen wirst, meine liebe, treue Bergliot, und obwohl die Gelegenheit,
Dir das zu sagen, etwas fern liegt, so benutze ich sie doch. Du bist
auerordentlich pflichttreu (das hast Du wesentlich von Deiner Mutter)
und daraus folgt die Treue gegen andere.

Falls Lies keinen Krieg, _direkt oder indirekt_, gegen _uns_ fhren, so
magst Du sie besuchen; aber am liebsten in Arves Begleitung; und dann
mt ihr zusammen spielen und singen, was ihr uns vorgespielt und
vorgesungen habt; so knnt ihr ihnen ein Stck Sommer von uns bringen
und sie gleichzeitig von uns gren.

Dein nervser Brief an Mutter hat uns sehr erschreckt. Was, glaubst Du,
wird die Folge sein, wenn Du diese Deine Nervositt nicht bekmpfst? Du
mut mehr an die _Luft_, Bergliot! Sag' lieber Deine Unterrichtsstunden
ab! Hast Du berhaupt Nutzen davon?

Wir haben einen herrlichen Sptherbst, voll Wrme und Sonnenschein, die
Khe sind noch drauen, und heute schreiben wir den letzten Oktober. Wir
haben ein gutes Jahr gehabt. Aber wir haben den groen Kummer, da X.
nicht nur lotterig, sondern unredlich gewesen ist. Er hat mir das Geld
durchgebracht zu Tausenden. So werde ich auf alle mgliche Weise
geschunden. -- It Du jetzt gut? It Du Dich ordentlich satt? Vergi
nicht, das zu beantworten. Lebwohl, mein liebes, ses Mdel. Und
vergaff' Dich in keinen, sondern komm wieder als unser altes, munteres
Prachtmdel!

                                                 Dein Vater und Freund
                                                                 B. B.




                                                     2. Dezember 1888.


Liebe Bergliot, das ist ein schner Vorsatz, an dem Du festhalten mut,
uns jeden Montag zu schreiben. -- Deine Briefe machen uns immer Freude.
Von allem, was Du erzhlst, hat nichts mich so gefreut, wie da Du
_nicht_ lange aufbleibst abends. Wenn Du daran festhalten kannst,
wenigstens als Regel, so da das andere zur seltenen Ausnahme wird, so
hast Du darin ein Krftigungsmittel, besser als die meisten anderen. --
Du erzhlst nichts davon, wie Du lebst. Du it doch gut bei Deiner
alten Dame -- und _genug_? Erzhl' mir das besonders, und verdient sie
es, dann gre sie herzlich. Fr Dein Geld, d. h. fr das, was Du selbst
verdienst, mut Du Musik hren; fr Deinen Unterhalt und Deine Kunst
sollst Du genug bekommen. -- Ich mchte gerne hren, ob Frau Lrig dafr
einsteht, da das, was so eine deutsche (oder franzsische) Sngerin Dir
sagt, auch wirklich so _gemeint_ ist; nicht blo _gesagt_ als
Aufmunterung oder Schmeichelei. Ist Frau Lrig der Ansicht, die andere
habe wirklich das _gemeint_, was sie sagt, dann wnschen auch wir es zu
erfahren. -- Was wirst Du in dem Kirchenkonzert singen? Ich habe es
nicht recht verstanden. Und was ist es fr eine Kirche? Das macht mir
viel Freude. -- Gestern, an Mutters Geburtstag, machten wir eine
Spazierfahrt in unserm, mit blauem Samt ausgeschlagenen Breitschlitten,
mit unserm Brenfell und zwei Pferde vor, und Erling kutschierte. Aber
Mutter hat solche Angst jetzt vor dem Fahren, da ich sie kaum
wiederkenne. -- Ich lasse Dir Ibsens neues Buch schicken; es scheint
grozgig zu sein und auch milder als die vorhergehenden. Ich habe eine
patriotische Freude an dem Glck, das er macht als bahnbrechender
Dramatiker. -- Mir selbst geht es gut mit dem Schreiben augenblicklich;
Du wirst seinerzeit Freude daran haben, wenn Du es liest. -- Im brigen
herrscht hierzulande eine Reaktion und eine Engherzigkeit, die alles
bersteigt, was ich bisher fr mglich gehalten habe. Aber wir mssen
wieder lichtere Zeiten zuwege bringen. Jeder, der durch Kunst Schnheit
und Lebensfreude in unser Leben legt, arbeitet dafr. Wir werden unsre
Zeitgenossen erleuchten und erwrmen, und so beharrlich darin sein, da
wir durch den Dunst und Staub vermodernder Vorzeitsberbleibsel des
Glaubens und der Sitten und der materiell und pietistisch versauerten
Erde strahlend durchdringen.

                                                    Dein Freund Vater.




                                          Aulestad, 12. Dezember 1888.


Liebe, se Bergliot, Dank fr den Geburtstagsgru und Dank im voraus
fr die Bste. -- Du schreibst, da ich zu streng bin gegen Dr. N. N.
Ja, wieso? Ein besseres, edleres Gemt gibt es nicht; und eine Begabung,
so fein und gro und so reif fr allumfassendes Denken, da sie Seltenes
leisten knnte. Und eine Liebenswrdigkeit, eine Se in Wesen und Augen
und Lcheln, die ihn unsterblich macht bei allen, ber die er sein Bild
ausgegossen hat.

Aber vor lauter Selbstreflexion so unsicher, so zersplittert von eitler
Gefallsucht, so eingenommen von seinen eignen Einfllen in
Selbstbewunderung und der Bewunderung anderer, da er vor sich selber
nicht mehr zur Ruhe kommt. Und, um immer in gnstiger Beleuchtung zu
stehen, so unwahr, da er nicht zwei Personen dasselbe erzhlt! Er kann
sich groe Mhe geben, um etwas zu erreichen; aber hat er es erreicht,
so ist er dessen in der Regel berdrssig. Er kann sich auch um einer
Laune willen wegwerfen. Eine derartig unruhige Natur ist nie ber den
Augenblick hinaus glcklich und wird seine Umgebung mit sich reien. Ja,
ich knnte noch lange so weitermachen. Es gibt wenige Menschen, die ich
so lieb haben kann, wie solche einschmeichelnde Begabungen, die die des
Geistes und des Herzens in gleich hohem Grade besitzen. Aber whrend ich
ihn geniee, wei ich, da er meiner bereits mde ist. Und das Gefhl
lt niemals eine Sicherheit aufkommen.

Es hat mich gergert, da Du um Dein Kirchenkonzert gekommen bist. Aber
es findet sich wohl etwas anderes fr Dich, damit Du den Mut zum
Auftreten gewinnst. Du vergit zu erzhlen, wie es mit Deinen Trillern
geht? Ob Du es erfat hast? Hierzu -- besonders aber zu der Fertigkeit,
den Ton sicher eine Oktave zu schleudern, -- dazu gehrt eine
Hundearbeit fr Deine Art Stimme! Und das erfordert eine raffiniertere
Natur als die Deine; denn es liegt wenig oder gar keine
Virtuosenbegabung in unserer Familie -- von meiner Seite eine alte
Bauernsippe, und von Mutters Seite ein Gelehrten- und Handwerkerstamm.
Soll sie aber trotzdem erreicht werden, so mu den Mangel an Vererbung
die unglaublichste Arbeit ersetzen. Und die unermdliche und doch
vorsichtige Art, wie Du es anpackst, mu, glaube ich, zum Ziele fhren.
-- Danke fr Zola! Das ist recht! Kaufe alles, was Aufsehen macht! Hast
Du je einen Menschen gekannt wie die Frau vom Meere? Was? -- Se
Bergliot, la uns bald von Dir hren.

                                                    Dein Freund Vater.




                                                          Januar 1889.


Liebe Bergliot, das mit Seele singen beruht nicht allein darauf, da
man selbst Seele hat, die Gabe poetischer Interpretation von Wort und
Musik besitzt, es beruht darauf, da einer (oder eine) _gearbeitet hat_.
Solange das Technische noch Schwierigkeiten macht, ist es
auerordentlich schwer, mehr zu erreichen als das Technische; man hat
nicht Zeit zu mehr; man wird gehemmt durch das Bestreben, es richtig
zu machen; das brige mu gehen, wie es will. Aber wenn das Technische
berwunden ist, dann beginnt dem der Geist der Sache aufzugehen, der
Gefhl dafr hat. Dieses _Gearbeitet-Haben_, so da man in jedem
einzelnen Teil Herr ist ber das Technische, und dabei die seelische
Offenbarung vom Sinn des Stckes hat, das ist Vorbedingung des mit
Seele Singen. Wer ungeheuer viel studiert und viel Musik gehrt hat,
kommt leichter dazu; schlielich ist das Technische in dem Ma
berwunden, da man vom ersten Augenblick an einzig mit dem Geist des
Stckes beschftigt ist; fr alle aber gilt es, im Augenblicke der
Wiedergabe auerdem aufgelegt zu sein, die Inspiration (Beseelung) des
Vortrags aus der Macht des momentanen Gefhls zu schpfen. Wer ein
persnliches Leben lebt, wer gebildet ist, so da sein (oder ihr)
Verstndnis feiner und mannigfaltiger ist, legt natrlich _mehr_ hinein,
als jemand, der blo alle Kunstgriffe kennt und alle Variationen bei
hundert anderen Knstlern gehrt hat. _Einzig die ursprnglichen_
Individuen sind es, die dauernd zu erschttern vermgen; niemand sonst.

Die reichen Naturen, die, welche das groe Talent in den tausend
Geschehnissen des Lebens gebt haben, deren Herz weich, deren Verstand
scharf, deren Mut sicher geworden ist in Kmpfen ohne Zahl, die meistern
sich selbst, wo sie auch stehen, sie beherrschen das Aufgelegtsein wie
Geister, die ihnen Untertan sind; denn das allein heit: _in sich selbst
zu Hause sein_, ohne da andere einen stren knnen.

Vor allem, Bergliot, will das nicht mit Seele Singen nur besagen, da
entweder das Stck so schwer ist oder Dir so neu und ungewohnt, da Du
nicht in seinen Geist eingedrungen bist, oder auch, da Du nicht
gengend gearbeitet hast, oder da im Augenblick etwas Dir im Wege
steht, so da Du nicht all das herausbringst, was Du sonst in das Stck
hineinlegst.

Ich rate Dir, versuch' in den Geist jedes einzelnen Stckes auf Deine
eigne Weise einzudringen und Dich nicht eher zufrieden zu geben; niemals
aufzuhren bei dem ausschlielich Technischen. Je fter Du auf diese
Weise Dich selbst erwrmt hast, um so wahrer machst Du es zuletzt. Um so
leichter fllt es Dir von Stck zu Stck.

Gestern bekam ich einen Brief von Franz Beyer, Griegs bestem Freund und
Nachbar, mit den flehentlichsten Bitten, Olav Tryggvason fr ihn
fertig zu schreiben. Ja, so ist es; alle wollen sie mich ausnutzen,
alle, alle. Ich soll bei allem mit dabei sein, fr die Interessen aller.
-- Krzlich erhielten wir einen ungemein wichtigen Brief von Ejnar, er
gibt gute Ratschlge fr den Kampf des Tages hier daheim; als ob er von
China aus eingreifen knnte! -- Bjrn hat zwei rasend amsante Sachen im
Dagbl. geschrieben unter der Spitzmarke Ein Zivilist.

Ja, nun reien sie mir den Brief weg. Hier ist Schneesturm; man sieht
nicht zwanzig Ellen weit. Nett.

                                                    Dein Freund Vater.






Liebe Bergliot, jetzt bekommst Du den Professor! Die Unvershnlichen
von Garborg ist gar nichts wert. -- Wir lesen tglich Kiellands Blatt;
es ist geschmeidig, flssig und klug geschrieben. Er ist offenbar fr
Politik veranlagt. Gerade jetzt zeigt er sichere Gewandtheit, whrend
seine ganze Familie sich insolvent erklrt hat; es sieht aus, als
wollten sie wieder festen Fu fassen, und dabei wird er von allen seinen
mannigfaltigen Krften als Leiter einer Zeitung untersttzt. Vielleicht
glckt es. Monogamie und Polygamie ist in 11000 Exemplaren verkauft
und verkauft sich stndig weiter, also Gift fr Bohmiens.

Meine liebe Bergliot, die Sache mit Deinem Heimweh ist wohl auch ein
bichen Verzrtelung, weil Du niemanden hast, an den Du Dich anschlieen
kannst. In dieser Hinsicht ist Paris auch sonderbar; man kann jahrelang
dort leben und kommt nirgendwo hinein. Oder es ist unsre eigne Schuld.
Ich schrieb an Sansot, er solle Dich aufsuchen, vielleicht tut er es. --
Danke dem lieben Werenskjold fr seinen Brief. Dank' ihm fr all seine
Gte und Treue in dem alten, schweren Jahr, ihm wie seiner Frau! Ich bin
so berbrdet mit Briefen und so gedankenleer, mitten in meiner
Schreiberei, da es ihm nicht ein Jota ntzte, wenn er einen Brief von
mir bekme. Nicht ein Jota. -- Denke Dir, jetzt ist es erwiesen, da
noch bis ins vorige Jahrhundert Frauen in allen Handwerken vertreten
waren (wie noch heute in Frankreich!); die Brgerbriefe wurden auf Mann
und Frau ausgestellt, und sie hatte Spielraum fr ihre Talente; erst in
diesem letzten Jahrhundert ist sie auch hier herausgedrngt worden.
Gleichzeitig ist nachgewiesen, da sie in der ersten christlichen Kirche
Pfarrer war, die Sakramente austeilte, taufte, und da sie erst im 7.
Jahrhundert und im Mittelalter berhaupt so gewaltig unrein und sndig
wurde, da sie mit etwas so Heiligem nicht mehr betraut werden konnte.
Und zwei Arten von Einflssen waren es, die diese Ausschlieung
verursachten, ein heidnischer von dem Griechen Aristoteles her, der das
Mnnliche so hoch hielt, und ein christlicher (eigentlich ein Einflu,
der durch das Judentum in das Christentum kam), wonach die Asketen (die
Selbstquler) das Weib verfluchten. -- Aber nun sind wir in dem groen
Revolutionsjahr, nun soll es anders werden!

                                                    Dein Freund Vater.






Liebe Bergliot, nur ein paar Worte in aller Eile! Herzlichen Dank fr
Deine treffenden Briefe, die uns jedesmal so viel Neues erzhlen. Du
hast doch wohl das siebente und achte Heft von Darwin gelesen. Ist Die
Entstehung der Arten ein Weltereignis ersten Ranges, so ist ein so
lebensvoller Einblick in die Werksttte, wo sie geworden ist, einzig in
der Weltliteratur. Dieses sei die Einleitung fr Deine Lektre. Es
sollen Dir ein paar Bcher von hier zugeschickt werden unter der
Bedingung, da Du sie an Ejnar weiterschickst. Auch werde ich fr Dich
etwas aus dem Dagblad herausschneiden, das ich bersetzen lie und
zurechtgestutzt habe.

Wir bekommen lange prchtige Briefe von Ejnar, und Du kannst Dir denken,
wie es uns freut. Er ist also ebenso frei von aller Art Verlobung wie
Du. So kommt sie -- falls sie kommen soll -- um so reifer und
berlegter, so da Rcksicht auf eine gesunde Familie und gutes
moralisches und intellektuelles Erbe genommen wird. So etwas darf nicht
lnger auf gut Glck und Zufall beruhen. Jonas Lies Buch rgert mich,
weil er mit seinem Talent sich zum Stile Krohgs und Jgers herabgelassen
hat, der nur Eintagswert besitzt und einen drftigen Stoff wie die
englischen Blaustrumpf-Romane in die Lnge zieht. Das hier sollst Du
Werenskjold wortgetreu vorlesen. Und ihn sollst Du gren wie meinen
Bruder, und sie sollst Du umarmen und kssen von mir. Peters lteste
zwei Mdels sind hier zu Besuch bei den zwei jngsten. Sie sind ganz
prchtig allesamt, und ich denke bei mir selbst -- wenn auch in unserer
Familie Fehler sein mgen wie in den meisten --, stolz und innerlich
wahr ist sie von Grund aus. -- Wie herrlich es jetzt hier ist, das
spottet jeder Beschreibung mit Feder und Pinsel; das mut Du Werenskjold
sagen. Noch ist der norwegische Winter nicht geschildert, nicht vom
Landschafts- noch Figurenmaler, und am allerwenigsten vom Klein- oder
Stillebenmaler. Nein, blo ein winziges Stck umzunten Hofes mit
Aussicht auf die Baumstmme eines Hgels, wo sie so dicht stehen, da
der Schnee nicht auf den Boden durchschlpfen kann! Gr' Inga!

                                                     Dein Freund Vater
                                                                 B. B.






Liebe Bergliot, rasend wenig Zeit; aber ich mu mich schriftlich darber
rgern, da Du zur Belustigung der Skandinavier mitbeitrgst, was nie
etwas anderes gewesen ist als undankbar, und niemals zu etwas anderem
gefhrt hat als zu schlechter, ekelhafter Kritik und Feindseligkeit und
Migunst. Es war ja doch _abgemacht_, da etwas Derartiges nie vorkommen
sollte. Und jetzt stehst Du mitten drin, und ich bin sicher, Du hast
hinterdrein nur rger davon. -- Nun liegt nur wenig Schnee noch lngs
der Wege unten auf dem Moor, sonst alles kahl. Wir haben die Maurer
gehabt, die Kuhstall- und die Pferdestallmauer frisch verputzt, den
Keller aufgebrochen, den inneren mit dazu genommen und zum Weinkeller
gemacht, man geht lngs der Mauer gegen Sden hinein, gleich unterhalb
der winzigen Kammer, in der das Piano steht. Der Wein liegt unter der
Stube, wo Keilhau und Arve schliefen. Nun kommen die Maler, und da
sollen die Gesindestube und Oles Zimmer in stand gesetzt werden. -- Mit
meinem Schreiben geht es gut augenblicklich und ich bin in blendender
Stimmung. -- Jedesmal, wenn ein Brief von Dir kommt, ist das unser
Hchstes! Ist es aber blo Gewsch, so sitzen wir da wie die begossenen
Pudel! Also das mut Du zu vermeiden suchen. -- Erbrmlicher als es
jetzt seit einer Weile hierzulande war und ist in Moral und Politik,
kann es nicht sein, sollte man denken. Doch ich habe schlimmere Zeiten
erlebt. Ich habe das unredliche Regiment der Rechten erlebt, mit blo
einem Drittel des Volkes, die aber doch die Macht nicht aus den Hnden
geben wollte, ehe sie Brgschaft dafr hatte, da sie auch weiterhin
_die_ Macht behielte, wenigstens das zu _verhindern_, was sie nicht zu
frdern wnschte. Und was _wir_ schrieben, war Dreck, und wofr wir
arbeiteten, war Snde, und wir selber waren schlechte Kerle. Ich werde
in mein Grab steigen mssen als ein schlechter Mensch -- in der
Vorstellung eines Drittels der Leute, mit denen ich in meinem Vaterland
zusammenlebe. Das ist, was _mich_ betrifft, das Ergebnis des langen
Kampfes. Und gerade als wir gesiegt hatten, und die herrschende Mehrheit
waren, spaltete sich auch dieser Haufe in zwei Teile; und wiederum sieht
ein Drittel von ihnen mich fr einen schlechten Kerl an. So steht es. --
Der Hof bringt nichts ein, weder unter dem einen Verwalter noch unter
dem andern. Ich mu Lhne und Maschinen und Saatkorn zu all dem andern
bezahlen; der Hof wirft nur das Essen und die Kleider ab. Auf die eine
oder andre Weise mu hier Wandel geschaffen werden. -- Hier daheim ist
es sehr gemtlich; das neue Gesinde einfach entzckend, und es geht so
gut, -- wenn es sich blo auch lohnte! Aber fr Dich in Paris bezahlen,
und den Hof hier, und dann die Schuldenlast darauf, das wird etwas zu
viel fr Deinen Freund und Vater. Trotzdem -- es geht schon! -- Ja, leb
wohl denn! Gute Fortschritte, keine skandinavischen Narrenspossen,
Arbeit und gute Musik, voil!

                                                    Dein Freund Vater.




                                                      3. Februar 1889.


Liebe Bergliot, Du mut ja nicht glauben, da die Zeiten jetzt
unsittlicher sind, als sie frher waren. Sie sind viel besser! Was
Frankreich betrifft, so existieren Memoiren, die die grte
Unsittlichkeit nachweisen, bis in die Klster hinein; das ist heute
unmglich. Und eine Menge hnliche Dinge, die ich nicht herbeten mag.
Aber die Frau hat eine Stellung im _Handwerk_ gehabt, die sie spter
verloren hat.

Ich fr mein Teil glaube an einen Kreuzzug gegen die Unsittlichkeit wie
jetzt gegen den Alkohol. Aber noch ist die Zeit nicht gekommen, obwohl
immer mehr Gemter begreifen, da es die Gesundheit des Geschlechts
gilt.

Seitdem ich das letztemal schrieb, bin ich auf einer Volksversammlung
gewesen und habe da eine der besten Reden gehalten, die ich je gehalten
habe (fr allgemeines Stimmrecht). Htte ich nur Zeit und die Mittel
dazu, so wrde ich fr die Sache im Lande herumreisen. Knut Forr ist
hier gewesen, der aus Fron, ein angenehmer Mensch. -- Morgen wollen wir
fort nach Rindal in Fberg (auf der andern Seite des Mjsen), das ganze
Haus und der Gustum. Kommen Montag Morgen zurck. Wir haben viel
Ausfahrten heuer gemacht. Geographie und Liebe hat groen Erfolg in
Kristiania gehabt; das hat mich mchtig gefreut. -- Jeden Abend spielen
wir jetzt Boston; es ist sehr gemtlich. -- Fr die Uhr, die Du kaufen
willst, wollen wir gern das Geld auslegen, falls Du es wnschst; aber
sie wird natrlich, wie alle solche alten Uhren, schlecht gehen, so da
es Dich einmal ein neues Werk kosten wird, und das sind wieder an die
300 frs. -- Wenn Du Krieg oder Revolution in Frankreich befrchtest, so
irrst Du. Es kommt bei dem Ganzen nichts heraus als viel Lrm. Du kannst
Cavling von mir bestellen, es sei eine Schande von ihm, uerungen
hinzuwerfen, wie die, da Gambetta scrutin de liste haben wolle, um
Diktator zu werden; das zeigt, wie leichtsinnig er schreibt. Gambetta
tat es nur, um der Unsitte ein Ende zu machen, da die Deputierten ihren
Whlern alles mgliche versprachen; er dachte, wenn zehn bis zwanzig
Deputierte in einem ganzen Departement gewhlt wrden, so htte es ein
Ende damit und also auch mit dem belstand, da sie wie ein Alp auf den
Ministern lagen, um durchzusetzen, was sie ihren Whlern versprochen
hatten. Aber freilich -- Verzeihung! -- alle die in _einem_ Departement
Gewhlten machen es jetzt so, da sie _untereinander austauschen_, was
jeder von ihnen versprochen hat, und womit sie die Minister plagen
wollen, -- und so ist dasselbe Elend wieder da! -- Sag' ihm das! Und
fg' hinzu, da er in der Regel teufelswenig wei von dem, worber er
schreibt; aber in Stil und Esprit nimmt er bestndig zu. Alle Menschen
_mssen_ ihn lesen.

Hat Mutter Dir erzhlt, da wir eine mchtig feine neue Stute gekauft,
und die alte verkauft haben? Andre Neuigkeiten vom Hofe wei ich nicht.
Doch! da wir eine neue Bergliot im Kuhstall haben; die alte wollte blo
schn sein und nicht recht Milch geben. Nun werden wir sehen, ob die
neue ihres Namens wrdiger ist. Nein, wie ich es Dir gnnte, wieder
einen norwegischen Winter zu sehen! Du kannst Dir solche Pracht gar
nicht vorstellen! Ich werde in dem neuen Buche eine Reihe Schilderungen
bringen, also erspare ich sie mir hier im Brief. -- Karen war ziemlich
unentschieden, ob sie bleiben sollte oder nicht. Nun wird sie bleiben,
und es wird ihr zu Ehren auf dem Rollboden ein Ball gegeben, worauf sich
das ganze Haus freut, d. h. sein jngerer Teil. -- Ich mchte gern
wissen, was Mad. Marchesi ber Deine Stimme sagt. Schreibe gleich! Du
hast jetzt eine ganze Zeitlang nichts von den Fortschritten geschrieben,
die Du machst, z. B. im Trillern. -- Und was Du ber Arve schreibst, ist
zu wenig. Wie verhielt er sich zu den anderen Schlern Marzicks und zu
Marzick selbst? Mastab! Und hat sein Spiel mehr Feinheit gewonnen, mehr
sichere Gleichmigkeit? An diesen beiden Dingen fehlte es letztesmal.
Erzhl' genau und ausfhrlich. Und was sagt Marzick von ihm?

Nein, was dieser Keilhau fr ein netter, guter Junge ist! Aber
schwchlich. Er hat einen Schwindelanfall usw. gehabt, einfach
Nikotinvergiftung. Nun hat er den Tabak ganz aufgegeben. Er raucht
berhaupt nicht mehr. Er geht stark mit dem Gedanken um, nach Drontheim
zu gehen als Redaktionssekretr bei Dagsposten. In diesem Falle gibt
er sein Studium auf. Ich wei auch nicht, was er damit soll, wenn sein
Lebensberuf einen ganz andern Weg einschlgt. -- Von zu Hause mu ich
Dir erzhlen, da Han und die Katze Mons sich sterblich in sich
verliebt haben; sie knnen einander keinen Augenblick in Frieden lassen.
Sie lecken sich und spielen zusammen auf Schritt und Tritt. Aber Han
ist ein Bummelkter geworden, der sich auf allen Hfen herumtreibt. --
Ja, diesen Brief mute ich schreiben, weil Mutter keine Zeit hatte;
jetzt stehen sie alle -- Sonntag morgen -- und warten auf mich; die
Pferde sind angespannt; wir wollen fort nach Rindalen. Leb' wohl und
verlobe Dich nicht! Verlieb' Dich auch nicht, auer in Deinen Gesang.

                                                    Dein Freund Vater.






Liebe Bergliot, Deinen letzten nervsen Brief empfangen und gelesen;
gleichzeitig einen sehr nervsen auch von Bjrn. Ja, das ist ein Fehler
bei Euch, da Ihr so seid; aber das hngt wohl zusammen mit dem
Geistigen und dem Gefhlsstarken, mit dem, was die Seele der Kunst ist.
-- Wir amsieren uns hier daheim, da ich Bruun durchprgle. Ja, diesmal
soll er Haue haben, Haue, Haue. Jetzt bin ich daheim und den Zeitungen
ebenso nahe wie er. Du wirst auch Deinen Spa daran haben, wenn Du die
Zeitungen siehst. -- Mein Buch schreitet rasch vorwrts; ich hoffe, ich
werde zu rechter Zeit fertig. -- All diese Schweinerei, die hier zutage
tritt; diese Roheit, mit der sie das Gefhl unterdrcken wollen und das
Recht des Strkeren predigen! Wo kme die Welt hin, wenn es Gesetz
wrde, da ich das Recht htte, einen Mann zu tten, den ich fr unntz
hielte, blo damit ich dadurch das Geld zu etwas Ntzlichem bekme? Wer
sollte zuletzt Richter sein darber, was ntzlich ist?

Mir graut nicht vor dem, was kommt; die Krfte mssen drauf losstrmen;
so lange die Reichen ihr Recht so frchterlich mibrauchen, wie sie es
tun, mssen die Vernichtungskrfte arbeiten. Aber ich wei, welches die
Fortschrittslinie ist, und da die Menschen niemals darber
hinauskommen. -- Du solltest Mutter in diesen Tagen unten im Mistkeller
stehen sehen, wie sie ihren Mistprinzen Mist aufladen sieht! Nun ja, er
_ist_ auch tchtig, das finden alle; aber Mutters Schwrmerei fr ihn
kennt keine Grenzen; wenn sie wieder hereinkommt, geht ein Duft von ihr
aus, da wir lachen mssen. -- Denk Dir, der Mist im Keller war so
eingefroren, da wir ihn mit Sprengschssen sprengen muten und
wegfahren wie Steine. Jetzt ist er fort. Noch nie ist es so rasch
gegangen mit so wenig Hilfe. Wir sind Nummer eins im Dorf, und das ist
Erlings ganzer Ehrgeiz. -- Die neue Haushlterin ist eine prchtige und
tchtige Person; ich habe sie Even Toft zur Frau bestimmt. Pa nur auf!
-- Der Nordrum kalbt jeden Tag, wir essen Biestermilchkse, Mdel, wie
andere frische Milch trinken. Und Kalbfleisch und Kalbfleischsuppe
natrlich. -- Es ist mglich, da Du jetzt einen Monat lang keinen Brief
von mir bekommst, der Erzhlung wegen; ich mu jeden Augenblick
ausnutzen. Aber andere werden Dich schadlos halten.

                                              Dein guter Freund Vater.






Liebe Bergliot, Mutter hat sich im Liegen die Hand verstaucht -- hast Du
schon so was gehrt? -- Sie kann nicht schreiben. -- Jenny ist hier und
hat Anna Finsen mit, gestern groe Umkalfaterung im Garten, die alten
Stachelbeerbsche weg usw. Neues dafr. -- Noch kein Frhling ist, so
lang' ich denken kann, so schn gewesen in Norwegen wie dieser. 16 und
17 Grad Raumur jeden Tag. Die Hhner im Sommerstall (wir haben fast
keine mehr, Erlings Hunde haben sie gefressen; neulich fra Han noch
eines!), die Frhjahrsbestellung fast fertig. -- Wir haben die Mitte des
Altans wegnehmen mssen und sind auf diese Weise in der Lage, sie
reichlich eine Elle vorrcken zu knnen, so da wir nun Platz fr einen
Tisch und doch noch reichlich Platz zum Spazierenlaufen haben. --

Letztesmal schriebst Du einen netten, langen Brief. Nein, da Du tanzt
und Dich amsierst, dagegen habe ich gar nichts; aber dagegen, da Du an
den _ffentlichen_ Vergngungen der Skandinavier teilnimmst; davon hat
man nichts als Kritik und Undank; bist Du glcklicher dran -- um so
besser!

Nein, Du sollst Deine Zeit in Paris bleiben und keinerlei Rcksichten
nehmen, weder jetzt noch spter, wenn es gilt, vorwrts zu kommen.

Hr' nun auf, Dich um mich zu ngstigen; ich werde schon den Mund
auftun, wenn es notwendig ist. Aber ich denke, wir schaffen's.

Wenn ich jetzt ein Bild vom norwegischen Frhling geben knnte, so wie
er in diesem Augenblick durchs Fenster zu mir hereinschaut; und wenn
Du's Werenskjold vorlsest, so km' er vielleicht doch hierherauf. Er
htte hier freie Wohnung in selbigem norwegischen Frhling, und falls er
es obendrein bleiben lassen wollte, mich zu malen, so wre mein Glck,
ihn und seine Frau hier zu haben, vollkommen. Das Bild der Schnitter den
Hang hinauf, -- es steht vor mir, o Gott, -- wie herrlich das wre! --
In ein paar Tagen lassen wir das Vieh wieder auf die Weide; _den_
Anblick mut Du einmal wieder genieen. Bjrn kommt auf eine Spritztour
hierherauf und wird es dann sehen. Neulich kamen die kleinen Mdels, die
die fremden Schafe wegjagen, bis an den Kuhstall und schrien und
lachten, als man just Mittag lutete. Die Khe fuhren -- 40 bis 50 groe
und kleine -- auf hinter den Raufen; aber der Lrm weckte den Stallhund,
und der Hund und der Lrm und die Glocke und die Frhlingswrme stiegen
den Khen zu Kopf, erst sprang die eine, dann die andere auf -- alle
brllten der Stunde der Befreiung entgegen; ich war in der Nhe; ich
dachte, es sei was los; aber es war nichts weiter, als da alle die
Kpfe ber die Raufen streckten und nach dem Engel und der Stunde der
Befreiung ausschauten, whrend sie dabei brllten, was ihre Lungen
halten wollten! Die im Kuhstall geborenen, die noch keine Ahnung von
Frhling und Weide haben, drngten sich ngstlich aneinander; sie
begriffen die Erinnerungen und Hoffnungen ihrer Mtter und Vter nicht
und ebensowenig ihre wilden Gebrden. -- Meine Lektre ist zurzeit: die
Entwicklungsgeschichte der Moral von Ch. Letourneau, bersetzt von Boye
(Schubothes Verlag). Das mut Du lesen, wenn Du heimkommst; Werenskjold
sollte es auch lesen. Danke W. fr die Mitteilung von der Geburt seiner
Tochter; _hol' mich der Teufel_ -- ich werd' ihm schreiben. -- Hier soll
auf Solbakken groes 17. Maifest sein. Arvesen und Bjrn kommen. Leb'
wohl, se Bergliot.

                                                    Dein Freund Vater.






_Mein Liebling_, da Du so ganz miverstanden hast, was ich von Deinem
Gesang erwarte? Ich habe mich ja gewehrt gegen den Glauben, Du knntest
eine Bhnensngerin oder Weltberhmtheit werden oder alles so was; aber
ich erwartete, da Dir etwas von dem geschenkt wrde, was keine
norwegische Sngerin bisher gehabt hat; die Gabe, uns zu packen und
hinzureien, d. i. die Macht der Persnlichkeit in der Stimme, lieblich,
stark, jubelnd oder klagend, so da wir den lieblichen Sommertag, die
starke Lebensfreude, die nordische Wehmut fhlten. All die anderen sind
gute Stimmen -- weiter nichts. Ein bichen Leidenschaft, ein bichen
Zrtlichkeit, ein Hauch von Energie, aber keine tiefere
Persnlichkeitsbotschaft fr _uns_. Das glaube ich, wird _Deine_ Stimme
haben; ja, hat es bereits.

Sei jetzt vorsichtig, liebe Bergliot! Lauf nicht zu viel allein herum,
-- namentlich nicht, wenn es dunkel wird! Jetzt ist allerhand Gesindel
in Paris! Der Abschaum der Menschheit strmt jetzt dort zusammen -- aus
ganz Frankreich, England, Amerika, Deutschland, Italien.

Wir sind mitten in der Frhjahrsbestellung. Aulestad unter Erlings
Leitung ist all den anderen Hfen in Gausdal und Fberg voran. Er ist
sehr stolz darauf!

Wie freue ich mich jedesmal, wenn Deine Briefe kommen und uns erzhlen,
da Du Fortschritte machst in Deiner Arbeit, Lebensmut fhlst und Dich
nicht ducken lt oder hemmen!

                                                    Dein Freund Vater.






Liebe Bergliot, diese Zeilen heute, um mit Dir ber Deinen jetzigen
Zustand zu reden.

Bist Du so schwach, da Du ein Jahr aussetzen willst? berleg' es Dir!

Sprich in diesem Fall mit Mad. Marchesi darber.

Da Du Dich so unendlich einsam fhlst, ist natrlich auch nur Schwche
-- das gleichfalls. Ich wte nicht, da jemand leichteren Zutritt htte
zu der besten franzsischen Gesellschaft als Du durch (Mademoiselle)
Breslau und ihre Freunde. Aber Dein ganzer Brief ist nur schwarz in
schwarz.

Herrgott, wie sonderbar Du bist! Begabt mit einer bezaubernden
Stimme, mit der Mglichkeit, sie auszubilden, mit Sprach- und
Menschenkenntnissen, in guter Umgebung, mit den Mitteln zu allem, was Du
an Essen, Kleidern, Vergngen brauchst, und dabei in einer
kohlpechrabenschwarzen Laune! Und glaubst blo an einen Menschen, Frau
Cavling!

Mut Du nicht selbst lachen ber die Unnatrlichkeit und die
bertreibung, die darin liegt?

Mutter ist ganz verzweifelt, kannst Du Dir denken; denn sie macht alle
die Sprnge Deiner Laune mit; ich halte mich viel tapferer; aber zuletzt
mu ich mich ja auch besiegt geben, wenn es blo immer schlimmer wird.

Liebe Bergliot, hat Deine Gesundheit darunter zu leiden, oder sind Deine
Fortschritte infolge der Gesundheit unbefriedigend, dann mache kurzen
Proze, das ist meine Meinung. Du bist jung und kannst es nachholen.

Wenn Du auf dem Wege warst, Dich zu verlieben oder zu verloben, dann
knnte ich ja verstehen -- teilweise wenigstens. Aber ich hoffe, das
httest Du uns doch gesagt. Ich hoffe, Du hast Dich frei gehalten, wie
Du einmal bers andre versichert hast.

Also mu es unbedingt Schwche sein, und da bedarfst Du des Ausruhens.
Am liebsten mchte ich, Du besorgtest das auf der Askov-Hochschule, da
knntest Du einen grndlichen dreimonatlichen Turnkursus durchmachen.
Meines Erachtens wrde nichts Dir so helfen wie das.

Und _Du_ willst Dich besiegt geben, Bergliot? Schwarz sehen und Tinte
spucken? Mut in der Brust, Mdel!

                                             Dein bester Freund Vater.






Liebe, se Bergliot, die Geschichte mit dem naseweisen Prinzen hat mich
furchtbar gergert. Du mut doch einsehen, _das_ ist keine Annherung --
durch einen Brief! Solche Leute haben irgendeinen, der ihr Konzert
veranstaltet, und durch den Betreffenden oder die Betreffende erfolgt
dann die Annherung. Soll sie nicht durch so jemand erfolgen, sondern
direkt, dann kommt man auch direkt, und ist man unverheiratet, mit der
Person, die im Hause reprsentiert. Ich kenne Dich gar nicht wieder, da
Du auch nur einen Augenblick von dem frstlichen Lmmel Notiz genommen
hast. Du httest zu Sansot (rue Clauzel 23) gehen sollen; er ist ein
Franzose und ritterlich.

Die Sache mit den Amerikanern gefllt mir gut, wenn Du jedesmal
ehrenwerter Leute und ehrenvoller Behandlung sicher bist. Du mut Dich
selbst vor der ffentlichkeit behaupten lernen, und Du darfst nicht
glauben, da Du das kannst ohne _lange_ bung im ffentlichen Auftreten.
Aber es darf Dir nicht zu viel Zeit wegnehmen und nicht zu groe
Toilette erfordern; denn sonst ist es nicht lohnend genug und viel zu
frh; _jetzt_ hast Du Deine Zeit ntig. Ja, liebe Bergliot, es freut uns
ungemein, da man also -- und zwar Leute, die sich auf Gesang verstehen
-- Dich schon jetzt auffordert, vor den Amerikanern zu singen. Also hast
Du Deine Zeit in diesem Winter gut angewandt. Ich verlasse mich darauf,
da Du in diesen Gesellschaften Dich freihltst von allem, was nach
Absichtlichkeit oder Koketterie aussieht; so etwas liegt kaum in Deiner
ehrlichen, schlichten Natur. Und ich bin berzeugt, da _die Besten_
dies auch sofort einsehen werden, und die anderen allmhlich dahinter
kommen. -- Ganz gewi hat Frau Lrig Recht darin, da vier Monate ohne
Gesang zu viel sein wrden. Aber bist Du _noch_ nicht so weit, da Du
anderthalb Monate ohne Lehrerin ben kannst, -- ich meine durch
Tonleitern die Stimme auf der Hhe und gleichmig erhltst, und Dir
durch Einstudieren norwegischer Lieder ein schnes Repertoire zulegst?
Darber mut Du sofort und bestimmt mit ihr reden, hrst Du! Darber ins
reine zu kommen, drft Ihr nicht aufschieben, _hrst Du_!! Ich glaube
_nicht_, da es fr Dich gut sein wird, bis Ende Juni zu bleiben; ich
glaube es wirklich _nicht_. Das ist wichtig fr Dich, weil die
_Gesundheit_ ein schwerwiegender Faktor ist in den Dingen, die Deine
Studien zu einem hohen Ziel fhren sollen. -- Jennys Beschreibungen mut
Du _buchstblich_ nehmen, also genau so, wie sie es sagt; -- denn das
ist die Seite, die sie rgert; die andre, die sie ergtzt, vergit sie,
-- bis man in ihre Nhe kommt und sieht, wie vergngt und frisch sie
selbst ist. -- Liebe, se Bergliot, wie sehnen wir uns nach Dir; aber
das darf Dich auch nicht _einen_ Tag Deiner bungen kosten! es gilt
einzig und allein die Rcksicht auf Dich selbst, auf Deine Gesundheit.
-- Wieder kalte Tage, die das Fest der Schneeschmelze aufhalten! Wieder
blitzende Keilereien mit Bruun; aber er ist jetzt zahmer. Ja, ich fhle
mich nun hier daheim behaglich, so wie es nun einmal ist. Wenn blo
unsre ffentlichen Zustnde gesunder wren. Aber auch das renkt sich
wohl noch ein. -- Wir haben aus dem Kutschwagen einen Char--banc
gemacht und uns einen kleinen zweirdrigen Federwagen und einen groen
dito (auch auf zwei Rdern) fr Gepck, den Wein und derartiges,
angeschafft.

                                                    Dein Freund Vater.




                                                         19. Mai 1889.


Liebe Bergliot, ich denke mir, Frau Lrig und Du seid wieder gute
Freunde, wenn Du diesen Brief bekommst. Das ist ja zu kindisch im Kern!
An Lehrern oder Lehrerinnen soll Deine Zukunft nicht scheitern. Aber
wenn es in Deinem Brief aussehen soll, als wollest Du _gegen Deine
berzeugung nachgeben_, nur um vorwrts zu kommen, so soll der Teufel
den Wisch holen. Nein, gib da nach, wo Du unrecht hast, und meinetwegen
auch in allerhand Dreck und Bldsinn und sonst was; aber nicht da, wo Du
recht hast und es Deine Selbstachtung direkt angeht. Mag _dies_ Erbe
Deines innern Wesens Dir auch mancherlei zu schaffen machen, so hast Du
doch auch Freude davon und seelische Entwicklung. Es ist ja etwas in
Dir, das Du lernen mut zu beherrschen. Und es ist schlimm, da Du in
Deiner nchsten Umgebung Streitigkeiten hast, wo Du Frieden haben
solltest. Im Hause nmlich. Es ist auch schlimm, da Du niemand hast, zu
dem Du gehen kannst, und der jetzt fr Dich eintreten knnte. Ich habe
es Dir schon frher gesagt, und ich sage es Dir wieder, _das ist
falsch_. Wir mssen alle so dastehen, da wir gegebenenfalls Verteidiger
haben. Aber Du verkehrst nicht mit Runebergs, nicht mit Sansots, nicht
mit Tschernings, also mit keinem von denen, die Dir in unserm Namen
Ratgeber und Beschtzer sein knnten.

_Dies mu anders werden!_ Beherzige das!

brigens nimmst Du das Ganze zu tragisch. Sie ist ein Dummkopf, -- das
habe ich ja immer gesagt, und mit einem Dummkopf mu man Nachsicht
haben.

Willst Du nach Hause kommen, um Dich vor all dem zu retten, so tue es.

Wir haben Dikka hier gehabt.

Sie war einfach s. Dann ist Arvesen hier gewesen zum 17. Mai --
unvergleichlich! Er wird immer prchtiger. Gute Laune, berlegne Ruhe
bei allem Eifer, -- prchtig!

Erling machte seine Sache als Preisausteiler und Festordner und Leiter
_vorzglich_.

Wir stehen vor einer Reise nach Lillehammer, wohin wir Keilhau folgen
werden; er reist heute mit Dikka und Arvesen.

Der Brief ist faselig. Aber Du verstehst ihn schon. Hier im Hause ist es
so unruhig. -- Vergi nie -- in was fr Dummheiten Du auch
hineingertst, und was Du selbst auch fr Dummheiten machst --, stets
mut Du die feste berzeugung haben: wir glauben _dann_, da Du bei
Deiner prchtigen Natur einfach _unglcklich_ bist, und wir werden nicht
bse, sondern selbst unglcklich sein _und Dir helfen nach bestem
Vermgen_. Denke daran, Bergliot, da Du niemals etwas tun kannst, aus
dem Dir herauszuhelfen wir nicht mit aller Kraft versuchen werden. Habe
vor allem und unbedingt in Dir die Sicherheit, die das Bewutsein gibt,
da Du unerschtterlich _treue Freunde_ an uns hast, in Freud und Leid,
in Glck und Schande, in unwandelbarer, ausharrender Liebe. Mutter grt
und kt Dich, lieber Schatz, und ebenso

                                                    Dein Freund Vater.

Ja, das sieht aus wie flott hingeschrieben; aber Du weit, es ist guter
alter Wein, nur zu hastig eingeschenkt; sie drngen mich.




                                            Lillehammer, 20. Mai 1889.


Liebe, se Bergliot, Dein Brief vom 16. Mai hat einen Jubelsturm
hervorgerufen heute; wir bekamen ihn noch im Bette, oben bei Lundes.
Heute, das heit Montag; wir sind gestern, Sonntag, um 11 Uhr hier
angekommen, -- so zeitig, da eine kleine Deputation mit Blumen, die von
Balberg aus uns entgegenkommen wollte, zu spt erschien; sie waren mit
auf dem Solbakkefest gewesen und wollten ihre Dankbarkeit beweisen.

Tausend Dank fr Deinen Brief! Mutter und Dagny sind beim Zahnarzt, und
ich habe versprochen, Dir ein paar Worte zu schreiben.

Liebe, se Bergliot, Du sollst in Licht und Hoffnung leben; Du sollst
es gut haben. -- Ich habe mich sehr gewundert, da Du nicht mit bei dem
Ausflug der skandinavischen Knstler nach Meudon warst. Ich wundere mich
sehr, da Du nichts ber Thommessens schreibst, die lange Zeit in Paris
gewesen sind. Am 17. Mai bekamen wir ein Telegramm von ihnen, und Dein
Name war nicht mit dabei; also warst Du auch nicht da. Das geht aber
doch nicht an, da Du so ganz auerhalb lebst, wenn etwas Derartiges vor
sich geht! Hast Du keine skandinavischen Freunde sonst als Cavlings?
Hast Du zu niemand Vertrauen? Du bist so exklusiv.

Von Lundes die herzlichsten Gre! Von allen, allen! Freude darber,
Dich bald wiederzusehen! Wonne darber, da es Dir gut geht! Herrliche
Sommertage, prchtige Stimmung! Leb wohl!

                                                    Dein Freund Vater.




                                               16. Juni 1889, morgens.


Ich wnsche Dir Glck, Du geliebtes Menschenkind! Alle Fahnen gehit an
dem herrlichsten Sommersonntag! Der Hahn krht in dem hohen Gras, die
Kken, die kleinere Brut, piepsen in neunstimmigem Chor in ihrem
prchtigen Gela unter der Treppe zum Vorratschuppen, und die grere
Brut auf dem Hofe drauen, beide unter der weisen Leitung ihrer Mtter;
sechs Schweine singen Ba und Bariton weiter weg im Schweinegehege,
Elster und Krhe machen einen Heidenlrm dicht davor; von B her Knall
auf Knall vom Schtzenfest; Erling ist Vereinsvorstand; die Schellen der
Pferde ertnen vom Tal unten herauf, zwei Hengste halten oben im Stall
die gute Laune aufrecht, sie wiehern um die Wette nach einer Stute, die
den letzten Tag dort steht (sie soll unter der Obhut eines Hengstes auf
die Weide); Gromutter geht herum und knickst gratuliere! Oline ist
angekommen und huscht umher, stiller als ein Muschen, und rumt auf,
Karen hat die Hlfte von Mutters sechs Paar Strmpfen aufgefressen und
tut ganz geschwollen vor Scham und Reue, Dagny trappelt im Hemde umher
mit staubigen Fen noch von gestern, Erling streckt seine verbundenen
Finger von sich und berlegt, ob er zu Amtmanns fahren und um Marit
anhalten soll (Karoline ist gekommen); Petter reist hinter Keilhau her;
-- und Sonne und Fliegengesumme und Hahnenschrei und Stille und Flaggen
-- und

                                                           Dein Vater,
                                                         der schreibt.




                                                            Juni 1889.


Liebe Bergliot, wir sind ganz entsetzt, da Du in dieser Sonnenhitze von
Pontius zu Pilatus rennst nach Zeugnissen; im nchsten Brief bist Du
wohl gar bei Prsident Carnot und Madame Marchesi gewesen. Vom Champ de
Vincennes nach tour d'Eiffel und Mad. Viardot! Und Du behauptest, Du
seiest nervs? Das glaube ich; das wird man von weniger! Allein die arme
Madame Lrig lt Du sitzen und sich die Ngel kauen. Und im brigen
heidi -- in einem cours triomphal! Hast Du nie Deinen alten Drachen mit
oder ihren Hund oder ihr Dienstmdchen? Lufst Du allein umher? Nein, es
ist ja wahr, Mad.selle Breslau war ja einmal mit, und ein andermal eine
geheimnisvolle englische Dame, und in Vincennes Cavling, jedesmal
weranders! Ich hoffte, von Sansots zu hren; aber nicht ein Wort! -- Du
bist so betriebsam geworden, da, wenn jemand mir erzhlte, Du httest
vor Ambroise Thomas gesungen in Gegenwart des Schahs von Persien, ich es
fr ganz wahrscheinlich halten wrde. Du endigst mal als
Operndirektrice; der unternehmende Geist Deiner Mutter ist in Dir
wiedergeboren, und sie htte eigentlich das Bon march oder Les grands
magasins du Louvre leiten sollen. -- Unsre Tchter werden sicher noch
mal unsern Jungens die Butter vom Brote nehmen; denn nun glaub' ich,
auch Dagny wird Knstlerin, -- entweder Schauspielerin oder
Schriftstellerin, oder beides. Auch sie fngt an, diese nervse
Unverzagtheit an den Tag zu legen, die Du hast. -- Ja, im Ernst -- ich
fange an, auch in Dagny so was zu ahnen. -- Mein ses Mdel, in ein
paar Tagen bist Du hier; und ist das Wetter wie jetzt, so kommst Du wie
im Schlafe angeschwommen. Gib Dich nicht dazu her, den Leuten an Bord
was vorzusingen, so da wir den ganzen norwegischen Klatsch hren
mssen, lang eh Du selber kommst! _Mein Rat_; aber tu _Du_, wie _Du_
willst. Das Piano bereits in Lillehammer; jetzt schaffen wir es hier
herauf, da es dasteht, wenn Du kommst. -- Arvesen hat angekndigt, da
ein amerikanischer Freund von Arve hierher kommt und Arve selber. -- Ich
freue mich nicht auf all den Klimbim. Je lter ich werde, desto weniger.
Im brigen ist die Luft so voll Elektrizitt, da ich kaum arbeiten
kann. -- Mutter berichtet wohl von Erlings Unfall. Mir imponiert es
mchtig, da er es wagt, sich einem scheu gewordenen Pferd
entgegenzuwerfen und es zum Stehen zu bringen. Dazu gehrt ein Mut, wie
ihn nicht viele haben; und denk Dir, er hatte sich dabei an dem anderen
Pferde die Hand so abgeschunden, da er mit dem roten Fleisch das tolle
Tier anpackte, das ihm mit dem Wagen auf einem Rad entgegenkam! Tapferer
Bengel! Ja, wenn dies also der letzte Brief ist, ehe Du kommst, -- Dank
fr all Deine Montagsplaudereien, liebe, se Bergliot! Und mach' die
entsetzliche Hitze dafr verantwortlich, da Du wieder nichts bekommst
als Unsinn.

                                                    Dein Freund Vater.

Ich habe nicht von Erling berichtet, weil ich nicht zuhause war und es
nicht gesehen -- sondern blo gehrt habe und nicht genau wei, wie es
zuging.




                                                   22. September 1889.


Wahltag in Paris; wenn er blo gut abluft.

Lieber, lieber Schatz, Du mut doch nicht immer die wechselnde Laune
eines anderen Menschen so tragisch nehmen, wie Du's bei Madame Marchesi
getan hast, oder es so auffassen, als sei nun alles, was ein anderer
sagt, auch seine endgltige Meinung. Du mut von Dir selbst wissen, wie
leicht Deine eigne Meinung wechselt nach Deinen eignen Stimmungen, und
selbst die strksten Menschen sind nicht immer so neutral, so
selbstndig unbeeinflut, da ihr Urteil vllig ihr eignes ist. Stell'
Dir vor, Du kommst bei Madame Marchesi an die Reihe nach einer Stimme,
die wie ein Meer von Klang ist? Dann hast _Du_ ja eine kleine Stimme;
stell' Dir vor, da dieses Meer oder etwas andres Privates sie gergert
hat, -- dann _sagt_ sie Dir, da Du eine kleine Stimme hast. _Das hast
Du ganz und gar nicht._ Zu den groen gehrt sie nicht; aber sie wird
(wenn sie nie forciert, nie bis zur Grenze ihrer Leistungsfhigkeit
angespannt wird, sondern immer in vollem Wohlklang ist) sich berall
gro genug anhren, sei es in der Oper oder im Volkskonzert; ihre
intensive Klarheit wird es schon mit weit greren Stimmen aufnehmen
knnen.

Auch ich, wenn ich die Stimme zum erstenmal hrte und von allem
Persnlichen in ihr und in Dir abshe, wrde sagen, ganz _unbedingt_
sagen: es ist eine lyrische Stimme, keine dramatische. Kannst Du Dich
erinnern, wie ich Dir sagte, Madame Marchesi wrde zweifellos den
Versuch machen, sie fr die feinsten Sachen auszubilden? Und Du wrdest
deshalb jedenfalls _zwei_ Jahre bei ihr singen mssen statt einem? --
Sei ganz sicher, -- an dem Tage, an dem sie Dich frei von der Leber weg
hat singen hren oder berhaupt Dich richtig erfat hat -- wenn auch nur
als Persnlichkeit -- wird sie ihre Ansicht ndern. Vorlufig ist es ja
auch ganz gleichgltig fr Dich, was sie ber Deinen zuknftigen Beruf
denkt. Richte Du Dich ein, wie es Dir nach Deinem eigenen Gefhl am
besten erscheint; nimm Unterricht in Plastik usw.

Die Hauptsache ist ja doch, da Du Dich vervollkommnest in der
Gesangskunst, und das kannst Du am leichtesten, am allseitigsten
(jedenfalls was das Technische betrifft) als lyrische Sngerin. Dein
Temperament, Deine ganze Veranlagung weisen Dich auf den Weg zur Oper;
und den betrittst Du, wann Du selbst es willst, -- hast Du erst die
ganze Kunst, die ganze, ganze Kunst bis ins Feinste und Letzte weg. _Und
dahin mut Du kommen!_

Selbst das rgert Dich, da sie will, Du sollst ganz im kleinen
anfangen. Natrlich geschieht das deshalb, um die Fehler in Deiner
Stimme zu packen. Es sind Tne da, die Du nicht so frei nimmst wie andre
Tne, die Du quetschst; z. B. mit dem l, in das Du ein i oder was
hnliches hineinbringst, ehe Du es nimmst. brigens habe ich nie von
einem Musiklehrer gehrt, der _nicht_ von seinen Schlern verlangt
htte, sie sollten wieder von vorn anfangen; da ist sicher auch viel
Wichtigtuerei mit im Spiel!

Du mut es bei Dir selbst fhlen, Bergliot, was _wir_, die Dich hren,
wissen: da in Deiner Stimme etwas ist, das durch seine Klarheit, seinen
Ausdruck, seinen Liebreiz bezaubert oder vertrollt, wie es auf
norwegisch heit. Und auf dem Ankergrund dieses Bewutseins sollst Du
Deine Arbeit befestigen, da niemand daran rtteln kann. Du sollst Dich
ruhig und sicher rsten fr Deine Fahrt --, wohin sie fhrt, wird sich
schon zeigen. Da Du aus Deinen ganz besonders schnen Mitteln gemacht
hast, was sich daraus machen lt, darauf kommt es an; denn dadurch hast
Du selber Sicherheit und wir anderen _Gewiheit_. Wenige mten sich so
glcklich und arbeitsfreudig fhlen wie Du, Bergliot.

Hier ist mannigfarbiger Herbst, schner denn alle andre Jahreszeit. Von
den gemtlichen, warmen Stuben aus sehen wir ihn oder wir genieen ihn
auf Spaziergngen. Sonntagmorgen; Mutter just aus dem Bett, Gromutters
Geburtstag, alle Flaggen gehit, Sonnenwetter, aber noch im Morgennebel;
oben Dagny und Inga im lustigsten Vogelgezwitscher, Gromutter kommt
eben strahlend heraus, ich laufe und ksse sie, und wieder hinein zu
Dir, um es Dir zu erzhlen. Erling, mit dem ich zusammen gefrhstckt
habe, ist mit seinen zwei Hunden unten auf dem Schiestand (eben kommt
er heim); Hermann Anker hat ihm seinen feinen Hhnerhund Lord
geschenkt. Alles auf dem Hofe eingeherbstet, die Felder herbstgrn,
Pferde und Vieh drauen zum Morgengetummel; Dienstag kommt die Herde von
der Alm zurck; aller Almsegen ist eingebracht.

                                                    Dein Freund Vater.




                                                   28. September 1889.


Liebe Bergliot, wir haben heute schmerzlich auf die Post gewartet, um zu
sehen, ob Du noch ebenso mimutig seist. Das warst Du also nicht; obwohl
ich mich grndlich rgere, da Du so schwach bist, -- so schwach, da
die Stimme darunter leidet! Was in aller Welt ist denn das nur,
Bergliot? Du, die frher ein Hne war. -- Ich glaube, Du mut Dir ein
paar Hanteln anschaffen und Dich auf etwas krftigere Gymnastik legen.
Das strkt die Muskeln und den Appetit. -- Prachtvoll ist es, da Du zu
netten Leuten gekommen bist. Da Du keinen aufregenden Spektakel hast,
meine ich. It Du nun auch gut dort? Liebling, antworte mir hierauf! Die
Sache mit den Eiern ist schon recht schn; aber die Mahlzeiten mssen
krftig und appetitlich sein; gelhmte Leute natrlich essen wie Hhner
auf der Stange; wenn sie Dich nach ihrem Mastab messen, dann gnade Dir
Gott! -- I, i, i! Schreibe an Jakob Hegel, Klareboderne 4,
Copenhague, Danemarc, um Geld. Dort liegen mehrere Tausende zu Deiner
Verfgung, liebe Bergliot. Du _mut_ stark und froh werden. -- Zwei
Bcher sollst Du kaufen, sie selber lesen und sie dann mir schicken (Du
kannst sie billig bekommen, wenn Du es klug anstellst, z. B. sie durch
einen Agenten, z. B. Fougner, kaufst). _Un caractre par Lon Hennique._
_Und Un amour artificiel par Jules Case._ Bjrn und Jenny sind nun bei
Dir gewesen; ich habe blo Angst, Du kannst Arbeit und Vergngungen
nicht vereinigen, wenn sie Dich tagsber mit sich schleppen. Jetzt gilt
es fr Dich, die anderen einzuholen, und so lange mut Du mit Deinen
Krften haushalten. -- Hier ist nichts Neues; ich habe ein Herbstlied
geschrieben, das ich Dir bei Gelegenheit schicke; das Wetter war zu
herrlich; es lockte mich. Ole Nordrum und die Khe sind hier; Oles
Zimmer ist getfelt und gemalt und sieht aus wie eine Puppenstube; jetzt
wird das von Karen und der Jungfer neben Erlings frisch beworfen und
gemalt; die Gesindestube ist getfelt und gemalt. Ich liefere also die
Gebude in vorzglichem Zustand ab (ausgenommen die Einrichtung des
Viehstalls). Meine Lektre war ein Buch ber den hervorragenden
englischen Geist Carlyle (sprich Carleil). Httest Du Zeit und Lust fr
dergleichen, so wrde ich es Dir schicken; es ist vorzglich gemacht von
einem jungen Bergenser Troye. Dann werde ich Dir drei Exemplare des
Dagblad senden; ich habe ber den Bettelsack auf Schwedens Rcken
geschrieben; das wird Spektakel machen! -- Leb' wohl fr heut abend,
liebe B. B.! Deine Mutter sendet Dir wohl auch ihr Teil. Ich freue mich
ber die Wahlen in Frankreich! Oh, wie ich mich freue! Gr' Deine
Alten!

                                                    Dein Freund Vater.

Nein, wie ich gelacht habe ber Deine verrckte Alte beim Besuch bei
Euch!

Inga Bjrnson ist das Prachtvollste, was Du Dir denken kannst.

Gre Cavlings.




                                                      6. Oktober 1889.


Wahltag. Bin _gespannt_!

Liebe Bergliot, nun also der Brief war schon heiterer. Mad. Marchesi hat
Dich nicht umgebracht, Deine Stimme ist nicht eingerostet, Du selbst
bist nicht in die Seine gesprungen, Paris ist auch nicht untergegangen.
Das letztemal sah es recht trbe aus. Es wre doch sehr nett, wenn es
wenigstens _etwas_ gbe, was fest bestehen bliebe, selbst wenn Deine
Laune zum Teufel geht. Aber wenn die ganze Welt aus den Fugen gehen
soll, so oft die Marchesi den Mund verzieht, so kann mir die Welt nur
leid tun. Wenn Du nur z. B. Dir selber klar wrdest, da Deine Stimme
von einem Klang und einer Reinheit erster Klasse ist, so liee sich ja
der Gedanke ertragen, da sie nicht gro ist oder an augenblicklicher
Schwche leidet. Und wenn es feststnde, da Du _seltene_ dramatische
Schwungkraft und Illusion in Dir hast, so wre es ja wohl mglich, mit
der Entscheidung der Frage: wozu? zu warten, bis die Stimme vllig
ausgebildet ist. Selbst wenn es etwas lnger dauern sollte: die
vollstndige Ausbildung der Stimme ist das Erste.

Auf Zweierlei bin ich sehr gespannt jetzt: findest Du, da Du
Fortschritte machst, etwas lernst, das Dir ganz besonders vorwrts
hilft, Fehler ablegst, Neues aufnimmst, -- _und ferner auf den Preis_!
Du mut Dir doch einmal darber klar werden, was der Spa kostet. --
Erling und Anna sind gestern abend gekommen, und _Freitag, den 11._,
soll die Hochzeit stattfinden, so gibt es viel zu tun hier; darunter
mut auch Du leiden. Alles soll umgekrempelt werden; wir glaubten, es
sollte am 14. sein; also Mutter ist bse und hat keine Zeit zum
Schreiben. Anna ist wirklich lieb, so ganz unberhrt; sie mte fr eine
ganz bedeutende Entwicklung empfnglich sein, und es ist eigentlich eine
Snde, da das alles nun in der Sorge ums tgliche Brot aufgehen soll,
-- wenn wir auch das Unsrige dazu tun werden, da es nicht so wird.

Du wolltest die Frauenzimmer in der Rue Labic (oder wie sie heit)
aufsuchen, nur _ein_ Frhstck im Hause, nur ein Zimmer; erkundige Dich!
Das Paar meldet seine hohe Ankunft telegraphisch. Sie mchten gern
irgendwo in Ternes wohnen; Du hast freie Hand, Vorsehung zu spielen.

Wir haben einen neuen Ochsen aus Telemarken, eins der schnsten Tiere,
das man je hier gesehen hat, 130 Kronen, 1 Jahr alt. Ullmanns Knecht
hat ihn gebracht. Dann haben wir unsern eignen Ochsen und eine Frse
verkauft -- ohne da das den Preis fr das Biest aus Telemarken
eingebracht htte. -- Mutter, Erling und Anna sitzen und schreiben die
Einladungen zur Hochzeit. Blo Annas Eltern, Fyksens, Pfarrers,
Brresens, Even Toft und Ktnerleute von hier. Lundes und Mejdells aus
Lillehammer und mein Bruder mit Frau aus Xania. Die Neuvermhlten fahren
Freitag um 5 Uhr von hier nach Lillehammer ins Victoria-Hotel -- ha! wie
Bergliot schreibt! -- Wir haben das allermildeste Wetter. Wir pflgen
fr nchstes Jahr im voraus und lassen den Stall und den Schweinekofen
inwendig bewerfen, ebenso Karens Raum (oben neben Erlings), und eins
wird wrmer als das andre. Alle Gebude instand zur bergabe auer der
Einrichtung des Kuhstalls.

Hier ist ein solcher Wirrwarr, da das Schreiben gar keinen Sinn hat.

                                                    Dein Freund Vater.




                                            Sonntag, 13. Oktober 1889.


Liebe Bergliot, das Haus ist noch immer voll von Gsten; Peter und
Laura, Sigurd und Lina, Frau Mejdell, Frau Lunde und Elisabeth Konow
sind alle hier.

Da Du es entgelten mut, das kann nicht anders sein. Du mut einen
Ersatz dafr in Erlings und Annas Besuch diese Woche sehen. Morgen abend
(Montag) reisen sie von Kristiania ab.

Also am Hochzeitstag war gutes Wetter mitten in der Regenzeit. Gutes
Wetter, klarer Himmel fr die Flaggen. Am Abend vorher waren Sigurd und
Lina gekommen und Peter und Laura und Arvesen; so da das Haus in
Festlichkeit erwachte; und die Flaggen verkndigten es sofort; auch B
hatte geflaggt.

Um halb eins kamen die Gste, alle in Wagen mit zwei Pferden, Fyksens
und Annas Eltern, Konows, Amtmanns, Brresens, der Landrichter und
Lundes. Ohne Verzug ging es zur Trauung. Hier im Arbeitszimmer war alles
hergerichtet (das beschreibt Mutter). Die Leute vom Gut waren auch da,
und als die beiden treuherzigen, lieben, jungen Menschen sich erhoben
und Ja sagten, da brachen wir alle, die ihnen die nchsten sind, in
Trnen aus, und ich weine jetzt wieder, whrend ich das schreibe. Die
Handlung war feierlich, nicht ein unwahres Wort dabei. Und der alte
Mejdell so rhrend, und stellte die Fragen an Erling wie an einen Sohn,
mit Du und mit solcher Wrme und Teilnahme! Und Anna war so
unglaublich niedlich in ihrem schwarzen Atlaskleid und so freudig und so
gerhrt. Und das waren wir samt und sonders. Wir waren mit einemmal eine
Gemeinschaft.

Keines von uns vergit den Tag; er hinterlie eine Stimmung, von der wir
noch heute zehren. -- Aber ich mu Dir noch vom Essen erzhlen, es war
so angeordnet, da jede einen Tischherrn hatte (Inga, Elisabeth, Ccilie
Mejdell und Dagny die Ktner), da sagte Ole Dokken, wie er so dasa, mit
einemmal zu seiner Dame, Inga, so da es alle hrten: Nee, nu mu ich
'n bichen raus, und damit ging er ab und kam kreuzvergngt und harmlos
wieder herein. Seitdem heit es hier im Hause: Nee, nu mu ich 'n
bichen raus! jedesmal, wenn einer aufs rtchen mu. Und dann mu ich
Dir erzhlen, da das Tintenfa, das beim Unterschreiben des Kontrakts
benutzt wurde und ebenso die Feder (eine Goldfeder mit Diamantspitze)
meine Jubilumsgeschenke waren, und wir machten aus, Du und Dagny
drften sie auch benutzen. Und der Brautschleier war Mutter ihrer, und
den sollt ihr, Du und Dagny, auch tragen.

Elisabeth, Inga und Dagny machen einen Heidenlrm ber mir, ich kann
fast nicht schreiben. Nein, ist diese Inga eine Perle! So ein
gediegener, verstndiger, guter, entzckender Mensch! -- Na, ich wei
ja, Du erfhrst alles mndlich, also will ich lieber einen langen
Spaziergang machen mit Peter und Sigurd, anstatt mit Dir zu schwatzen
heute. Mir ist auch so weinselig im Kopf. Dein letzter Brief gab ein
Bild davon, da Du Dich ber Deine Fortschritte freust. Erzhl' etwas
von Deinen Klassenkameraden, und wie es dort zugeht. Singt Ihr Euch
gegenseitig vor? Wie lange dauert es dann? Ihr mt also mehrere Stunden
hintereinander da sein?

                                        Dein bester Freund, Dein Vater
                                                                 B. B.




                                           Aulestad, 19. Oktober 1889.


Liebe Bergliot, Deinen nchsten Brief mut Du nach Kristiania richten,
denn gleichzeitig mit diesem reisen Deine Mutter und ich dorthin. Ich
habe einen so herzlichen Brief von Grieg bekommen, und dann will ich mir
die Ausstellung ansehen und Olaf Trygvason hren, und sehen, was in
aller Welt Thommessen vorhat, und noch so allerhand andres. brigens ist
es eine Schande, da ich meine unterhaltsame Arbeit unterbrechen mu.
Deine Erkltung hat mich erschreckt. Zwei Dinge _verbiete_ ich Dir,
nmlich, Dich zu verloben und Dich zu erklten. Denn beides ist
unmglich, wenn man es nicht selbst will. Durchaus unmglich. Das ist
auch das erste Mal, da Du von Erkltung schreibst und eine Sngerin mu
_lernen_, sich nicht zu erklten, und streng befolgen, was sie durch
Erfahrung darber gelernt hat. Wer von seiner Kehle leben will und doch
sich erkltet, dem gehren Prgel. Das ist _meine_ Meinung. Ich bin das
ganze Jahr nicht erkltet.

Bjrns groer Erfolg in Kopenhagen hat uns _und alle mglichen Menschen_
erfreut. Ein voller Triumph! Die da drinnen (in Kristiania) wissen
nichts davon, da wir jetzt kommen. -- Wir freuen uns rasend. -- Lies
nun endlich _Letourneau_ von Anfang bis Ende. Wenn Du diese Dinge
kennst, so kommst Du eher zum Ergebnis der Geschichte als eine Menge
Menschen, die Weltgeschichte zum Abiturium studiert haben. Und mchtest
Du es lieber auf norwegisch haben, weil es Dir unangenehm ist, es auf
franzsisch zu lesen, so sollst Du es sofort haben. Versprich mir das!
Aber wo bleiben die zwei Bcher, die _ich_ Dich bat zu kaufen? Bei denen
eilt es sehr mit dem Lesen, sieh zu, da ich sie bekomme, nicht beide
auf einmal, aber eins nach dem andern. -- Hier oben sind sie dabei, den
Bauplatz zu graben, Bauplatz, Bauplatz, Bauplatz! brigens hbsch, da
man wei, da werden sie wohnen! -- Sage Erling und Anna, da sie nicht
lange wegbleiben drfen, lieber ein andermal wieder fort, wenn
vielleicht wir auch fort sind. Du mut ein bichen von ihnen erzhlen;
sie kommen wohl nicht dazu, selbst viel zu schreiben. Sag' Erling, da
wir im Handumdrehen groe Ersparnisse machen. Dem Baumeister geben wir 3
Kronen tglich bei eigner Bekstigung, und _er_ macht fr uns die
Akkorde mit den anderen. Wir streichen eine ganze Menge von dem, was der
Architekt hingeschmiert hat; will man es _spter_ nachholen, so ist
immer Gelegenheit dazu. Wir legen Schieferboden in den Kellern anstatt
Ziegel, legen keinen _Zink_boden im Badezimmer, bauen keine Veranda,
richten es aber so ein, da einmal eine gebaut werden kann, wenn es
gerade pat. Und die Fensterrahmen erneuern wir nicht; das kann auch ein
andermal geschehen. Wir graben auch keine Abflurinnen durch die Keller;
der Grund ist vorzglich, und das sind berflssig angeordnete Dinge.
Wir mauern die Keller nicht aus; das wird rasend kostspielig und ist
sicher ganz unntig. Auf diese Weise sparen wir viele tausend Kronen.
Und der Baumeister steht dafr ein, da das Haus auch ohne das gut und
schn wird. Das hier mut Du den Jungen vorlesen und ihnen sagen, da
wir alle Tage von ihnen reden, und sie, sobald sie sich losreien
knnen, wieder zu Hause haben mchten. -- Ich habe mich gefreut, in
Deinem letzten Brief einiges von der Klasse und dem Unterricht zu lesen;
Du solltest Dich darin ben, mehr derartiges zu sehen und wiederzugeben;
es wird Dir selbst Freude machen, es zu knnen; denn Du hast zweifellos
Anlage; aber es gehrt bung dazu. -- Es hat mir dieser Tage Spa
gemacht, von der Begegnung zwischen dem deutschen Kaiser und dem
russischen zu lesen. In der zierlichsten Form die entschiedenste Werbung
und die entschiedenste Ablehnung. Und beide dachten bei jedem Wort, das
sie sagten, an Frankreich, obwohl der Name nicht genannt wurde. Wenn Du
die Reden gelesen hast, so verstehst Du, was ich meine.

Wir haben einen langen Brief von Ejnar gehabt und haben ihm wieder lange
Briefe geschickt und die Zeichnungen vom Haus, hbsch ausgefhrt, und
einen Deiner Briefe und Sansots letzten Brief und noch allerhand sonst.
-- Mit Inga und Dagny geht es ausgezeichnet. Diese Inga ist prchtig.
Ich habe ihnen zum Frhjahr eine Spritztour nach Kristiania versprochen.
Dagny soll wenigstens einmal im Jahre nach Kristiania, ins Theater usw.
Wenn wir sie doch nach Paris schicken knnten! Du mut wirklich Deine
alten Leute von uns gren; ich freue mich so sehr darber, da Du bei
guten, gebildeten Menschen bist, die Dich gern haben. Und wie ich mich
freue, da Du so gut schlfst! Mehr als darber, da Du arbeitest! --
Ist ja wahr, Du mut Erling erzhlen, da Han ein ausgelernter Dieb
geworden ist. Er mu zweifellos aus einer Diebsfamilie stammen. Nicht
allein, da er hier stiehlt, darauf spannt, wenn die anderen gegessen
haben und der Tisch unbeaufsichtigt ist, und dann auf den Hinterpfoten
herumgeht, mit den Vorderpfoten auf den Tisch, die Teller abschleckt,
alles nimmt, was ihm zusagt; sondern er geht auch auf andere Hfe und
stiehlt; auf einem Gehft erwischte er einen Ziegenkse, auf einem
andern fra er eine Schssel kalten Brei aus, Frau Brresen stahl er
Fleisch, -- und so die Runde herum, zum Schrecken der Leute. Das wird
noch sein Verhngnis werden, armes Tier. -- Erzhle, da hier jetzt
gedroschen ist. Wenig, aber vorzglich. Der Kleesame ist vllig
miraten; wir haben ihn nicht einmal durch die Maschine gehen lassen.
Tausend Gre von uns allen!

                                                    Dein Freund Vater.

Ich schicke kein Buch.

Cavlings. Er ist ja in Kopenhagen, und ich wei seine Adresse nicht.






Liebe Bergliot, ich habe eine arbeitsreiche Woche hinter mir, es geht
nun flott mit der Erzhlung. Und mitten in der Arbeit mute ich mich
ber Dich freuen, mein keckes Mdel, da Du es das erstemal, wo Du
aufgetreten bist, so gut gemacht hast. Cavling strich Dich natrlich zu
sehr heraus; aber es war so gutherzig und warm geschrieben, da ich es
den andern nicht vorlesen konnte, sondern es Keilhau geben mute. Die
Namen der beiden Damen, von denen Du schreibst, da die eine mit Dir,
die andre mit Madame Lrig gesprochen hat, kann ich nicht lesen. Du mut
ein einziges Mal versuchen, deutlich zu schreiben. -- Herrgott,
Bergliot, Du solltest blo wissen, was es heit, etwas Schnes ber
seine Kinder zu lesen, _und dabei sicher zu sein, da es wahr ist_. Das
bertrifft alles, was man berhaupt lesen kann. -- Nun fngst auch Du
an, uns diese Freude zu bereiten. -- Propstens sind vor kurzem hier
gewesen; die Mdels sind nach Bergen gereist, um unter die Haube
gebracht zu werden, und ich habe ihn bs geneckt. -- Sonst keine
Neuigkeiten von hier, auer da N. N. vor die Tr gesetzt ist. Sie hatte
eine Nasenspitze, die trippte gerade ins Essen hinein, und darber
entzweiten sich Karen und sie, und noch hundert andre Dinge kamen dazu,
und schlielich wurde sie ganz unmglich. Wir setzten den Koffer und die
Kommode und die Tasche und das Weibsbild und die Trippnase auf einen
Langschlitten und fort damit, adieu! -- Groe Freude im ganzen Hause.
Groer Spektakel mit Geschichten ber sie, seit sie weg ist. -- Ich habe
nichts gehrt, ob Du jetzt Darwin liest. Ich schickte Dir das ber die
Vererbung; das solltest Du nach Dir Frau Runeberg lesen lassen; es wird
ihr groes Vergngen machen, und Du knntest gleichzeitig herzlich fr
den Brief danken. Glaube mir, der war reizend. -- Jetzt sind wir des
Abends vom Whist zum Boston bergegangen, und wei Gott, die Mdelchens
sind dabei ebenso pfiffig wie wir! -- Heute wurde Peters Mutter
begraben; der Sarg wurde hier gemacht, und die Pferde gingen von hier,
so da die ganze Gesellschaft von Baklien aus in Schlitten zur Kirche
fuhr, alle Dienstboten und Ktner. Und die Mdelchens kamen mit ihren
Handschlitten zur Kirche hinauf, und weil der Leichenzug nicht
rechtzeitig kam, schlitterten sie den neuen Weg hinunter bis nach
Solhejm; und dann saen sie bei der Leiche auf bis oben und fuhren vor
dem ganzen Leichenzug noch einmal hinunter! Keilhau und Erling mit
zurck, wo groe Gesellschaft war, und sie spielten Whist mit Fedje und
Peter (der vielleicht auer Erling der beste Whistspieler in Gausdal
ist) und kamen um 7 Uhr heim und waren sehr erbaut von der Fahrt und der
Gesellschaft. Aber es sieht so aus, als ob Peters jngstes Kind (3
Wochen alt) ebenfalls dran glauben mu, also gibt es noch ein Begrbnis.
Auch Mathias' Frau, die Ingeborg, stirbt gewi bald. Wir haben ihm mit
Geld und Essen und Kleidern fr die Kinder helfen mssen, obwohl er das
grte Anwesen des Gutes, vielleicht des ganzen Kirchspiels hat; es geht
rckwrts, wenn die Frau krank liegt. Also, Ihr taugt doch zu etwas, Ihr
Frauensleute, selbst wenn ihr uns nicht vorsingt. Ja, Du bist doch unsre
einzige herrliche Bergliot, Du! Oh, wie ich Dich lieb habe, ganz gleich,
zum Teufel, ob Du eine berhmte Tochter wirst oder nicht.

Gre Mad. Lrig und Deine alte Dame. Du kannst Geld fr die Uhr
_geliehen_ bekommen.

                                                    Dein Freund Vater.






Liebe Bergliot, hast Du den Professor gelesen? -- Falls nicht, so
schicken wir Dir das Buch, und Du es Ejnar! Dank fr alles, was Du mir
schickst! Es freut mich erstens an und fr sich, und dann, weil es von
Dir kommt und zeigt, da Du selber Anteil nimmst und willst, da auch
wir Anteil nehmen. Ich lese noch immer tglich Le Temps. Fertig mit
Le rve, nachgemachte, gut nachgemachte Legenden-Poesie, aber
unwahrscheinlich. Ja, liebe Bergliot, wenn Du jetzt Sehnsucht hast, so
vergi nicht, da in ihrer unklaren Arbeitszeit das alle haben, und am
meisten diejenigen, die ihrer Arbeit wegen sich abschlieen mssen. Die
Belohnung kommt spter. Sei nicht ungeduldig. Aber sag' uns _alles_, was
sich Dir in den Weg stellt, zeichne alle Wolken, die Dir druen, selbst
nur momentan; schon sie abzeichnen zu knnen, ist der halbe Weg, sie los
zu werden.

                                                    Dein Freund Vater.






Liebe Bergliot, Dank, tausend Dank fr Deinen Brief! Die Stelle ber
Hanka als Mezzosopran war allerliebst! Sag' ihr von mir, da sie einen
Mann heiraten mu, der um ein Viertel grer ist, und der die
Liebhaberpartien singt, sonst kann sie sich auf keiner Bhne sehen
lassen. -- Was Du ber die Aussprache des Franzsischen schreibst, ist
richtig. -- Du mut auch noch lernen, das _Norwegische_ auszusprechen.
Wer einen herzlichen Eindruck machen will, mu die Worte genau so sagen,
wie wir selbst sie sagen, wenn wir am natrlichsten sind.

Hier zu Hause ist es so gemtlich. Voller Winter, Schnee, Schnee,
Schnee; in diesem Augenblick dichter Schneefall bei nebligem Wetter, als
wren grauweie Gardinen vor den Fenstern _drauen_. Herrlich in der
warmen, behaglichen Stube. -- Mglich, da Bjrn und Peter, vielleicht
L. Holst zu Weihnachten herkommen. Denk nur, wenn Du es wrst! Denk nur,
wenn Du wieder Schlitten fahren kannst! Wenn Du Deinen Gesangskursus
hinter Dir hast (mutmalich in anderthalb Jahren), dann kannst Du wohl
ein Jahr lang Ferien machen; oder soll's gleich losgehen? -- Ich stimme
fr Ferien und Allotria ein Jahr lang, damit Du zu Krften kommst. Aber
alles zu seiner Zeit; -- Schlittenfahren mut Du, Mdel, und frische
norwegische Winterluft einatmen so bald als mglich; denn das ist das
Kstlichste, was wir haben, die Winterluft! Ebenso wie das Land im
Schnee das Schnste auf der Welt ist. Aber die Menschen, Du, wie die
kalt sind und starr! Genau wie eine nicht durchgearbeitete Stimme, so
ist der ganze Mensch. Ich leide Herzensqualen vor Sehnsucht nach Wrme
und Glauben an irgend eine Kraft in ihnen. Herzensqualen. Ich warte von
Jahr zu Jahr; aber hie und da ein kleines Aufflackern, dann weg,
erloschen, trocken, nichts. -- Leb' wohl, liebe Bergliot, leb' wohl!

                                                    Dein Freund Vater.






Liebe Bergliot, nur ein paar Worte. Dies ist die Parnell-Woche gewesen;
alle Zeitungen schreiben, alle Leute reden von nichts als Parnell, den
man seit lnger als einem Jahr beschuldigt, zusammen mit seinen Freunden
heimlich auf seiten derer zu stehen, die die Sache Irlands mit Mord und
Raub verteidigen, whrend er ffentlich sich als der Mann gbe, der
streng auf dem Boden des Gesetzes stnde. Nun liegt die ganze
Verleumdung (und die Times, die sie angezettelt hat) im Schmutz! Alles
war Lug und Trug!

Diese Woche gehrt zu den frohsten, die ich erlebt habe. Ich habe auch
in diesen Tagen ausgezeichnet geschrieben, und ich werde ein prchtiges
Buch fertig bringen Frhjahr, glaub' es mir!

Hier ist es noch immer ganz wundervoll! Heute Sonntag sitze ich und lese
meinen zweiten Artikel ber Norwegen in Harpers Monthly; heute
Nachmittag wollen wir zum Propst im Breitschlitten mit zwei Pferden vor.
Hurra! -- Also nun ist Frau Lrig wieder brav; -- ja, ihr Weibervolk! --
Wenn Du turnst, hast Du da eiserne Hanteln zum Heben? Du kannst sie
kaufen, wo die Av. des Ternes mit dem Faubourg Honor zusammenstt.

Carl Keilhau hat angefangen, Bruun zu studieren, um eine Reihe Aufstze
zu schreiben ber seine Bruniana. Er verdient, da er einmal unters
Schermesser kommt, der alte Zopf! -- Hier zu Hause freuen wir uns
mchtig ber Sverdrup, da er nun endlich erledigt -- und der Verachtung
aller Menschen preisgegeben ist. _Jetzt_ ist V. G. der rechte Ausdruck
fr das, was fast alle fhlen, sogar manche Oftedler. Vater Fougner war
eines Sonntags hier, und sagte dasselbe. -- Arbeit ntzt doch etwas.

Von Bjrn nichts in letzter Zeit. Von Kielland vergngten Brief. Seine
Zeitung geht. Siehst Du, ein paar Zeilen hab' ich doch zuwege gebracht
fr mein einzig ses Mdel!

                                                            Dein B. B.

Gre Cavlings!






Liebe Bergliot, es gefllt mir ungeheuer, da Du nur den rechten Weg zum
Ziele gehen willst, nicht lgen, nicht schmeicheln, nicht feig sein;
sondern treu und gehorsam und wahr. Ich glaube zwar nicht, da Du auf
die Dauer die Knstler-Charakterlosigkeit und die Intrigen aushltst;
aber ich sehe nichts Schlimmes darin, wenn Du nicht auf die Dauer
Opernsngerin wirst. Wenn Du blo ein tchtiger Mensch wirst, der seine
Sache kann bis zur Meisterschaft, und durch die persnliche Macht Deines
Gesanges hinreit; dann hngt das brige von Dir ab; dann kriegen sie
Dich nicht unter.

Schon wieder ein langer Brief von Ejnar. Sie hatten gerade die Nachricht
von Parnells Rechtfertigung erhalten, und da die meisten dort
Konservative sind, die die schrfsten Ausdrcke ber ihn gebraucht
hatten, so erzhlt Ejnar, da er die Ziegenbcke in ihrem eigenen Fett
hat braten lassen. Ja, necken kann er. -- Hierzulande zurzeit nur Doktor
Nansen; -- sein Einzug mu groartig gewesen sein.

Der Ha zwischen Norwegern und Schweden wird immer heftiger. Ich darf
wohl behaupten, da die Stimmung jetzt fr offenes Entgegenarbeiten
gegen die Umwandlung der Union in einen Bund ist. Selbst die Rechte
schliet sich bald an. -- Wie es mich freut, da Hejmann endlich etwas
zu tun hat. Denn zum Kindermdchen pat er gewi. Na ja, im brigen wei
ich nicht; es wird ihm wohl auch das leid werden! -- Einen hnlichen
Frhling hat noch kein Mensch, nicht der allerlteste erlebt. Nachts
Regen, Tags Sonnenschein! Wie die Kh' auf die Alm sind 'zogen, habn's
'tanzt! Nein, wie schn die Herde geworden ist! Schade, da Du sie nicht
sehen kannst, -- nie sehen, wenn sie ausgetrieben wird, nie, wenn sie
weidet, nie, wenn sie heimkehrt. Das ist das Schnste von allem, was das
Landleben in Norwegen bietet.

Andere haben Dir wohl schon geschrieben, da Gromutter gekommen ist,
und da kein Mensch die geringste Vernderung an ihr bemerkt; auch
derselbe prchtige Humor! -- Jetzt solltest Du die Kken sehen in ihrem
Stall unter der Treppe des Vorratsschuppens mit Drahtnetz darber, einem
groen Raum, mehrere Ellen lang und anderthalb breit, und an dem einen
Ende eine von Bjrns Hundehtten, frisch rot angestrichen. Jeder steht
davor und schwatzt mit den Kken und wirft ihnen Gras hinein oder gibt
ihnen Wasser oder Futter. Und vorn auf der Veranda, die nun gestrichen
ist, ein Schwalbengezwitscher, Bergliot, und bald wird der wrzige Duft
vom Klee kommen. Und die herrlichen Sonnenuntergnge ber den Bergen
ber Bleike! Und das Bad wartet auf Dich und ein neuer Hengst, Spellet
wie aus dem Gesicht geschnitten, nur breiter. Du sollst selbst von
Lillehammer heimkutschieren! Ja, komm nun! Du sollst sehen, die See ist
ausnahmsweise einmal artig.

                                              Dein guter Freund Vater.

Hurra dem Frhling auf Aulestad!




                                                    22. November 1889.


Se Bergliot, ich habe so wenig Zeit; aber ich mu Dir doch sagen, wie
sehr uns Dein letzter Brief erfreut hat. Wenn Du gut it, gut schlfst,
gut singst, ... dann ist Sonnenschein und Festtag. Und dann sind Erling
und Anna hier und erzhlen von Dir und dem reizenden gichtbrchigen
Manne, bei dem Du wohnst, und wie Du in Deinem Element bist, wenn Du gut
gegen ihn sein kannst. Und ich finde es so hbsch, da Du stndig Deine
Herzenswrme bst an denen, die der Hilfe bedrfen. Das Herz mu gebt
werden, mindestens ebenso sehr wie der Geist und der Charakter; aber
darauf legen die Menschen kein Gewicht. Und als Sngerin singt man mit
dem Herzen genau so viel wie mit der Stimme selbst; es mu die Stimme
und die Worte durchdrungen haben. Darum mu es auch reich genug sein, um
durch Schule, fremde Sprache, Verlegenheit vor der ffentlichkeit,
Nichtaufgelegtsein hindurchzudringen mit der impulsiven Naturmacht der
Stimmung.

_Was_ fr Sachen singst Du? Ist die Marchesi freundlich zu Dir? -- _An
Hegel mut Du solange im voraus schreiben, da Du gerstet bist, selbst
wenn er es ein paar Tage oder so vergit._

Erling und Anna sind so entzckend, so entzckend, Du, da ich mich gar
nicht satt an ihnen sehen kann. Sie sind so dumm und kstlich und so
voll frischen Glaubens an sich selbst und an die Zukunft. Sie machen mir
riesigen Spa. Und obschon Mutter nicht wohl war, ist dies doch der
fruchtbarste Aufenthalt gewesen, den wir je in Kristiania gehabt haben.
So ttig und mit so viel Erfolg ttig bin ich noch nie gewesen. Und wer
glaubt, er knne mich zu Boden werfen, oder knne vorbeigehen an dem,
wofr ich mein Leben eingesetzt habe, der hat wieder umlernen mssen.

Ja, zu mehr habe ich nicht Zeit.

                                                    Dein Freund Vater.




                                                     1. Dezember 1889.


_Sonntag, Mutters Geburtstag._

Mutter hat ausgezeichnet geschlafen und ist heute auf, um alle ihre
Geschenke entgegenzunehmen -- von den Kindern hier Kleinigkeiten zum
Backen und derartiges, und von Jenny ein Paar franzsische
Lederpantoffeln, von Bjrn eine groe tiefe blaue Kruke zum
Regenschirm-Hineinsetzen, von Ida Lie einen kstlichen, kstlichen
Maiglckchentopf, von Erika wundervolle Rosen, und es kommt wohl noch
mehr; ich beeile mich, zu schreiben, ehe die Besuche hereinbrechen. --
Per Stejne hat mir geschrieben, sein Vater Ivar sei gestorben, und der
Alte habe gewnscht, nicht Konow sollte die Trauerrede halten, sondern
ich. Selbstverstndlich fahre ich hin. Am Tage nach meinem Geburtstag
reise ich. -- Gromutter ist unwohl gewesen, ist aber nun wieder munter.
Sonst keine Neuigkeiten von dort. Hier groer Aufstand und Spektakel in
der Verteidigungssache, die man in Kristiania auf die hysterische und
unnatrliche Art betreibt, die dieser Stadt eigen ist. Du mut auf das
Dagblad abonnieren von Neujahr ab, wir werden es besorgen; V. G.[1]
(d. h. eigentlich Vullum) nimmt einmal bers andere Gelegenheit, was ich
schreibe, zu verzerren und darber _Lgen_ zu verbreiten. Du mut also
um Neujahr herum in einem liebenswrdigen Brief dafr danken, da Du das
Blatt bekommen hast, und Dir die weitere Zusendung verbitten.

Keine Zeit zum Schreiben. Sie kamen, die Besuche, sehr zeitig. Peters,
Lies, Welhavens usw., Strmer usw. usw. Zum Abend werden Julie Nielsen,
Rolfsens (aus Bergen) und Peters hier sein, Mutter ein wenig angegriffen
von all dem Lrm. Und weil ich sehe, da es sie mitnimmt, bin ich auch
mde. -- Bjrn spielt Olav Trygvason von Grieg; Du sollst es haben (d.
h. _geborgt_), damit Du siehst, was das fr eine herrliche, groartige
Musik ist.

Jetzt geh' ich daran, Mariannes Kaprizen mit Bjrn in der Hauptrolle
einzustudieren (leihe Dir ein Heft Alfred de Musset und lies das
Stck!). Ich will eben sehen. Ich _hoffe_, es geht. Auch dieser
Theatermonat ist gut gewesen. -- Der alte Jahn in Bergen, Mutters
Pflegevater, htte heute goldene Hochzeit feiern knnen, wenn seine
Catterin noch lebte. Wir telegraphierten. Es geht ihm so armselig, da
wir ihm helfen mssen. -- Du hast wohl gesehen, da mein Buch jetzt in
zweiter Auflage erscheinen soll. Es hat noch immer berall den grten
Erfolg. Keins meiner Bcher hat so groen Erfolg gehabt, vielleicht
berhaupt keins in unserer neueren Literatur. Erste Auflage 7000, zweite
2000. Was Du ber Dich und Deinen Gesang schreibst, ist mir immer das
Wichtigste und das Liebste. Da die anderen ber Dich lachen, beweist
wohl, da Du selbst freundlich und frhlich bist; hast Du geschrieben
defendu de touch, dann haben sie auch ber Deinen grammatikalischen
Fehler gelacht. Aber was halten sie von Deinem Gesang? Hast Du sie
darber reden hren? Hast Du berhaupt Dir selbst einen Mastab
geschaffen nach dem Gesang der anderen? Kannst Du _objektiv_ oder nach
dem ruhigeren Urteil anderer Dir eine Meinung darber bilden, was Dein
Gesang in Umfang, Ausdruck, Wirkung jetzt ist? -- Leb' wohl denn, lieber
Schatz, la uns wnschen, da Mutter bald wieder gesund wird; ich werde
schreiben, falls die Besserung anhlt, oder etwas Gutes sich ereignet;
sofort schreiben.

                                                    Dein Freund Vater.

[Funote 1: Die Zeitung Verdens Gang.]






Liebe Bergliot, also Du bist krank? Das geht wei Gott nicht! Was soll
denn das heien? Werde wieder gesund, hrst Du, raff' Deinen Willen
zusammen und sei vorsichtig! -- Mutter ist jetzt wieder ganz wohlauf,
aber mager; es geht tglich vorwrts. Was fr ein herrliches Wetter! Der
Wald berzuckert und glitzernd im Sonnenschein, -- unbedingt der
schnste Naturanblick, den es gibt. Ein Bild der feinsten, reinsten,
lautersten Gefhle des Herzens. -- Und Der Handschuh auf der Freien
Bhne in Berlin! Folgendes Telegramm bekam ich von der Leitung und deren
Freunden (es ist eine Vereinigung, die Neues auf dem deutschen Theater
einfhren will); sie waren hinterher zu einem Fest versammelt:
Lebhafte, herzliche Aufnahme. Wiederholter, starker Beifall bei offener
Szene, vortreffliche Darstellung. Trotz Meinungsverschiedenheiten (ber
die Tendenz) hielt das Werk alle in seinem Bann. Die versammelten Leiter
und Freunde der Freien Bhne gren Sie in froher Dankbarkeit. Otto
Sinding telegraphiert: Der Handschuh strmischer Beifall,
ausgezeichnetes Spiel. Frulein Klingenfeld, die bersetzerin: Der
Handschuh groer Erfolg, ausgezeichnete Wirkung. -- Die Freie Bhne
spielt ein Stck nur einmal. Dies ist von allen, die gegeben wurden, das
erste, das einen durchschlagenden Erfolg gehabt hat. (Also auch nicht
Ibsens, trotz allem Geschreibe, hat das gehabt! Nun kommt die Wahrheit
zutage!) Das bedeutet, da nunmehr verschiedene Bhnen es haben wollen;
ein groer Schauspieler, Reicher, hat bereits gesagt, mit dem Riis, den
er gespielt hat, wrde er durch ganz Deutschland ziehen! Ferner bedeutet
das, da ich meine anderen Stcke folgen lassen kann! Ach, wenn ich das
blo knnte! -- Dann wird man einsehen, da ich zuerst Ibsen den Weg
gebahnt habe und da er ihn jetzt mir gebahnt hat. Wenn es doch glckte!
es sah einmal so hoffnungslos aus. -- Ich reise fr etwa vierzehn Tage
durch das Gudbrandsdal und halte politische Vortrge. Ich bin im Grunde
nicht sehr erbaut darber. Aber wen haben wir sonst? -- Ich werde Dir
Alexander Kiellands Broschre ber die Verteidigungsfrage zusenden
lassen. Besseres ist in Norwegen nicht geschrieben worden. Herrgott, ist
das ein Aufwaschen! Da stieen sie auf einen alten Groll, der seine
Zunge zu brauchen wei! Ich habe nie etwas hnliches in unserm
heimischen Kampf gelesen! -- Und jetzt wird er dem Journalismus untreu!
-- Werde wieder gesund und schicke uns gute, lichte, frohe Nachrichten,
Du unser Sonnenvogel!

                                                    Dein Freund Vater.






Liebe Bergliot, da Poesie in einem Gesang ist, das will besagen, da
die Stimme durchleuchtet ist von einer ansprechenden Persnlichkeit;
auer dem Ton und dem Wort hren wir die Sehnsucht, das Weh, die Freude,
den Feuertrieb einer Seele; die Kunst selbst steht hier im Zusammenklang
mit dem Wesen des Menschen vor uns; das ist es, was uns ergreift und
hinreit, die Strke des Gefhls oder des Willens oder der Phantasie des
Menschen und da sie zum Durchbruch kommen in seinem Gesang. Eine groe
Stimme, die aber nicht erfllt ist von diesen Dingen, ntzt nichts; und
umgekehrt, die grte Strke der Persnlichkeit ntzt nichts, wenn der
Gesang nicht fr sie ausreicht.

Hat Mad. Marchesi Dir jetzt Halleluja gegeben, so meint sie damit, da
in Deiner Stimme eine Wasserklarheit ist, die einen reinen Sinn
widerspiegelt, eine Innerlichkeit, die sphrische, phantastisch
hinblauende Wege geht. Daneben aber mtest Du ein Gesangsstck voll
Leidenschaft und Willen haben und eins voll Schelmerei. Das kommt auch
wohl. Hast Du mit ihr ber das gesprochen, was Du Dir wnschtest, weil
sie getroffen hat, was Dir gefllt? oder hast Du einfach so frei
herausgesungen, da sie einsieht, wo Deine Strke liegt? Antworte mir
hierauf. -- Die Dachsparren auf Erlings und Annas Haus sind errichtet;
nun liegt das Haus mit ausgebreiteten Flgeln da; sie decken all das
schicksalreiche Erbe von Vtern und Mttern her bis zurck zur Kindheit
unsres Volkes, ein Erbe, das ausgebrtet werden soll und gehtet unter
seinem Schutz -- sie decken alles Leid, das da weinen wird, alle Freude,
allen Leichtsinn, die da lachen werden, alle Krfte, die geweckt werden
und arbeiten sollen, alle Ausschweifung in Snde und Gedanken, alle
Dummheit, alles edle Streben, alle Befriedigung, alle Reue und grbelnde
Verzweiflung. Es wird wohl bald da etwas wachsen, was die Ehre unsres
Namens schirmt oder ihn schndet, entweder blo unsre starken Triebe
erbt und nicht zugleich auch unsern Arbeitsmut und unsre
Selbstbeherrschung. Von allem ist in unsrer Sippe etwas, und auch in
Annas Familie soll es so sein; obendrein stoen sie schon frher
zusammen, sie haben sich schon ehedem gekreuzt. Ich sehe auf die
Haussparren wie auf die Rippen in einem Schicksalkrper, dem langen,
vielnamigen des Geschlechts. Mge er mehr werden als blo Fischbrut,
mge er etwas ans Licht tragen von dem Vielen, das ich fr dies Land
gedacht habe, sich kraft dieser Gedanken aufrichten als ein strkerer
Wille, denn die Gegenwart ihn hat, und so ein gesundes Erbteil kundtun!
Dies ist der hchste Wunsch fr mich selbst, den ich auszudrcken
vermag. Und da es _unser_ Familiensitz ist, so wird das Haus wohl starke
Mchte gegen sich haben, abbrennen oder hnliches; aber wieder
auferstehen! schner und bequemer! Also auch darin mu das Asyl des
Geschlechts dem Geschlecht gleichen.

Deine zwei letzten Briefe waren ausgezeichnet; Deine Schilderungen des
Gesangs in der Klasse, aller derer, die in der Matinee mitwirken sollen
usw., sowie ber Dein eignes Verhltnis zu Mad. Marchesi sind so
gezeichnet, da wir alle eine Vorstellung davon haben. -- Die
Menschenscheu, die Du beschreibst, ist eigentlich nicht das, sondern die
Lust und der Drang, viel allein zu sein, und das ist ein Erbe von mir
(der es von Vater hat). Aber das Mitrauen, das ist nicht von mir. Vater
hatte es. Du irrst auch darin, da die meisten Menschen falsch und
unwahr seien; es sieht so aus, wenn sie bald diese Meinung haben und
bald jene; aber die Sache ist lediglich, da sie gar keine Meinung
haben, sondern von dem ansteckenden Einflu der Umgebung sich zu allem
und jedem verleiten lassen, _was nicht gegen die Gewohnheit geht_, denn
die Gewohnheit ist strker als alles andere. Aber nun liegt es gerade in
der Gewohnheit des Franzosen, Komplimente zu machen, da es nur so
hagelt, und nicht aus Falschheit tun sie das, sondern aus gutem Ton
und unter dem Einflu der Umgebung. -- Runebergs Brief habe ich schon
beantwortet. Er lobte Deine Stimme und Deinen Vortrag und freute sich an
Dir. Nein, Runeberg lgt nicht; zu seinen Fehlern gehrt es auch nicht,
sich von der Umgebung beeinflussen zu lassen -- er ist eine sehr
selbstndige Natur. -- Da fllt mir ein, Du knntest diesen Brief und
den Brief ber Kiellands dem Ejnar zum Lesen schicken, damit er sich in
den Gedankengang und die Zustnde hier hineinversetzen kann. Du kannst
ihn bitten, sie zurckzuschicken. -- Ich hatte keine Lust, ihm zu
schreiben, so lange diese monatelangen Verfolgungen anhielten. Jetzt, da
sie so vollstndig miglckt sind, ist es mir widerlich, nur daran
erinnert zu werden. Aber dadurch kommt er um mancherlei vom
Gegenwrtigen, was vielleicht gerade diese zwei Briefe am besten geben.
-- Wir wissen im Grunde nichts ber ihn; er schickt ein paar
Betrachtungen und ein bichen was ber allgemein-chinesische
Verhltnisse; nie ein Wort ber sich selbst, auer z. B., da er nicht
mehr schreiben knne, er msse in Gesellschaft; oder er sei sehr
beschftigt. Wir kennen weder seinen Umgang, noch seine Beschftigung in
oder auerhalb des Amts, nicht sein Gedankenleben und seinen
Gemtszustand, so da wir eigentlich blo an ein Portrt schreiben. Und
da erstirbt die Lust, Bilder von der Heimat zu geben, wenn wir nicht
fhlen, wem wir sie geben. --

Alles hier auf Aulestad ist nach und nach sehr gemtlich geworden. Ich
freue mich, da es der schnste Hof im Gudbrandsdal ist dem Aussehen
nach, und da allmhlich auch alle Gerte, Tiere und Einrichtungen
ebenfalls erstrangig werden, so ist es hier gut sein. Jetzt fehlt nur,
der Hof wird wirtschaftlich so gehoben, da er wie ein Garten ist; er
hat alle Vorbedingungen dazu. Dann kann er 60 Milchkhe ernhren, B
ernhrt jetzt auch nicht mehr; wir ziehen heuer 10 Klber auf, um es
(nach dem schlechten Vorjahr) wieder auf ber 40 zu bringen, wie es
frher war. Blo noch einige Morgen Land und besseren Dnger, dann
ernhrt der Hof schon jetzt 50 Milchkhe. Mit einem solchen Hof und dem,
was sie an Rente haben, knnen Erling und Anna selbst gut leben und gut
fr die neue Familie sorgen. Leb' wohl, se Bergliot (und Ejnar!) und
denk an

                                                     den Freund Vater.




                                            Aulestad, 13. Januar 1890.


Frohes neues Jahr, Du unser lieblicher Singvogel! Mgest Du lange und
weithin zwitschern! Und das Glck haben, die bung des Herzens im Guten,
die Vorbedingung!

Kam Mittwoch den 8. abends nach Hause, -- unerwartet -- und fand Mutter
im Bett, Erling und Anna auf Vestad bei Mhlums und alle mehr oder
weniger unwohl -- entweder noch mitten im Kranksein oder eben darber
weg. Karen ist sehr unwohl; eine Drsenanschwellung, die gefhrlich ist;
und Mutter aufs neue angegriffen; heut aber wieder auf und schreibt ein
bichen fr mich ab; Gromutter und ich die einzigen auf dem Hofe, die
gesund waren (und sind).

Meine Reise ein einziger groer Erfolg von Anfang bis Ende. Peter und
die Pferde im hchsten Wohlbefinden, ich frisch wie ein Fisch, berall
so gestopft voll von Menschen, als ihre kleinen Stuben mit den
anstoenden Kammern und Dielen nur fassen konnten. berall ist die Linke
im Aufschwung, und V. G.s Richtung abgelehnt. Das Volk will reinliche
Verhltnisse haben. Es freut mich, da Du den Grieg-Rummel mitgemacht;
aber mir ist dies des Guten viel zu viel, das ist sicher. Na, -- hat es
Dir Vergngen gemacht, so ist es gut und schn. -- Du mut uns erzhlen,
wie Du lebst, Bergliot. It Du gut? Schlfst Du gut? Ist Madame
freundlich gegen Dich? Auch das Mdchen? -- Es freut mich sehr, da Du
Mademoiselle Breslau und ihre Freunde, die ja auch die Deinen sind,
wieder getroffen hast. An _denen_ solltest Du festhalten. Und dann
solltest Du Sansots wieder aufsuchen. Runebergs habe ich ein Buch
geschickt. -- Da Du leichtere Sachen mit Mad. Marchesi singen sollst,
bedeutet, da sie glaubt, Du hast esprit und bon sens, und Dir tut nur
noch mehr Geschmeidigkeit not. Alle die feinsten Geheimnisse der Kunst
liegen in dem leichten Gesang. Was Du innig und leidenschaftlich singen
mut, damit hat es bei Dir keine Gefahr, jedenfalls ist das kein
Gegenstand des Studiums in demselben Grad wie der leichte Gesang mit all
seinen Anforderungen an technische Vollendung und Stil. Und singst Du
so, da sich Seele darin offenbart, dann gehst Du zu greren Dingen
ber. Denn Seele drngt nach mehr Seele, beim Lehrer wie beim Schler.

Ich bin einigermaen gespannt auf Erlings und Annas Reise. Sie werden
Annas Sachen einpacken, und viele davon sind tglich auf Vestad im
Gebrauch gewesen, so da es wohl sein knnte, es setzt saure Mienen und
vielleicht gar Zweifel ber die Abrechnung. Selbst schienen sie an so
etwas nicht zu denken, und ich wollte nichts im voraus sagen, aber es
wird sich schon zeigen. Sie sind beide sehr hitzig; ich hoffe, Mhlum
ist es nicht. Wahrscheinlich kommen sie heute (Sonntag) abend _nicht_
nach Hause, denn es schneit entsetzlich, und die Schlittenbahn ist zu
schlecht fr Jakob; aber ich bin sehr gespannt darauf, was sie erzhlen.
-- Die Frau oben auf Lunde liegt im Sterben; ber fnfzig an
Lungenentzndung in Gausdal. X. Y. und Frau telegraphierten an Torstein
Lunde und baten ihn, zu kommen. Er antwortete, seine Frau sei krank.
Worauf X. Y.s antworteten: Dann kommen also wir! Dann legte sich auch
Lunde, -- und X. Y.s kamen! -- Ich soll Dich von Lina und Sigurd und den
Kindern gren. Nein, wie es gemtlich dort ist, und wie artig die
Kinder sind und wie _hbsch_! Die alte Frau, die Mutter des Ksters,
liebt Dich und bat mich, Dich zu gren. Hast Du ihr Dein Bild
geschickt? Liebling, es freute mich so, zu hren, was fr Erwartungen
sie in Dich setzt. Sie war bei Sigurds als Kchin die Tage, als wir dort
waren. -- Bei Forr auf Forr in Fron waren wir auch (Castberg und ich);
es ist das grte und stattlichste Haus im Tal, und die Menschen dort
sind meine besten Freunde. Wir mten an einem Sommertag hinfahren.
Tausend Gre von allen durch

                                                  Deinen Freund Vater.




                                                      26. Januar 1890.


Liebe Bergliot, diese Woche also ist Hejbergs Knig Midas gestiegen.
Die Wirkung war auerordentlich, sagt man, und wir werden nun sehen,
ob sie andauert. Ferner, ob die Sache zu guterletzt mir wirklich zum
Schaden gereicht.

Ich htte darber schreiben sollen; aber ich hab' es in mich selbst
hinuntergeschluckt; so habe ich Dir nichts davon abzugeben.

Wie findest Du das -- zu tun, als ob dies kein Angriff auf mich sei; und
es damit zu verwechseln, da ein Dichter eine Figur entlehnt, und
hiermit zu verwechseln, da man eine bekannte Persnlichkeit nimmt und
sie beschimpft, indem man ihr Eigenschaften andichtet, die sie nicht
hat, und Handlungen, die sie niemals begehen knnte!

Nein, ein konsequentes Leben zu leben, etwas in der Welt zu wollen, es
mit Ernst zu wollen, das kostet was! Und hier in Norwegen gewi mehr als
anderswo. Ich knnte Dir manches davon erzhlen, liebe Bergliot; meines
Erachtens hast Du auch etwas von derselben Art, und das Theaterleben
wird deshalb zu schwer fr Dich sein; also ich bin nicht gerade
begeistert, da Du da hineinwillst.

Schatz, wie ich Dich darin wiedererkenne, da Du nicht mit Gefhl
singen kannst, ehe Du zwanzigmal ohne Gefhl gesungen hast. Noch kannst
Du nichts aus Dir selbst; sondern erst nach der hartnckigsten bung.
_Mit Mut_ aufzutreten, das will auch gebt sein, und von Dir mehr als
von irgend jemand anders, weil Du so mitrauisch bist, und alle, die das
sind, fhlen sich am leichtesten unsicher.

Nichts ber oder von Mademoiselle Breslau und den Leuten? Und Sansots,
die so freundlich gegen Dich sind, und Runebergs. Nun schreibe ich bald
an ihn und antworte ihm auf seinen langen, prchtigen Brief. Aber es ist
gar nicht so einfach, an einen zu schreiben, der seinem Lande Kaiser[2]
wie Kunst und Wissenschaft und Industrie schenkt. -- Sansot antworte ich
auch. Er hat mir einen hchst interessanten Brief geschrieben.

Hier haben wir einen Schneefall gehabt, da Gott erbarm'! -- Kein
Wunder, da der Wald Mrchen erzhlen kann. Wir gingen in der Dmmerung
hinunter ins Nevrdal, der Schnee hatte alle Laubbume geebnet, da sie
wie ein schneeweies gestricktes Tuch in Wellen sich weithin breiteten,
und hie und da ragten Fichten daraus auf, trutzig, rank, dunkel innen,
jung, stark wie ein Hurra; nie hast Du etwas Keckeres und Anmutigeres,
etwas Anmutigeres und Keckeres gesehen. -- Das Haus schreitet nun rasch
vorwrts, wir sind alle oft stundenlang drben. -- Das Heu, das wir
gleich nach dem Schnitt einbrachten, fressen die Khe lieber als alles
andere. So da es geradezu ein Ereignis geworden ist. -- Abends ist es
immer so gemtlich; wir spielen drauen am Tisch auf der Diele Boston
und essen Apfelsinen und lesen und schwatzen. Jetzt erwarten wir Forrs
hier und Blekastads. -- An den Sonntagen werde ich knftighin immer aus
sein und Vortrge halten. -- Anna gedeiht so gut unter uns und ist in
jeder Hinsicht eine echte Bjrnson geworden. Und ihr Vater, der
anfangs fraglos gegen die Verbindung war, hat uns recht lieb gewonnen.
Ja, es erhebt sich eine hohe Mauer von Verleumdung um den Mann in
Norwegen, der Er selbst sein will, und versucht, andre dahin zu bringen.
-- Wenn Du schreibst, mut Du uns immer, wie jetzt, damit trsten, da
es Dir inbezug auf Essen und Schlafen gut geht und da Du Fortschritte
bei der Marchesi machst. -- Aber ich fr mein Teil sehne mich grenzenlos
nach dem Tage, da das Unmittelbare und Frische Deiner Natur in Deinem
Gesang zum Durchbruch gekommen sein wird, so da er alle ergreift und
fesselt. Dahin mu es kommen, _mu_ es kommen.

Jetzt mut Du Zeugnisse sammeln, Kind, fr das Gesuch um ein Stipendium.
Es eilt nicht; aber Du darfst es nicht vergessen. (Doch, es eilt, sehr
sogar -- denn _jetzt_ mu es geschehen!) Kann nicht auch Dein Freund
Gouzien (oder wie er heit) Dir eins geben?

                                                    Dein Freund Vater.

[Funote 2: Runeberg, ein berhmter finnischer Bildhauer, modellierte
1889 die Statue Alexanders II. von Ruland. Anm. d. bers.]




                                            Aulestad, 2. Februar 1890.


Liebes Kind, heute mu ich nach Helleberg, Svartum und einen Vortrag
halten, zwei Meilen von hier. Aber ich habe nicht besonders gut
geschlafen heute nacht vor lauter Zeitungen und Infamie und Lgen. Na,
ich werde schon damit fertig; aber da ich insofern alt geworden bin,
da ich nicht immer einschlafen kann, das ist schlimm.

Der Olav fr Grieg rgert mich. Das liegt so weit ab von meinem Weg,
und ich mchte am liebsten fr mich selber arbeiten. Was tut Grieg fr
andere? Aber da sie gut zu Dir waren, war prchtig.

So, also Du willst Mutter bei Dir haben! Das glaube ich! Htten wir nur
die Mittel dazu! Aber Du kostest uns so viel jetzt, weil Du alles haben
sollst, was Du brauchst, da wir hier zu Hause so sparsam sein mssen,
wie wir knnen. Wir kommen ohnehin nicht aus. Also, wenn wir noch mehr
fr Dich tun sollen und Dir die Mutter schicken, dann bittest Du um
mehr, als wir vermgen.

Ich war so froh ber Deinen Brief, was den Gesang betrifft. Das ist der
erste Brief in diesem Jahr, der meldet, da es so geht, wie Du und Mad.
Marchesi es wnschen. _Der erste._ Ich habe mich sehr danach gesehnt. --
Aber noch immer nichts darber, ob Du mit Mademoiselle Breslau
verkehrst. -- Ich wute ja freilich, da der _Flei_ den Ausschlag geben
wrde, wenn es galt, Seele hineinzulegen. Du erzhlst, da Du mehr als
je arbeitest, und da Mad. Marchesi _jetzt_ zufrieden ist. Erzhl' mir
ein wenig von der Kopka. Ist sie eine groe Sngerin, ist sie wirklich
freundlich zu Dir, und was hlt sie von Dir? Ich sehe nie so recht klar,
wie Du mit den Leuten stehst. Ich sehe Dich nicht mitten unter ihnen.
Cavlings werden jetzt wohl bald abreisen; _die_ sind die einzigen, ber
die Du ordentlich Bescheid gibst; _bei denen_ sehe ich Dich. Liebes
Kind, schreibe so, da wir sehen!

Hier bereitet man wieder eine Schlittenpartie vor. Ich kann gar nicht
sagen, wie unvergleichlich die Bahn ist! Ich habe sie nie besser
gesehen.

Du solltest nur den herrlichen Klebersteinofen sehen, den ich jetzt in
meinem Arbeitszimmer habe! Aber ich frchte, er hat leider keinen guten
Zug. Der Ofen von hier oben ist in die Stube unten umgesetzt worden. --
Am nchsten Sonntag spreche ich auf Haug, Sonntag darauf im Gemeindehaus
zu jer. Ich bin immer auf der Walze; denn jetzt _mssen_ die Ansichten
der Linken durchdringen. -- Wir sind so froh darber, da Du Dich in
Deinem Zimmer und mit den zwei Damen und dem Dienstmdchen wohlfhlst.
Alles was wir das letzte Mal von Dir hrten, klang so heiter. -- Das
Haus fr Erling und Anna schreitet nicht schnell genug vorwrts; aber
von morgen ab kommen mehr Arbeiter. Anna ist sehr lieb, aber tchtig
verzogen. Die Zwei sind ein gutes Gespann, glaube ich, aber ich will sie
erst sehen, wenn sie beide mde werden. Er arbeitet nichts heuer, fhrt
blo das Leben eines Grobauern, die Hnde in den Taschen, und
kommandiert vom Oberhof die Leute auf dem untern. Aber das gibt sich
wohl wieder, hoffe ich.

Zurzeit lese ich Carlyle (Carlejl), den groen englischen Propheten,
der Seele fordert fr alles Leben und Materialismus und Snobismus und
Affektation und Eigenbrdelei und kirchlichen Dogmenkram hat. Ich
wnschte, Du wrst frs Lesen, dann wrde ich Dir seine
Lebensbeschreibung schicken; denn darin steckt der ganze Kerl, weil
darin so viel von ihm zitiert wird. Er ist eine Gre durch die
Initiative, den Schwung, die er in den Menschen weckt. Aber er ist
grenzenlos willkrlich. Dann lese ich von neuem den Ursprung der Arten
von Darwin und ein gut Teil Belletristik.

Ich bin heute nicht aufgelegt, wie Du siehst, und ich bin mit meinem
Vortrag beschftigt. Am Dienstag, an Landrichter Mejdells 70.
Geburtstag, soll ich die Festrede halten.

                                                    Dein Freund Vater.




                                                      9. Februar 1890.


Liebes Kind, das Zeugnis war ja brillant. Wir freuten uns. Auf solch
ein Wort habe ich gewartet; ich hoffe, da Mad. Marchesi die Wahrheit
sagt. Denn ich erinnere mich noch, da sie auch Y. eine groe Zukunft
prophezeite; ich widersprach und sagte, ein Mensch, der keine Seele
habe, wrde auch nie eine bekommen, und ich habe recht behalten. Aber
der Irrtum war von ihrer Seite ganz natrlich; denn sie hrte einzig auf
die Stimme, und die war gro und schn. Ich freue mich ber das Zeugnis,
denn wenn sie das von Dir glaubt, so setzt sie sicher alle ihre Arbeit
daran, Dich vorwrts zu bringen, und dann brge ich dafr, da auch Du
arbeitest. Ich freue mich auch aus dem Grunde, weil Dir das Bewutsein,
sicheren Boden unter den Fen zu haben, das Leben leichter macht.
Selbstvertrauen gehrt dazu, und nicht das des Trotzes, sondern das der
Freude.

Mein lieber Schatz, ich bin seit langem nicht so froh gewesen.

Deine Somnambule ist eine Gedankenleserin, die fhlt, was der Mensch,
dessen Hand sie hlt, denkt. Voil tout.

Forr ist mit Frau und Tchtern ein paar Tage hier gewesen, und wir haben
uns gut unterhalten. -- Der Dreck mit Knig Midas ist doch blo zu
meinem Vorteil ausgeschlagen. Das wute ich im voraus. V. G. hat keine
Seide damit gesponnen.

Meine Sonntagsvortrge hier in der Nachbarschaft nehmen meine Zeit und
Gedanken gefangen, und Du mut ein bichen darunter leiden, Bergliot.
Aber da ich einmal schreibe, mchte ich fr die Auskunft ber Schlaf und
Essen danken, und bitten, _jedesmal_ eine hnliche zu schicken. Also:
schlfst Du gut? It Du gut? Stehst Du Dich gut mit den Leuten des
Hauses? Du bist nicht heftig, ungeduldig gegen irgendeinen von ihnen?
Diese beiden Fehler sind Deine Lieblingssnden. -- Hast Du bei
Mademoiselle Breslau fters die Grfin Martel (Gyp) getroffen? Ich
sehe, sie war vor Gericht, wegen ungebhrlicher Einmischung in die
Wahlen (in der Normandie). -- Du solltest Dir noch ein oder zwei weitere
Zeugnisse verschaffen; wir behalten dies und reichen es zusammen mit dem
Gesuch ein, das bald abgehen soll. Es kommen mehrere Stipendien zur
Verteilung, so da wir um mehrere auf einmal nachsuchen. -- Wir haben
das allerherrlichste Wetter; Sonnenschein und Schlittenbahn Tag aus, Tag
ein. Unsre Schlittenpartie (mit fnfzehn Pferden) und groem Ball
hinterher auf Rokvam war vorzglich gelungen; also diese Woche war
voller Vergngungen fr die Jugend; dann waren wir ja auch auf Mejdells
siebzigstem Geburtstag. Wir fuhren mit drei Pferden bei vorzglicher
Bahn in 1 Stunden hin. Es waren 130 Menschen. Mejdells waren sehr
vergngt. Anna und Erling schenkten ihnen eine Sule und eine antike
Figur. -- Heute ist Torp hier gewesen und hat Annas Kardialgie
untersucht. Nichts von Belang. Forr und Erling sitzen hinter mir und
lesen die Zeitung, also ich habe nicht viel Ruhe. -- Brief von Ejnar; er
schimpft immer ber das eine oder andere, und lebt in groer
Geselligkeit, ber die er nichts berichtet. Ein sonderbarer Bengel. --
Jetzt hat das Haus anderthalb Mannshhe, und jetzt erst begreifen die
Leute, wie gut der Platz gewhlt ist. Die Leute, d. h. Smehus und Even,
sind wegen Annas Sachen in Vestad gewesen. Als sie zurckkamen,
erzhlten sie, da im ganzen Tal kein Hof so schn sei wie Aulestad. Und
auf dem ganzen Weg htten die Bauern gesagt: Nee, was fr Gule! Wenn
_sie_ so pikfeine Gule htten, meinten sie, das wre famos! Uff, ich
sitze hier und kann blo tratschen, -- zu mehr kann ich mich nicht
sammeln. Hast Du Dr. Sigurd Ibsens Aufsatz im Dagblad bemerkt? Da
kannst Du die Union in all ihrer Hlichkeit sehen! Ja, an so was hat
man seinen Halt! -- Und mich verfolgt man, weil ich kein Blatt vor den
Mund nehme. Einmal werden die Leute sich schon schmen mssen. -- Ach,
Du httest diesen Wintertag sehen sollen, Bergliot! _Aber sehen, ohne
unter norwegischer Geistesenge, Feigheit und Migunst zu leiden._

                                                    Dein Freund Vater.






_Liebe Bergliot in Paris!_ Wer an das Verhltnis zur Kirche und das
Verhltnis zu Schweden (und dem Knig, denn der Knig ist Schweden)
rhrt, der ist ehrlos! Nun soll Sigurd Ibsen auch ehrlos gemacht werden.
Ich habe ihn eben willkommen geheien unter der Zahl der Ehrlosen! Da
sie sich sofort gegen uns wehren mssen durch derartige hmische
Versuche, beweist deutlich, wie _falsch_ das Verhltnis ist, wie in der
Wurzel unecht. -- Eine groe Hilfe war mir das in meinem Kampf um die
Forderung, da eine Vereinigung, die an sich neu unter den Vlkern ist,
sich auch neue Formen schaffen mu! Unsre Vereinigung ist andern ein
Beispiel geworden (sterreich-Ungarn); schafft sie sich eine neue Form
in dem Verhltnis zum Ausland, so wird auch das ein Beispiel werden. Der
einzig mgliche Versuch, die Vereinigung als solche fortbestehen zu
lassen, ist, eine Teilung der auswrtigen Angelegenheiten anzustreben
und jedes Land seine eignen fhren zu lassen. Damit ist nicht gesagt,
da nicht vieles gemeinsam bleiben kann; aber es mu jedesmal auf freier
bereinkunft beruhen. Zwei Minister des uern, jeder verantwortlich fr
sein Volk.

Ich lese zurzeit Carlyle (Carleil) Die franzsische Revolution. Die
schicke ich Dir. Ich htte eher daran denken sollen, da Carlyle etwas
fr Dich sein mu! Da Du so leselustig bist, ist ein groes Glck fr
mich. -- Ich sitze wie auf Kohlen, weil ich mich fertig machen mu zur
Reise. Ich will nmlich heute nach jer, d. i. fast drei Meilen, bei der
vorzglichsten Schlittenbahn von der Welt, mildem Wetter und mit der
Grostute, die lang und mchtig ausholt, im Zweipferdelngenschritt. Der
Wald ist wie fein bepudert, Schneewolken lagern zwischen den Bergen, die
Luft daunenstill. -- Sie sind rein verzweifelt, alle die
Landesverteidiger, so oft ich mich rhre. Sie wollen durchaus mit mir
diskutieren. Ja, das glaube ich, wenn ich ihnen erst Leute verschafft
habe, zu denen sie reden knnen, dann wollen sie auch gern reden! Aber
daraus wird nichts. -- Frits Hansen mu sich auerdem erst bei mir
entschuldigen, bis ich ihn einer Unterredung, geschweige denn einer
Diskussion wrdige. Ein bichen Anstndigkeit mu man beobachten, selbst
mir gegenber. Ich schreibe gegenwrtig an etwas, das Ditmar Mejdell
heit und Dich amsieren wird, wenn es fertig ist. Ich bin in der
vorzglichsten Laune, wieder ganz auf der Hhe nach all dem Skandal, der
so klglich ablief fr die Skandalmacher. Mutter hat drauen im Flur
einen Saltomortale ber Lord, den Hund, gemacht, der beiden teuer
htte zu stehen kommen knnen; aber es blieb beim bloen Schrecken. Der
Kter rannte, hast du nicht gesehen! bis nach B und lie sich spter
viele Stunden nicht blicken.

                                                    Dein Freund Vater.




                                           Aulestad, 23. Februar 1890.


So sollst Du also schon im Mrz ffentlich singen? Mir wurde ganz bange;
denn ich mag euren Dressur-Gesang nicht, und viel anderes wird es wohl
nicht, wenn Du nicht selbst whlen darfst. Uff, nun soll ich mich auch
damit noch abngstigen! -- Aber andererseits beweist es ja, da Mad.
Marchesi Zutrauen zu Dir hat; und kein geringes zu Deiner Zukunft, da
sie Dich schon jetzt auftreten lt.

Hier ist es nur widerlich. Jetzt wollen die _Schweden_ mit Knig Midas
Norwegen bereisen; ist es nicht unglaublich, da auch meine Freunde das
richtig finden? Entweder fhle ich anders als andere, oder hier mu eine
neue Denkart aufkommen, die jetzt noch nicht die Oberhand hat.

Jetzt will ich mein Drama fertig schreiben (ich habe das andre beiseite
gelegt), und sobald ich mir damit ein packendes Bild von unsrer
unglaublichen Verantwortungslosigkeit von der Seele geschrieben habe,
nehme ich meine Vortrge wieder auf und zeige den Leuten im groen und
kleinen, wie unverantwortlich wir gegeneinander handeln.

Wenn man denkt, da meine sogenannten Freunde gleichzeitig Freunde
sind von Chr. Krohg und von mir, von Gunnar Hejberg und von mir! Und
wenn ich tausend Jahr alt werde, ich verstehe das nicht, ich will davon
nichts wissen. Aber ich werde dreinfahren!

Du tust mir so leid, immer wenn ich daran denke, wie tief Du Dir zu
Herzen nimmst, da Du Cavlings verlierst. Du mut jemand haben, mit dem
Du auch Unsinn treiben kannst; deshalb kann Mad. Sansot Dir nicht das
werden, was Dir das liebste ist; aber im brigen ist sie kernecht durch
und durch, Bergliot. Und der Mann! Alles Vornehme, Gebildete, was
franzsischer Geist erreichen kann, verkrpert sich in diesem Manne! Ich
kenne wenige Mnner auf der Welt, die ich hher schtze. Ja, meine
geliebte Bergliot, Du wirst bald lernen, da solche Menschen wertvoll
sind, weil sie selten sind. Ich glaubte an alle Welt, und nun blutet es
in mir aus hundert Wunden -- der Enttuschung.

Ich habe nie die Geschmeidigkeit besessen, mich, wie Du, zwischen so
vielen Mitschlern bewegen zu knnen, und mit keinem Freund oder Feind
zu werden. Ich gebe zu, das mag das Beste sein; und da Du das schon
kannst, wird Dich gewi sehr frdern und Dir vieles ersparen. Die
allermeisten sind nicht mehr wert, als da wir Ihnen gegenber die
hfliche Umgangsform nicht verletzen. -- Ach, Bergliot, ich htte nie
geglaubt, ich wrde eines Tages solche Worte niederschreiben. Und ich
kann mir nicht helfen, ich fhle starke Ergriffenheit, nun ich es getan
habe. -- Wenn ich blo meine Arbeitsstimmung wieder htte!

                                                    Dein Freund Vater.




                                                         2. Mrz 1890.


Liebe Bergliot, ich habe Deinen Brief noch nicht gelesen, nur davon
berichten hren; aber ich hatte auch so viel zu hren, zu lesen und war
auerdem gestern weg zu einem Vortrag. Groe Freude, da Peter und Dikka
hier gewesen sind, groe Freude! Und nun kommen auch Kiellands! Wir sind
also jetzt glnzend auf der Hhe hier! Es ist, als htten wir Paris
hier. -- Und Du rmste lebst in der Millionenstadt viel verlassener als
wir hier in unserm Winkel. -- Nun habe ich Deinen _vortrefflichen_ Brief
gelesen, Bergliot. Deine ganze Natur liegt in diesem Brief. Hast Du die
Revolutionsgeschichte von Carlyle, _die ich fr dich bestellt_ habe bei
Huseby & Co. in Kristiania, nicht erhalten, so schreibe selbst! Du
_mut_ sie lesen. Du mut das Menschenmeer in Aufruhr sehen und die
gewaltige Wogenmasse, wo einer den andern jagt, bis alles _eine_
unendlich wogende Bewegung ist, so da die, die mitgewlzt werden, ihren
eigenen Willen verlieren und nur drngen, weil alles drngt. Und das
wird noch einmal kommen, wenn man nicht beizeiten gerecht ist. Darum
eifre ich. Niemand wei Zeit oder Stunde oder von wannen. Hebt es aber
an, dann wei keiner, ob unsre Arbeiter strker sind als andere, ob
nicht auch sie mitgerissen werden und niederreien. Denn auch hier im
Lande ist viel Unrecht. -- Gre Frau Sansot herzlich; jetzt _will_ ich
mich endlich zu einem Brief an sie aufschwingen. Und Runebergs! Ja, ich
wei, das sind _Menschen_, sie haben mich verstanden, und sie
verschleudern nicht, was sie verstehen. --

Ich habe noch andre Briefe zu schreiben und mu schlieen.

                                               Dein Freund Vater B. B.




                                                         9. Mrz 1890.


Liebes, ses Mdchen Du, Sonntagmorgen, scharfer Wind berm Schnee, das
Barometer auf seinem tiefsten Stand, also haben wir Schlimmes zu
erwarten; aber im Hause warm; bei offenen Tren unten und oben kommt die
Wrme vom Flur zu uns herein und mischt sich mit der Wrme aller fen;
Karoline geht umher und sieht nach und rumt auf; unten ein
Frhstckstisch mit geruchertem Lachs, kaltem gebratenen Schneehuhn,
fnf Sorten Kse, darunter ein neuer Storthingskse, und unter all der
Herrlichkeit ein weies Tischtuch, und blaue Karaffen und Glser.
Karoline und ich sind eben von Tisch aufgestanden, jetzt hren wir Beate
und Alexander Kielland im Fremdenzimmer sich rhren; das Haus erzittert
unter seinen Schritten. Er ist -- ich werde ihm das nie vergessen --
hierhergekommen, um demonstrativ seinen Protest gegen die Verfolgungen
einzulegen, hat den Mjsen herauf in seinem Breitschlitten wie der
Teufel gefroren, wurde in Lillehammer von mir empfangen, fiel mitten in
die Geburtstagsgesellschaft bei Lunde, wurde in die Stube gefhrt,
schneebedeckt, sah aus wie Gustav Adolfs Statue an einem Wintertag, so
prachtvoll, da die Leute schrien, und erzhlte Geschichten, da ich
mich ganz krank lachte. Du httest die Verzweiflung der Lillehammerschen
Damen sehen sollen, aber lachen muten sie doch! -- Er trank eine
Flasche Rotwein, Grog, Schnaps, a ein Schneehuhn; aber unterhielt uns
dabei den ganzen Abend, dampfte unter allgemeinem Gelchter ab und
schlief zwei Stunden darauf. Etwas dicker als frher, aber dieselbe
unerschtterliche Verachtung fr das Pack, und voll Gesundheit und
Kraft im Kampfe gegen dies Volk. Bei brillanter Bahn und brillantem
Wetter hierherauf, ich voran in einem Schmalschlitten mit Kiellands
Koffer hintendrauf, sie hinterdrein in einem Breitschlitten, zum Schlu
scharfer Trab, alle Flaggen ber der Schneelandschaft an den hellen,
strahlenden Husern gehit, Feststimmung und Freude beim Empfang seitens
Karoline, Karen, Mutter, Inga, Dagny, Anna und Erling, groes Diner,
wobei er wieder Schneehuhn und Wein fr zwei oder drei bekam, und ein
Gelchter, da das Dach drhnte. Und den ganzen Tag gestern ein
Schwatzen und Lachen und Apfelsinen und Possen bis zehn. Wieder neun bis
zehn Stunden Schlaf heute, und jetzt hre ich die Lachsalven unten vom
Frhstckstisch her; denn dort sind sie nun, nachdem sie mich begrt
und meine Glckwnsche entgegengenommen haben, weil Babys Geburtstag
ist. _Die_ ist das Beste, was Du je gemacht hast, sage ich zu Beate.
-- Entschuldige, _ich_ habe sie gemacht, antwortet er und zieht, den
Arm um Beates Taille, wie ein Gott stolz von dannen, begleitet vom
Gelchter aller. Er ist in seiner roten Amtmannsweste, falls Du
Dich ihrer entsinnst. Und als ich ihn fragte, ob er nicht
Storthingsabgeordneter werden wollte, antwortete er: Du meinst als
dekorative Figur? -- Gestern ist kein Brief von Dir gekommen;
vermutlich ist in Jtland Schneesturm; wenn nur nicht auch unser Brief
an Dich fr einen Tag oder zwei weggeweht ist. -- Hedlund hat an mich
geschrieben, er halte es nicht lnger aus, in Unfrieden mit mir zu
leben. Ja, ich renkte es denn wieder ein, soweit ich konnte. Ich habe ja
nichts gegen ihn, ich habe ihn sogar gern; aber ich knnte z. B. nicht
mehr ber das mit ihm reden, was ich glaube. -- Beate Kielland -- nun,
Du weit ja, wie lieb sie mir ist, und sie ist so warm und entzckend
hier bei uns, und dabei so bekmmert um ihrer Zukunft willen. Alexander
Kielland arbeitet an einem Roman, in dem ein Bauernbursche vom Lande in
die Stadt kommt und es bis zum ersten Mann dort bringt, einfach weil er
genau alle Schurkenstreiche und Nichtswrdigkeiten nachmacht, die die
anderen machen, und die von der guten Gesellschaft geheiligt sind. Ist
das nicht ergtzlich? -- Jetzt wird Erlings und Annas Haus gedeckt. In
der groen Welt nichts, was mich im Augenblick fesselt, und auch nichts
hier in der Heimat. -- Ich habe die groe Angst, da Mad. Marchesi kein
Verstndnis fr Dein Naturell hat und Dir eine verkehrte Aufgabe stellt.
Du mut etwas haben, worin Leidenschaft ist und Phantasie oder
Schelmerei. Kannst Du ihr das nicht selber sagen? Ein Hurra dem Tag und
Dir und mir und allen miteinander.

                                                    Dein Freund Vater.

Alexander Kielland sitzt jetzt hier oben; als er hrte, da das
Barometer so gewaltig sinkt, sagte er: Es wird uns gehen, wie es in der
Frithjofsaga heit: Der Fremde blieb, bis der Frhling kam!






Heut steht der Wald wei; denn es schneit die ganze Zeit, und etwas
Schneres als einen weien Wald hat die Natur nicht. -- Der Schnee liegt
auch wei ber den Dachsparren des neuen Hauses. Die Maurer setzen jetzt
die Schornsteine auf. Alles ist gro dort, z. B. sollen auch vier --
sage: vier -- Schornsteine hinkommen! Einmal wird das Haus uns allen
doch viel Freude machen, obwohl es verdammt viel kostet jetzt.

Wir haben ein Buch hier, die Selbstbiographie eines Dnen aus dem Anfang
des vorigen Jahrhunderts, Aerebo heit er; das werden wir Dir schicken;
Du mut doch sehen, wie der Ton damals war; wenn man bedenkt, da wir
noch vor anderthalb Jahrhunderten roher waren als jetzt die Bauern. --
Also drfen wir heute nicht zu viel voneinander erwarten, dnkt mich.
Wir mten solche Selbstbiographien mehrere Meilensteine weit in der
Zeit zurck haben, dann begriffen wir, wie die Menschen noch heutigen
Tags Reiaus nehmen, wenn es gilt, den Arbeiterinnen zu helfen, und
mitten im schnsten Frieden Geld sammeln fr Kanonen. -- Dies ist die
Bismarck-Woche gewesen; er ist gestrzt, und vorlufig auch sein Sohn!
_Jetzt_ sagen alle, wofr ich dereinst meine Prgel bekam, so oft ich es
sagte, er sei, nachdem er gewaltsam die Einigung Deutschlands zustande
gebracht hatte, im wesentlichen ein Schachspieler, der alle Spiele
gewann, darber aber die Zukunft verlor; denn er war ein Mann des
Mittelalters, und die moderne Denkart erschien ihm als eine
Ausschweifung. Seine schlimmste Snde, Ruland grozuziehen, aber
Frankreich zu beschneiden, -- unheilvoll fr ganz Europa -- wird von
seinem Erben, dem Kaiser, nicht wieder gut gemacht werden. -- Ich
frchte, wir strzen durch den jungen Kaiser in eine ganze Reihe von
Fehlgriffen, die die Reaktion zu einer strengeren Tonart beeinflussen,
und vielleicht Bismarck oder auf jeden Fall sein System wieder von neuem
heraufbeschwren werden. Ja, wir gehen einer schweren Zeit entgegen!
Htte ich nur so einigermaen _unsre_ Zukunft gesichert! -- Um unser
Volk ist mir nicht bang, nicht im geringsten. Das geht seinen Weg. --
Hurra! Bei uns gilt es nur, das Volk zu wecken. Ist es erst wach
geworden, so ist mir nicht bang darum. -- Gr' unsre Freunde! Runebergs
und Sansots haben beide ihre Briefe bekommen; aber gre sie, gre sie!
Gratuliere Hejde zum blauen Band! Mge er erleben, da es rot wird! --
Leb' wohl!

                                                    Dein Freund Vater.




                                                        30. Mrz 1890.


Liebe Bergliot, Du mut die Sache endlich sehen, wie sie ist, -- wenn es
eine Niederlage fr Dich ist, da Du nicht bei der Matinee mitsingen
darfst. Das ist wohl besonders Madame Lrigs Schuld, die nicht die
Fhigkeit hatte, Dich weiterzubringen; aber Schuld trgt wohl auch der
Umstand, da sich in unserer Familie keine Spur von Virtuositt findet,
so da Du also nicht eine ererbte Anlage weiterbilden kannst, sondern
mit unendlichem Flei und mit Ausdauer Dir Stck fr Stck erringen
mut, -- schwerer, langsamer als jeder andere. Da Du die Triller und
alles das hassest, darin stimme ich mit Dir berein; aber als
Ausbildung der Fertigkeit, als Weg zu einer biegsamen Stimme, einem
selbstsicheren Gefhl von berlegenheit ber das Technische mut Du
diesen Spierutenweg gehen, um fertig zu werden. Gibst Du Dich hierin
besiegt oder richtiger: wirst Du hier nicht Meister, so wird stets
hinter dem, was Du tust, _die Angst stecken vor dem, was Du nicht
kannst_. berwinde diesen ganzen dstern Spuk! Werde ein unerschrockener
Knder des Lichts, des Herzens; rum' mit allem auf, was Dich verzagt
macht; sondern zwinge es, dem Hheren zu dienen!

Nur eines steht noch bengstigend mir vor Augen: da Du nicht krftig
bist! Du schlfst, Du it, Du lebst das geregeltste Leben, und trotzdem
ist es, als schwche Dich etwas? Du arbeitest doch wohl nicht ber Deine
Kraft, ich meine, ohne die Regeln fr gesunde Arbeit zu befolgen? Das
she Dir auch nicht hnlich. Gib Obacht auf Dich selbst, lieber Schatz;
ergrnde, was das ist!

Ich habe jetzt La bte humaine gelesen, und ich bin im Grunde
erschrocken, da auch Du es gelesen hast. Es hat einige so zwecklos
unterstrichene liederliche Stellen. Pfui Teufel! Wahrhaftig, Du bist ein
tapferes Mdel, da Du durch den Kot watest, ohne davon beschmutzt zu
werden. Tut es Dir nichts, Bergliot? Antworte mir aufrichtig!

Bismarck geht in sein eignes Garn; er hat selbst damals, als er es
brauchen konnte, die Alleinherrschaft des Kaisers proklamiert, und er
hat selbst bis in den Tod Mnner verfolgt, die wagten, eine andre
Meinung zu haben als der Kaiser und er. Und nun ist er der erste, der
dem Willen des Kaisers entgegenarbeitet, heimlich und ffentlich, und
darber fllt er! -- -- Entweder wird er binnen kurzem wieder das Heft
in Hnden haben, oder er behlt recht darin, da es jetzt schief geht.
Mit aller Art von Neuerungsideen lt sich ein Staat nicht leiten, am
allerwenigsten einer, der so exponiert liegt wie Deutschland. -- Es soll
sich nur keiner einbilden, da hierdurch mehr Freiheit, mehr Licht in
die Welt kommt; kein Prinzip des modernen Zeitgeistes hat den Groen
gefllt; kein grerer Schachspieler hat den grten seiner Zeit matt
gesetzt, keine weitschauende Politik die kurzsichtige; denn mit allen
seinen Augenblickssiegen war Bismarck doch nur ein kurzsichtiger Mensch,
der nicht die Zukunft aufbaute, sondern nur Sieg auf Sieg gewann im
Kleinkram der Gegenwart. Nein -- wir werden dasselbe mittelalterliche
System haben, nur _ohne die Siege_, ... bis es am Boden liegt. --

Das Haus hat also jetzt einen Schornstein auf dem Dach und eins seiner
vier Kreuzdcher ist mit blauen Ziegeln gedeckt. Ferner sind die
Fehlbden, die unter den eigentlichen Fubden liegen, im untersten
Stockwerk fast fertig. Die Tischler und Amund (der Maler und Sattler, Du
weit) machen schne Mbel und verhltnismig billig. All mein altes,
trocknes Material kommt uns nun gut zustatten.

Geliebter Schatz, Du mut bei frischen Krften bleiben. Und Verkehr
suchen mit den vielen, die Dich gern haben. Durchaus! Wir haben gedacht,
Du knntest diesmal auf dem Landweg nach Hause kommen und einige Tage
bei Hegel bleiben. Vielleicht ist dann Mutter dort, so da Ihr zusammen
heimkehrt. Mutter hat unter meinen Papieren folgende Strophe aus alten
Tagen gefunden:


                              Im Walde.

   Der Wald gibt sausenden sachten Bescheid;
   Was immer er sah in den einsamen Stunden,
   Was immer er litt, als man doch ihn gefunden,
   Das klagt er dem Winde; der trgt es weit.

Ist das nicht schn? Das mte sich in Musik setzen lassen. -- Heuer
geht die Schneeschmelze ohne Hast und Schnheit vor sich, recht
heimtckisch. Drauen ber dem niederen Ackerland liegt er kreidewei
und schwindet hin, hier oben ist er ausgezehrt, wie einer, der die
Schwindsucht hat; hektische Flecken da und dort. -- Sie fahren Holz mit
sechs Pferden den ganzen Tag; es fragt sich, ob wir es ins Haus
einbringen heuer wegen des schlechten Schnees. -- Dagny und Anna haben
sich beide das Haar kurz geschnitten, es steht ihnen ausgezeichnet. Leb'
denn wohl, geliebter Schatz, tausend, tausend Gre von allen durch

                                                  Deinen Freund Vater.




                                              Aulestad, 4. April 1890.


Liebe, Se Du, wie unterhaltend und klar Du schreibst! Die Briefe
allein schon zeigen, da Du im Wachstumsalter bist. Nicht die Briefe
aller zeigen das, selbst wenn sie zwanzig Jahre alt sind; denn es
wachsen leider nicht alle. Und es ist etwas wert, da _Du_ wchst durch
Umgang, Arbeit, Bcher; denn _das_ ist es, was Dir den _Gehalt_ gibt,
der spter den Gesang fllt und frbt.

Ich mu heute mal mit Dir reden ber Mad. Marchesis bornierte Methode,
von allen _eine_ Art des Singens zu verlangen. Das ist natrlich
verkehrt. Aber eines bedenke: _sie hat mehr singen hren_, als ihr alle
miteinander, und darunter die _Allergrten_; denn die Allergrten
haben zu ihrer Zeit gelebt, und nicht in Eurer. Infolgedessen hat sie
(ohne selbst sehr poetisch zu sein) dadurch Musterbeispiele, und als
Sngerin ein solches Gedchtnis fr die Behandlung jedes einzelnen
Stckes, da Ihr, wenn Ihr ihr folgt, immer der besten Fhrte folgt.
Aber hier hrt ihr Recht auf. Denn nicht alle _knnen_ so singen, wie
die Grten; wenn sie ebenso gro sind, haben sie ihre eigene
bahnbrechende Art, und wenn sie nicht gro sind, liegt ihr _einziges_
Verdienst darin, _da sie sie selbst sind_; haben sie das nicht, dann
knnen sie sich begraben lassen! Es ist der reine Zufall, wenn jemand
dieselbe Natur hat, wie der, der dieselbe Nummer von allen am
vollendetsten sang.

Ich habe Garborgs Bei Mama gelesen, das aus unsrer schmutzigen Wsche
zusammengestckelt ist. Ein hysterisches Weibsbild (Tochter eines
sinnlichen Faultiers von Mutter) gezeichnet von einem hysterischen
Mannsbild, -- das soll _das Weib, wie es ist_, sein! Das Buch besteht,
wie alle Bcher Garborgs, aus tausend kleinen Geschichten. Er ist kein
Dichter, er ist ein Schriftsteller, der einem Menschen mit kritischen
Bemerkungen nachgeht, und die gengende Gewandtheit hat, ihnen
verschiedenartige Form zu geben; es stimmt uns oft nachdenklich, aber
wir sind nie ergriffen. Die hysterische Unruhe, dieses Jagen vom einen
ins andre strt; ein Bild wird am besten mit ein paar krftigen,
sicheren Linien gezeichnet; durch diese tausend Strichelchen wird es
wieder verwischt. In Knig Midas heit es, da niemand so lgt, wie
die, die herumlaufen und die Wahrheit sagen. Das pat ausgezeichnet auf
die Art Bcher, die _nur_ in Geruch und Anblick und Zerknlltheit der
schmutzigen Wsche leben; _die_ Wahrheit ist derbe Lge. Die
schmutzige Wsche mu auch sein; aber nicht als das einzige oder das
entscheidende fr unsre Anschauung des menschlichen Lebens. Er hat die
Ideale, weil sie die Menschen verleiten, an sie zu glauben, und --
wenn sie sie nicht erreichen knnen -- mutlos zu werden. Nun ja, das
geht gewi vielen so, besonders so lange die religise Verkndigung ist
wie sie ist: _ein Einziges fr alle_. Aber als Lebensziel, d. h. als
das, was der einzelne erreichen _kann_, und was die Generation erreichen
soll, sind die Ideale nichts anderes, als die Erfahrung unsrer eignen
Natur; dadurch werden wir, und mit uns alles, besser; das haben wir
gelernt. Ist das manchem zu viel, nun schn, -- die kommandieren darum
nicht die anderen; es sind niemals die letzten, die kommandieren,
sondern die ersten. Diese siegen und ihre Nachkommen siegen nach ihnen;
die Strksten siegen. Wir mssen versuchen, den Schwachen zu helfen,
namentlich versuchen, immer mehr Menschen auf die Seite des Sieges
herberzuziehen; aber wir knnen nichts von den Idealen ablassen, ohne
die Richtung des ganzen Menschenzuges zu ndern, den Zielen untreu zu
werden, und zu miachten, was wir bisher aus Erfahrung als das Rettende
erkannt haben. Dahin kommt es niemals! La uns die Ausnahmen recht
sichtbar ans Licht heben in unserm Leben; jedesmal werden sie uns an
eine vergessene Schuld erinnern; aber zu Kommandorufen fr die ewige
Richtung des Zuges drfen die Schreie derer, die nicht zu folgen
vermgen, niemals werden; das wre der Untergang aller, anstatt der
einzelnen. Immer weniger und weniger werden ihrer; aber die Zeit kommt
kaum je, da ihrer nicht, was wir auch tun, leider allzu, allzu viele
wren!

                                                    Dein Freund Vater.




                                                       13. April 1890.


Liebe Bergliot, Dein Brief mit seiner Entrstung, weil ich es eine
Niederlage genannt hatte, da Du _nicht_ in der Matinee sangst, hat
uns riesig ergtzt, und Dein Mut und Deine Lust freuen uns, -- obschon
wir natrlich auf einen zweiten, tief niedergeschlagenen, gnzlich
zerschmetterten Brief gefat sind. Diesmal versicherst Du, Du knntest
Dich nie mehr verlieben; wir sind sicher, da bereits eine neue
Verliebtheit im Anzug ist, Deine hundertzwanzigste! Aber mehr als alles
andre hat mich gefreut, da Du ein Buch wie das Zolas in Dich aufnehmen
kannst, ohne von ihm anders gepackt zu werden, als das starke Bild
packen mu.

Wenn Du von Zolas letztem Buch sagst, es sei die lautere Wirklichkeit,
so wie kein anderes Buch, das Du gelesen hast, so beruht dies auf einem
Irrtum. Dieser Kniff mit der Eisenbahn, mit ihr zu spektakeln, immer
wieder und wieder, bis einem ganz schwindlig wird, ist ein alter Kniff
von ihm, und an und fr sich um kein Haar anschaulicher, als wenn
Maupassant es in wenigen Zeilen gibt. Zola macht so lange fort, bis es
zu hysterischen Vorstellungen wird, bis die Lokomotive zur Naturkraft
wird im Geiste des Persnlichkeits-Jahrhunderts, zum Dampf-Geist.

Das ist Mystik, sind symbolische Schwindeleien, und nicht Wirklichkeit.
_Alle_ Wirklichkeit bei Zola wird verzerrt; er kann nicht einfach etwas
so lassen, wie es ist; es wird schlimmer und schlimmer. Vergegenwrtige
Dir einmal die Bilder und Personen, dann siehst Du es selbst. Und dann
wei er nicht richtig Bescheid ber das, was er aus der medizinischen
Wissenschaft bringt. So zum Beispiel hier, wenn er einen Menschen
zeichnet, der einzig Wollust am Blut hat. Das ist vllig richtig; aber
-- wenn ich bitten darf -- nicht _zusammen_ mit sinnlichem Genu, nein,
_an Stelle_ des sinnlichen Genusses. Wie es hier geschildert ist, wird
der Mensch vllig unverstndlich. -- All der Schmutz, der da ausgegraben
wird, all diese Morde und Selbstmorde, und all diese Verruchtheit, ...
Du fhlst doch selbst, da er da Ausnahmen schildert, ungeheuerliche
seltene Ausnahmen, und das _Leben_ nennt. Selbst in der Farbengebung,
die sonst seine groe Strke ist, schwelgt er nachgerade so toll, da es
mich abstt. Herrgott, was solch ein Buch fr eine ungesunde Lektre
ist, und so verfhrerisch durch Hufung von ungewhnlichen, grauenvollen
sinnaufreizenden Orgien aller Art!

In dieser Woche will Arnoldson aus Schweden hierher kommen; Kristofer
Kristofersen und Frau kommen entweder in dieser oder der nchsten, und
Redakteur Holst will auch kommen.

Denke Dir, heute, am 13. April, liegt wieder einviertel Meter hoch
Schnee, der Wald groartig unter der Last. Keine berraschung htte
grer sein knnen als heute dies Erwachen. -- Famoser Brief von Sansot
gestern; gr' ihn von mir. Ich schreibe bald. Vorlufig nur, da _W.
Lange in Berlin_ eine bersetzung von Es flaggen ... gemacht hat, die
ich dem Schweizer zum Lesen anempfehlen kann. Es gibt auch eine deutsche
bersetzung (im Manuskript) vom Knig von _Frulein Klingenfeld,
Mnchen, Bayern, Gabelsbergerstrae 21_, die der Schweizer bestimmt
geliehen bekommt, wenn er darum schreibt. Mehr wei ich ihm nicht zu
sagen. Die Sansots halten groe Stcke auf Dich, und falls ich sie, wie
Sansot schreibt, 1891 hier begren drfte, so wre das einer meiner
glcklichsten Tage auf Aulestad. Fr dasselbe Jahr habe ich geplant, mit
der ganzen Familie nach Romsdalen zu reisen, und da knnten sie sich uns
anschlieen. Das wrde eine Karawane! Meine geliebte Bergliot, ich habe
oft gewnscht, das erstemal, da Du in Norwegen ffentlich sngest,
sollte es in Romsdalen, in Molde sein. Aber das sei in Dein Belieben
gestellt. Dann reisten wir von dort nach Nsset, wo ich als Junge
herumsprang, und dort versammle ich die Leute und rede zu ihnen. Ein
groer Tag soll das werden, wenn das Wetter gut ist. -- Wenn doch auch
Ejnar mit dabei sein knnte! Die Volksversammlung soll an der Stelle
stattfinden, wo der Kerl hingerichtet wurde, ber den ich einst schrieb.
-- Ich kenne keinen schneren Punkt in Norwegen, als den ganzen Bezirk
dort. Ach, soll das eine Fahrt und ein Tag werden! Und den ganzen Weg da
hinauf habe ich Freunde, also wir werden sehr vergngt sein. Und dort
uns auf den Fjorddampfern herumtummeln! Die launenvolle Lieblichkeit und
ruhige Gre des Romsdalfjords geht ber alle Beschreibung. Oh, wie
vergngt wir sein werden! -- Ja, nun sag' ich Dir fr heut Adieu. Ich
habe verlockende Bcher zu lesen und mu mich auch ein bichen in meinen
groen Stoff hineindenken. Es geht gut, geht uns allen vorzglich, wir
sind alle frhlich und alle gesund. Hier ist die Sttte, wo gearbeitet
wird. -- Hast Du Die franzsische Revolution von Carlyle gelesen? Ich
lese den Freiheitskampf der Niederlande von Motley (einem Amerikaner),
also ber meinen Liebling Wilhelm von Oranien. Ein ganzes Leben lang
immer unterliegen und dennoch ausharren, nicht nur selber, sondern auch
alle anderen zum Ausharren anfeuern -- ja, das ist mein Lebensideal! Das
ist grer, als der grte Sieg, denn dazu gehren mehr und grere
Eigenschaften als zu einem glnzenden, im Augenblick alle Krfte
anspannenden Sieg. -- Und das versteht jeder, der wei, was ausdauernde
Arbeit, treuer Sinn und leuchtender Glaube bedeuten.

                                                    Dein Freund Vater.




                                                       30. April 1890.


Mein lieber, ser Schatz, wie schn ist es jetzt, einen Brief von Dir
zu bekommen, weil Deinem Gemt eine feste Hoffnung aufdmmert; Du wirst
sicherer und strker dadurch. Es ist, als wre jeder Brief eine Meile
nher dem Ziele geschrieben, es ist, als httest Du jedesmal geloggt und
nachgerechnet und die Fahrt fr gut befunden. Und die Zeugnisse anderer
sagen dasselbe. Wir warten und warten auf Dich wie auf die
Frhlingsschwalbe. Mchtest Du nun auch Glck haben zur Lebensfahrt und
nicht wie ich Gegenwind das ganze Leben, -- obschon er die Flagge so
frhlich wehen lt.

Jetzt sollst Du aber hren: ein Franzose, Crpieux-Jamin, ist Graphologe
(Schriftdeuter), und hat aus Dnemark drei Handschriften zugesandt
bekommen: die Mark Twains, der Grfin Danner und meine. Ich habe den
dnischen bersetzer seines Buchs gebeten, Dir ein Exemplar zu schicken,
und da kannst Du selbst sehen, was er ber mich sagt nach der
Handschrift. Mutter und ich sind ganz platt. Ja, Du wirst ja sehen!

Wir werden Dir Garborgs neues Buch schicken, oder Du kannst es lesen,
wenn Du hierher kommst. Knig Midas besitzen wir nicht. Wir erwarten
heute Kristofersen und vielleicht Lunde. Immer noch liegt Schnee in
allen Spalten und am Wald; aber der Tag ist schn, der Altan ein
Schutzdach gegen frische Brise, und der Bau drben reift im Verein mit
den Bumen dem Sommer entgegen. Jetzt haben wir unser Haus wieder fr
uns, die Kche wird renoviert, und es ist still hier. Ein Frhlingstag
in Norwegen zwischen den Bergen ist reicher als jeder andere, weil die
Seele, die wir ihm entgegenbringen, gewaltiger sich sehnt und mehr
erhofft, als dies anderen Vlkern in einer andern Natur mglich ist.

Gestern las ich eine schwedische Kritik ber mein letztes Buch; ich
glaube, ich sende sie Dir. Sie war glnzend. Es heit dort (nach einem
andern schwedischen Kritiker), da B. B. der am wenigsten blasierte von
allen nordischen Schriftstellern ist. Ich glaube selber, da das wahr
ist.

Hier auf dem Hofe laufen fnf bis sechs Ferkel herum, schneewei und
voller Leben, und ich mu bei ihnen an Dich denken. Ich glaube, Du wrst
solch ein Kleines, wenn Du ein Tier wrst. Und dabei noch etwas von
einem Vogel, vielleicht einer Schwalbe. Kleines Ferkel und groe
Schwalbe, eins und das andre, ich mu lachen. -- Mutter hat sich in der
letzten Zeit herausgemacht, sie ist rund un woll, wie sie hier sagen;
aber mit dem Gehr ist es zu dumm. brigens steht es ihr gut, so als
Sibylle dazusitzen und von dem einen und von dem andern ein Wort hier,
ein Wort da zu borgen. Wenn es doch blo wieder besser wrde mit ihr!
Ich kann und kann die Hoffnung nicht aufgeben. -- Ich hatte wirklich
Angst, Du knntest nicht mehr leben, nachdem Cavlings abgereist waren;
aber Gott sei Dank, Du schreibst, als habest Du die Absicht, auch ferner
am Leben zu bleiben. -- Ich mchte gern wissen, ob Du einmal La lgende
des sicles von Victor Hugo auftreiben knntest; eine billige Ausgabe.
In diesem Falle mchte ich es haben. Und vergi nicht, mir den Namen des
Bildhauers zu schreiben, so, da ich ihn lesen kann; Donnerwetter ja,
dies ewige Elend mit den Namen! -- Brief von Hejde und Frau Hejde; es
geht ihnen brillant. -- Dagny hat sicher groe Begabung fr Musik; aber
keinen Flei, obwohl ich allmhlich glaube, wenn sie eine gute Lehrerin
htte, kme der auch. Sie ist ja im ganzen sehr flchtig; aber so lieb
und so begabt! Sie ist jetzt im Alter des Romanlesens und der ewigen
Freundschaften. Marie Hansen ist das Hchste auf Erden. Das heit,
vielleicht da Dagny nun doch anfngt, auch an ihr Kritik zu ben; damit
ist sie _sonst_ rasch bei der Hand. Anna ist wirklich reizend; so
lebhaft und klug; und so wohl wie sie sich bei uns fhlt! -- Meine liebe
Bergliot, Dank fr alle Deine Briefe und fr alle guten Nachrichten!
Bewahre Dir Deinen Humor, hrte Dich ab gegen Kritik und Widrigkeiten,
werde stark! Und gre Deine gute Wirtin! Du wirst wohl auch nchstes
Jahr dort wohnen? Hast Du in letzter Zeit Deine Freundin besucht, das
Mdchen bei Deinem alten Hausdrachen? Hast Du Gouzien vorgesungen? Bist
Du bei Sansots gewesen? Voil! Leb' wohl! In Frhling und Arbeit, in
schmucken Kleidern und Sonnenschein, in guter Gesellschaft und
Vergngen, bei guter Lektre und gesunden Gedanken!

                                                    Dein Freund Vater.




                                             Aulestad, 27. April 1890.


Liebes Kind, Du mut das alles selbst entscheiden, Du steckst in Deiner
eigenen Haut und in Deinen eigenen Kleidern, Du allein kannst wissen,
wie mde Du bist, und was Deiner Gesundheit neben Deinem Gesang, oder
vielleicht gerade um dessentwillen nottut.

Du mut _sofort_ Mad. Marchesi sagen, wofr Du Dich entschlossen hast.
In jedem Fall: bleib nicht so lange wie gewhnlich, komm nicht so elend
nach Hause, da Du abreisen mut, eh Du wieder Bergliot geworden bist.
-- Mchtest Du bis zum 1. Juni bleiben, dann meine ich, solltest Du
schon am 15. Mai bis zum 1. Juni bezahlen. Dann wirst Du ja hren. Aber
bezahle lieber voll, als Streit anzufangen. -- Entschlieest Du Dich,
schon am 15. Mai aufzuhren, so vergi nicht, da zwischen der Witterung
im Norden und in Frankreich ein Unterschied ist, der Dich nicht zu
Dummheiten verleiten darf. Du mut Dich jedenfalls danach anziehen. Den
einen Tag ist es hier ganz warm, den andern halber Winter _bis Mitte
Juni_; besonders aber im Mai. Dein Arbeitsplan wre nicht so schwierig,
wie er Dir scheint, wenn nicht diese verteufelten Reisen wren. Aber
Paris ist ja ohne Eisenbahnen. Richte Dich fr die Reise hierher
beizeiten ein. Und verlobe Dich nicht unterwegs! Komm heim und sei
Bergliot toute entire et toute seule. -- Diese Kbenhavn ist wirklich
ein grausiges, ganz grausames Blatt. Ich mu dabei an das Grne denken,
das in den Windeln der Suglinge liegt. Mich dnkt, da K.havn
berhaupt nicht just das im Norden reprsentiert, was gesund und stark
ist; sondern das berfeinerte und Frivole. -- In den Zeitungen und
Zeichnungen, die Du aus Paris heimschickst, ist ein ganz andrer Zug. Da
wird das Kleine nie gro, das Gleichgltige nie wichtig; wir haben
keinen gesunden Mastab. Octave Feuillets letztes Buch solltest Du
aufzutreiben suchen, ebenso Maupassants; ich sehe, man lobt sie beide
sehr. Du mut es billiger kaufen knnen als fr den Ladenpreis. brigens
kannst Du es auch lassen. -- Keines von uns sehnt sich mehr nach dem
Sommer als ich. Ich kann nicht arbeiten, es sei denn, es wird besseres
Wetter, und am liebsten bei offenen Fenstern. Bringst Du das gute Wetter
mit? Hier ist es scheulich jetzt.

Wir sind ein bichen in Sorge um Erling, es knnte ihm schaden, da er
so ohne Arbeit in vermgende Verhltnisse gekommen ist. Besonders Mutter
ist besorgt. Aber es kann ja gut gehen, auch wenn er noch nicht wei,
wie er im Sattel sitzen soll. Ich halte mich von ihm zurck; ich habe ja
kein einziges Interesse mit ihm gemeinsam; denn bei dem einzigen, das
ich haben knnte, dem Betrieb auf dem Hof und dem Bau, fragt er nie um
Rat und erzhlt nie davon. Er ist vollkommen, er ist Selbstherrscher.
Nun, Du wirst ja selber sehen! -- Hier ist es de. Diese Zeit ist
schrecklich. Graue Erde, grauer Laubwald, unheimlich finsterer
Tannenwald, Schnee auf den Hhen und in den Spalten, kalter Regen, kalte
grne Anstze hie und da. Nirgends ein Mensch. Die Bcher gleichfalls
kalt. Kalte Kritiken in den Zeitungen, unerfreuliche Politik daheim und
drauen, Unfruchtbarkeit und Mutlosigkeit der Mittelmigkeit berall.
Ich langweile mich. Komm Du heim mit Sommer, mit Mut, mit Gesang, mit
Zukunft! Dann bin ich in guter Laune, wie einer, der in einen
dichterischen Zauberkreis gebannt wird, wo es nichts Graues gibt.

                                                    Dein Freund Vater.




                                                          4. Mai 1890.


Liebes Kind, Dank fr Deinen langen Brief! Ja, jetzt ist er gekommen --
in wenigen Tagen -- voller, voller Sommer, alle Fenster und Tren auf,
Sonne ber dem Altan, Hhnekrhen und Vogelsang den lieben langen Tag,
und Glocken und Hammerschlag und der Klang der Egge an den kleinen
Steinen.

Also vermissen wir auf Aulestad jetzt nur noch eines, und das ist unser
Pariser Singvogel. Das beherrscht in dem Grade meine Stimmung, da ich
nur mit der grten berwindung an Dich schreiben kann. _Du_ bist nicht
dort, sondern hier. Und die Briefe sterben aus Sehnsucht nach dem
Menschen.

Ich habe eben ein Buch bekommen: Pepitas Hochzeit von Heidenstam
(einem Schweden), das vllig bereinstimmt mit meinem Aufsatz Die neue
Kunst. Ich mchte wissen, was z. B. von Garborg brigbliebe, wenn die
poetische Kraft, mit der _hier_ geschildert wird, ausschlaggebend wrde?
Da wrden nicht viele von diesen Matt in Matt-Kopien bestehen knnen. --
Ich bin durchaus einverstanden, wenn geschrieben wird, da jeder, was
die Kunstform anlangt, seine eigene Art haben drfe; -- seine poetische
Flle, das Wesen und der Reichtum seiner Persnlichkeit seien es, die
ber den Eindruck entscheiden. Bin ganz einverstanden -- nur nicht mit
der Leichtfertigkeit. Man darf nicht um den Augenblick die Zukunft
verkaufen. Ich verstehe auch die nicht, die, um frhlich zu sein,
absolut Punsch brauchen. Ich antworte immer: ich kann genau so frhlich
sein wie ihr, _ohne_ da ich Punsch trinke. Auch verstehe ich nicht, da
nicht zwei Verschiedengeartete frhlich sein und sich aneinander freuen
knnen, ohne da sie sich sofort in die Haare geraten mssen. Wird nicht
gerade durch die Kraft der Selbstbeherrschung die Freude etwas, das
unser Leben bereichert, das Wesen der Persnlichkeit strkt und die
Selbstachtung und die Achtung anderer in eins verwandelt? Gib Dich hin
da, wo Dein Herz Heimat und Zukunft gewhlt hat; sei frhlich ohne diese
letzte Hingebung berall da, wo Menschen fr dasselbe leben wie Du. --
brigens sind das Dinge, ber die man nicht zu streiten braucht, das
_Blut_ entscheidet hier; die Starken (weil sie selbstbeherrschend
gewesen sind) erzeugen Starke, die Schwachen (weil sie Schweine gewesen
sind) erzeugen Schwache. Und die Welt gehrt den Starken.

Hier ist das allerherrlichste Wetter, Du! Aber wirst Du Dich auch hier
wohl fhlen knnen ohne irgendwelche Abwechslung vier Monate im Jahr?
Ich htte an Sansots schreiben sollen; na, ich hol' es nach. Sag' ihnen,
da Ernest Tissot mir soeben ein Buch geschickt, das er herausgegeben
hat: Les volutions de la critique franaise. Es ist ausgezeichnet.
Die Librairie acadmique Didier hat es herausgegeben. Das ist der
Tissot, ber den ich Sansots geschrieben habe, weil er an mich schrieb;
er wnschte eine Studie ber meine Werke zu schreiben. Ich sagte ihm zu,
schien es.

Meine geliebte Bergliot, wir sehnen uns zu hren, was Du beschlossen
hast. Du freust Dich selbst so sehr, da auch wir unsre Freude auf das
Wiedersehen aussprechen drfen.

                                                    Dein Freund Vater.




                                                          8. Mai 1890.


Sonntag, nachdem ich vormittags an Dich geschrieben hatte, fuhren wir zu
Amtmann Nielsens. Frits Hansens Kinder sollten den ganzen Tag dort sein.
Aber whrend wir gerade gemtlich bei Nielsens saen, kamen pltzlich
Frits Hansen, Ingeborg Hansen und der Hauslehrer! Sie wuten, da wir da
waren. Ich ging sofort in den Garten, der Amtmann hinterdrein, und nun
waren also zwei Parteien, eine im Garten und eine drinnen, Amtmanns
vllig verzweifelt. Und nun alle Menschen (und Mutter nicht als letzte)
auf Frits Hansen los, der sagte, er wre einzig gekommen, um es wieder
gut zu machen. Aber erst msse er mich um Entschuldigung bitten. Und so
kam er denn heraus in den Garten und machte es sehr nett, indem er immer
wieder und wieder versicherte, es sei _niemals_ seine Meinung gewesen,
ich wre ein weniger ehrenwerter Mann, als irgend einer von ihnen. Und
er war berhaupt so berstrmend liebenswrdig, da ich mit Herz, Seele
und Sinn mich ergab; und am andern Tag kam er hierher, den Tag darauf
waren sie beide hier zu Annas Geburtstag und gestern wir bei ihnen oben
zusammen mit allen Vonhejmsleuten. Es ist ein altes Wort: alte Liebe
rostet nicht, und das hat sich wieder auf beiden Seiten bewahrheitet. --
Wir sind sehr froh darber allerseits, sehr, sehr froh.

Kristofer Kristofersen und Frau sind hier; sie sind so sehr gemtlich,
besonders er. Schlicht, klar, warm. Sie lassen Dich herzlich gren. Sie
wollen den Sommer ber auf Solhejm wohnen. berhaupt werden eine Menge
prchtige Menschen hier sein im Sommer. Und ich will im Sommer nur
Gedichte machen. Jeder Mensch mu zugeben, ich bin so jung an Kraft und
Saft, als wre ich (aufs Haar) knapp ber 40. Wenn das so fort geht,
dann mu ich ja ein sehr alter Knabe werden. -- Denk Dir, heute wollen
wir nach Snstevold, um zu beschlieen, da in Gausdal Telephon gelegt
wird! Telephon in Gausdal! Telephon bis in unsern Flur, und da stehen
und mit Kristiania sprechen, so wird es enden!

Ob Du heute einen Brief von Mutter bekommst? Jedenfalls ist sie bei Dir
mit allen ihren Gedanken. Ich war so erfllt von der Frage, wann Du nach
Hause kommen wrdest, und sie nicht minder, da ich nun voll Betrbnis
Deinen Brief ihr zugehen lasse, zugleich mit diesem.

Wir wollen alle hinber zu Peter Sletterud, deshalb beeile ich mich so.
Sie warten alle auf mich. Wenn Du es blo lesen kannst!

                                                    Dein Freund Vater.






Liebe Bergliot, Du httest in Norwegen sein sollen und dies
Winterauftauen sehen! Es erscheint mir gar nicht anders mglich, als da
in einem Volk, das unter diesen alljhrlichen Eindrcken lebt, der
Glaube wachsen mu, auch die schlimmsten Hindernisse und Schwierigkeiten
mten weichen vor einem frischen Frhlingswillen in uns selbst. Der
Schnee ging den Leuten bis unter die Arme, sobald sie auerhalb der
gebahnten Wege gingen; und die Wege vereist, um sich Arme und Beine zu
brechen. Entsetzlich kalt manche Tage, ziemlich warm an anderen, niemals
gleich, immer unsicher.

Und dann eines Tags ganz unvorhergesehene Wrmegrade; anfangs ein
Trpfeln von den Dchern, Rinnsale auf den Wegen, Ballen unter den
Pferdehufen; aber dann Schneestrze von den Dchern, da die Huser
erbeben, Bche durch die Gehfte und Wege, der Schnee geht scheffelweise
jeden Tag, Schlamm und Eis _ein_ Brei, und alles Wasser schwarz. Wo Du
gehst, ein Murmeln von Bchen, Funkeln in der Luft, blauer Dmmer im
Schnee und unter den Vgeln eine Lustigkeit -- die Hhner kommen heraus,
die Hhne krhen, die Schweine laufen wie wahnsinnig; die bisher noch
nie drauen gewesen sind, stehen ganz still, die Kpfe aneinander
gedrngt und getrauen sich keinen Fu zu rhren; die Pferde wlzen sich
und sausen vorber in rasendem Trab, und die Menschen mit Hacken,
Spaten, Schaufeln, Beilen, um die Wasserstrme zu regulieren und ihnen
Wege zu graben, da sie nicht den ganzen Hof mit sich fortfegen. Die
Luft so stark, da einem schwach wird, wenn man zu lang darin bleibt.

Und nun mu ich ein Lied fr Dich abschreiben:

   Wann wird es wirklich Morgen?
   Wenn goldner Strahlenglanz
   ber Firnen hpft im Tanz,
   Tief in den Abgrund dringend,
   Beschwingend
   Den zum Lichte kletternden Stengel,
   Da er sich trumt als seligen Engel.
   Dann ist es Morgen,
   Wirklich, wirklich Morgen.
      Doch wenn's wettert und sprht
      Und krank mein Gemt,
      Kann das Morgen sein?
      Nein.
   Wohl ist es wirklich Morgen,
   Wenn Blmlein im Frhlicht blinken,
   Und Vglein Tautropfen trinken
   Und zwitschernd dem Baume zum Lohne
   Eine Krone
   Von jungfrischem Grn versprechen,
   Vom Meere erzhlen den sehnenden Bchen.
   Dann ist es Morgen,
   Wirklich, wirklich Morgen.
      Doch wenn's wettert und sprht
      Und krank mein Gemt,
      Kann das Morgen sein?
      Nein.
   Wann wird es wirklich Morgen?
   Wenn die Kraft, die das Leid durchdringt,
   Sonne der Seele bringt,
   Wenn in Deinen Armen
   Erwarmen
   Alle die Menschen, gro und klein,
   Dann gegen alle nur gut zu sein.
   Dann ist es Morgen,
   Wirklich, wirklich Morgen.
      Die gefhrliche Kraft,
      Die das Hchste schafft,
      Ist sie's, die Dir nah?
      Ja.

Gre Griegs vielmals von uns und geh gleich zu ihnen.

                                                    Dein Freund Vater.




                                      p. t. Lillehammer, 18. Mai 1890.


Liebe Bergliot, ich sitze hier bei Lundes, Sonntag, den 18. Mai, und
schreibe ein paar Worte, damit Du nicht vergessen sein sollst. Wir
fuhren gestern im herrlichsten Wetter hierher, der Wagen mit grnem
Birkenlaub geschmckt, so da wir in einem Zelt saen, Erling auf dem
Bock, Anna, Kristofersen und ich drinnen. Unsre seidne Flagge voran.
Kein Mucks, weil ich dasa und ber meine Rede sann; aber alle, denen
wir begegneten, wurden froher Laune, und in der Stadt groe Freude. Auf
dem Markt ein paar Tausend Menschen und die Stimmung gut. Am ersten
Pfingsttag kommen die Rindalsleute, Gustums und einer von Svartum zu
uns. Um Johanni soll ich hinunter nach Sarpsborg und dort im liberalen
Verein des Smlener Bezirks reden. Vielleicht knnen wir uns dann auf
Tor bei Frau Mller treffen. Du kommst ja diesmal auf dem Landweg und
bleibst ein paar Tage bei Hegels? -- Mutter will nicht vor dem Herbste
hin, sie reist dann mit Dir. Ich wollte, der Teufel holte die Matinee in
der Salle Erard! Deinen Brief mit den Montmartre-Schilderungen schicke
ich Mutter. Dann ist ein lieber Brief von Ragna Kristensen eingetroffen,
die Dagnys Lehrerin werden sollte und am liebsten sofort gekommen wre;
aber nun hat Jenny eine Stellung fr sie gefunden als Gesellschaftsdame
bei einem reichen Herrn, Dr. Rohde, der eine kranke Frau hat und ein
Kind, mit denen er nach Paris will. Kennst Du Ragna? Ihr werdet sehr
gute Freunde werden!

Dr. Georg Brandes ist in Kristiania. Sein Zweck ist lediglich, indirekt
und direkt mich unmglich zu machen. Thommessen sein getreuer Helfer.
Aber seine Zeit ist vorbei.

Mein guter, lieber Schatz, Dein letzter Brief atmete Zuversicht und
Freude, und es tat mir wohl, das zu lesen. Wrst Du nur bald bei uns!
Ach, wie schn es jetzt hier ist! Nach einem starken Regen hat alles
starke Fortschritte gemacht; ein Duft gestern von Vogelkirsche und Birke
ohne Unterla, und die Sturzbche dampften. Aller Frhling ist ein Bild
des Starken. Ich schlo meine Rede gestern mit einem Bild von zwei
Staren, die an der Sdecke unsres Hauses sich ihr Nest gebaut haben. Das
Mnnchen sitzt auf dem Knauf der Flaggenstange und singt ihr vor und
spielt und unterhlt sie, whrend sie sitzt und brtet. Und sein Spielen
und Singen deute ich als die Festtage zwischen den Arbeitstagen; sie
sangen und spielten auf fr die Frhlingsarbeit im Land. -- Aber komm
nun auch Du und singe und spiele auf fr die Frhlingsarbeit, die
Zukunftssaat -- erst in Deinem Vaterhaus und spter fr das ganze Land.
So alt wir sind, wir haben den Glauben, da es der _Frhling_ ist, dem
wir dienen, und die Arbeit ihr neues Lied verdient.

                                                    Dein Freund Vater.




                                                         22. Mai 1890.


Du Liebe, Liebe, um 11 Uhr gestern abend (denk Dir, erst um 11!) kamen
Frau Karoline Bjrnson und John Lund (die sich unerwartet getroffen
hatten) hier an, am Pfingstabend also, und heute, am Pfingstsonntag,
habe ich die schne Zeit verplaudert; vollstndig vergessen, da wir
eine Bergliot in Paris haben; also dieser Brief wird nichts als eine
Wurst sein. Aber fressen mut Du sie doch, von einem Zipfel zum andern.

Du Liebe, Se, wie hbsch Dein letzter Brief zu lesen war! Wenn Du Dich
nur nicht in zu viel Geselligkeit verzettelst! Aber Du hast den Leuten
gegenber ja keine Verpflichtungen; Du kannst in Gesellschaft gehen und
es lassen. Enfin! So wenig davon wie mglich. Und zugleich viel Freude
und Vergngen dazu! -- Kein Mensch auf der Welt brchte mich dazu, in
einer Matinee oder sonst wo etwas anderes zu singen, als was mir selber
pate. _Kein Mensch!_ Ich wrde diese Bedingung stellen und mich um
keinen, keinen Preis davon abbringen lassen. -- Hier ist das
allerwundersamste Frhlingswetter, ein paar Tage lauter Sonnenschein,
den nchsten Tag Regen, und das abwechselnd Wochen hindurch. Dieses Jahr
mu, falls es lange so anhlt, groartig werden. Gestern lieen wir die
Khe heraus. Einen so schmucken Viehbestand, wie unserer jetzt ist,
haben wir noch nie gehabt. Es war ein schner Anblick. Hansens und
Kristofersens teilten ihn. Gestern badete ich auch zum erstenmal im
Freien. Prchtig! -- Mutter ist recht mde. Die rzte in Kopenhagen sind
einstimmig der Ansicht, da ihre Taubheit von Nervositt herrhrt, und
da sie nur dann abnehmen oder wenigstens nicht weiterschreiten knnte,
wenn ihre Nerven sich besserten.

Ich glaube, das ist anders; ich glaube, die Heilkunde mu hierin erst
Fortschritte machen. Der Hypnotismus spielt unter anderm da eine groe
Rolle. Ferner mssen Instrumente erfunden werden, vermittelst derer
schwache Ohren hren, wie vermittelst der Brillen schwache Augen sehen.

Lund und Mutter kommen mit den widerlichsten Erzhlungen ber die
Bohmerei heim, und ich mu schon sagen, solche Kerle sind nicht
gefhrlich.

Heute habe ich 13 -- sage: dreizehn -- Bauern zu Tisch und Mutter und
John Lund als Extragste. Karen ist rein aus dem Huschen. Frau Hansen
hat uns Fisch geschickt, so da wir wohl ber das Schlimmste wegkommen.
-- Gestern war ich oben und sah mir ein Fohlen von Spellet an; Erling
kaufte es auf dem Fleck, so entzckend war es. Nun warten wir auf
Musmrra, auch bei ihr ist es bestimmt sehr bald soweit. In diesen
warmen Tagen haben wir voll Mitleid an Dich gedacht; ich glaub' es noch
nicht recht, wenn Du sagst, Du seist gesund; es kann ein Umschlag
kommen. -- Das Haus ist nun fertig in Mdchenkammer und Kche und
Speisekammer; alles andre mehr oder weniger unfertig, und dann fehlt die
Holzverkleidung auen. Die Leute hatten mit der Frhjahrsbestellung zu
tun, deshalb geht es so langsam mit dem Bau. -- Schn wird es, wenn es
fertig ist, und einen groen, flotten Hofraum gibt es rundum! -- Anna
ist ein prchtiges Mdchen; nie etwas Unangenehmes los mit ihr; sie hat
es eigentlich frher nie in ihrem Leben recht gut gehabt, bis jetzt; das
trgt auch dazu bei, da sie so frhlich ist. -- Mutter erzhlt, Das
neue System werde in Kopenhagen bestndig vor vollen Husern gegeben.
Knig Midas dagegen ist unwiderruflich abgetan. Das neue System
bezahlt ein gut Teil _fr Dich_.

Sonst nichts zu berichten. Ich freue mich, da Thaulows (und nicht
Tauwlows) freundlich zu Dir sind. Ich halte groe Stcke auf ihn; aber
in einigen wesentlichen Punkten ist er nicht so, wie ich ihn haben
mchte. Ich gehe indessen davon aus, da eine solche Naturkraft so sein
mu, wie er ist. Im Verhltnis zu mir fordere ich _Treue_, und die,
denke ich, hat er. Ich meinte, er sei ein Freund von Chr. Krohg; aber
seitdem ich hrte, da er das nicht ist, ist alles andre mir
gleichgltig, z. B. da er mich _Ramseth_ genannt hatte. Er ist ja ein
groes Schwatzmaul. -- John Lund sitzt hier und wartet auf mich, ich
_mu_ schlieen.

                                                    Dein Freund Vater.

Ich meine, Du solltest ber Kopenhagen fahren, um Hegel zu danken, der
so gut gegen Dich ist. Dort haben wir gute Freunde, und die soll man
festhalten. Auf dem Wege zu Deinem Freund soll kein Gras wachsen.




                                             Aulestad, 22. April 1892.


Se Bergliot, die Sache mit dem Gelde mut Du nicht so tragisch nehmen.
Du kannst Dir doch denken, da Mutter und ich immer genug zum Leben
haben werden, und knnt Ihr uns etwas wiedergeben, so ist es gut; knnt
Ihr nicht, so ist es auch gut. Dafr leben wir doch nicht. Und am
allerwenigsten ich, der den grten Teil seines Lebens fr andere gelebt
hat. Das ist ja die einzige Freude, die ich habe.

Deine Stimme lt Dich noch immer bisweilen im Stich; -- ich bin sicher,
sie wird Dir eine Lebensfreude werden, wie sie in ihren guten Stunden
die unsre ist. Wenige Menschen knnen so hell ins Leben schauen wie Du,
die zweifellos groen Aufgaben und mancher schnen Tat entgegengeht.

Wir mssen unsern Lebensmut hten, er ist unser hchster Schatz. Gut
essen, gut schlafen, das Rechte tun, gute Menschen in unser Herz
schlieen und die Zerstrungslust der anderen hindern, das erhlt den
Mut in uns. So ausgerstet und begabt und geliebt, wie Du bist, -- --
Bergliot!

Du kannst berzeugt sein, ich leuchte Jonas Lie heim; denn ich habe
Briefe gefunden, die alles besttigen, was ich gesagt habe. Ich glaube
nicht einmal, da er es selbst erlebt haben kann; dazu war der Konflikt
in Rom wegen der gleichen Angelegenheit zu heftig.

Gr' Ingeborg, an die ich niemals wieder schreiben darf, und Bjrn, der
bereits seine Sommergage erhoben hat -- wozu? Hier ist alles wohl; meine
Herzbeschwerden gnzlich vorber.

                                                    Dein Freund Vater.




                                 Roma, Quattro Fontane 155. Sonnabend,
                                                       24. April 1894.


Ihr solltet uns in Schwaz treffen und mit uns weiter gehen nach Italien.
-- Ihr werdet nie Italien sehen, wenn Ihr es nicht jetzt seht. Das nie
meine ich nicht so bitter ernst; denn sicher kommt Ihr einmal hin. Aber
nicht _jetzt_, nicht in Eurer Jugend, nicht zusammen mit so vielen guten
Freunden, wie die, die wir hier um Euch versammeln, und dann zusammen
mit Ejnar und uns; denn Ejnar kommt zum Herbst heim, wir hatten krzlich
einen Brief! Ihr solltet das unbedingt tun! Erst nach Tirol, dann nach
Rom; -- was sollten das fr Tage werden! Und wie Ihr Euch nach einer
Vernderung sehnen mt! Selbst die alten Ibsens mssen Eure Sehnsucht
verstehen -- und auch unser Recht, Euch und den kleinen Buben einmal zu
genieen. Und der Gedanke, den Du verlauten lieest, ber Dagnys Gesang
die Fhrung zu bernehmen, hat sich in mir festgesetzt. Sie hat Anlage
fr Musik; ich sehe das an ihren Fortschritten auf dem Klavier, obwohl
sie kaum spielt. Und dann bedarf sie eines Anhalts. Sie zerfliet
reineweg in bloer Konversation. Ihre schwache Gesundheit hat bisher
jede Regel und Anstrengung unmglich gemacht; aber jetzt ist das anders;
sie wird krftiger. Sie macht hier groes Glck und ist selbst
glcklich. Sie ist auch in allen Stcken ein braves, kluges Ding, und
hbsch. Aber sie _mu_ nun ein festes Interesse haben. Ich denke, es ist
keinerlei Opfer fr Euch, ihr dieses zu verschaffen; aber selbst wenn es
das wre, so ist sie es wohl wert. --

Der Maler Ross ist uns ein guter Freund. Er hat sich zu einem gutartigen
(obwohl etwas scharfzngigen) Weltmann entwickelt, ohne jede Spur von
Unarten oder Snobismus; er gehrt zu den angenehmsten und geflligsten
Bekanntschaften, die man haben kann; -- und uns ist er auerdem, und ist
es stets gewesen, der beste Freund. _Ihr werdet beide Eure helle Freude
an ihm haben._ Seine Freunde hier sind auch die meinen, und edlere,
natrlichere, gebildetere Mnner und Damen hat das europische
Gesellschaftsleben nicht aufzuweisen -- auer etwa in Kreisen, die ich
nicht kenne. -- Wir erfuhren gestern zu unserer berraschung, da Die
Neuvermhlten am Montag, den 23. im Valle-Theater aufgefhrt werden
sollen! Man fragte mich, ob ich nicht der Generalprobe beiwohnen wolle,
morgen -- Sonntag --! Die genieren sich nicht. Ein Fallissement geht
ber ganz Italien und hat groartigen Erfolg. Nun sollen auch Die
Neuvermhlten und Geographie und Liebe folgen. Aber ich bekomme nicht
einen Schilling. Das einzige, was ich davon habe, ist die Freundschaft
des bersetzers, eines vortrefflichen, liebenswrdigen Mannes. Ich habe
auch in Rumnien einen liebenswrdigen bersetzer gefunden; aber, wie
gesagt, ihre Liebenswrdigkeit ist der ganze Gewinn. Ich hatte jetzt
Gelegenheit, meine neue kleine Erzhlung (sie ist in den Zeitungen
angekndigt worden) ins Deutsche, Franzsische, Englische, Russische,
Italienische, Ungarische, Rumnische, Tschechische, Littauische und
Kroatische bersetzen zu lassen!! Ich habe laut aufgelacht ber alle die
Nein, die ich in die Welt hinaussenden mute (auer an den Englnder),
weil Hegel das ganze Buch, in dem die Erzhlung stehen sollte,
vertrdelt hat! Er hat es seit November, und hat jetzt vier -- sage:
vier -- Bogen fertig gedruckt. -- Mir ist solche Geschftsordnung
unbegreiflich.

Wir sind alle bei vorzglicher Laune. Meine Krankheit unterbrach sie
eine Weile; aber wir sind darber weg, seitdem wir die ntige Vorsicht
gelernt haben. Ich habe Schwindelanflle, und ich vertrage nicht viel,
ohne da ich mde werde. Aber es geht gut vorwrts. Im brigen stecke
ich mitten in der grten Arbeit, die ich je vorhatte, und bin
ungeduldig. Mutter sieht vorzglich aus und erregt groes Aufsehen in
den Gesellschaften, so hbsch ist sie; sie ist ungemein munter -- auer
wenn sie Briefe schreibt.

Entwirf nun einen klugen Kriegsplan, wonach Ihr ein Jahr lang mit uns
hier unten zusammen sein knnt! Oder wenn es nur ein Besuch wird, bis
Sigurd nach Hause berufen wird ... Er und Du habt dann auf alle Flle
den Sommer in Tirol und den Oktober in Rom, die schnste Zeit fr
Italien! Ksse den kleinen Tankred, grss' Deinen Herzensmann und die
alten Ibsens und andre Freunde von

                                                  Deinem Freund Vater.

_Besonders Srensens!_

Bitte Srensen, da er mir noch eins von Utheims Bchern schickt, ich
habe das erste zu Agitationszwecken weggegeben. Er verschickt sie wohl
an Zeitungen und Reichstagsabgeordnete in Schweden?

Ich wre ihm sehr dankbar, wenn er Sars' Abhandlung und Utheims Buch an
Prof. Fridtjof Holmgren in Upsala senden wollte. Er war neulich hier
(auf dem rztekongre), und ihm fehlten die Beweise fr das Recht unsrer
Sache. Einem Mann wie ihm drfen sie nicht fehlen.

                                                    Dein Freund Vater.

Wie ich den Brief zusammenfalten will, erhalte ich folgendes Telegramm
von L'Arronge, Direktor des Deutschen Theaters: Auerordentlich
beifllige Aufnahme. Habe mehrmals fr Sie danken knnen. Alle groen
Zeitungen voll Lob. Gru, Glckwnsche. L'Arronge! Hurra, hurra; _das
bedeutet nmlich ganz Deutschland_! Und fr mich folglich ein ganzes
Kapital.




                                          Schwaz, Tirol, 29. Mai 1894.


Liebe Bergliot, Du kannst Dir denken, wie uns Deine Schilderung des 17.
Mai ergtzt hat! Und da ich einen Vertreter von meinem Fleisch und Blut
und Temperament hatte, machte mir nicht am wenigsten Spa.

Hierher kam an dem Tage -- ohne an den Tag zu denken! -- Z. mit Frau.
Wir tranken Vslauer Schaumwein, und vielleicht waren es Zeit und Ort
und Stimmung, die es bewirkten; aber der beste Champagner behagt mir
nicht so wie dieser. Es ist ein ses Singen darin, ein Preislied auf
Tirol an einem klaren Tag und das Echo dazu. Ihr mt ihn, falls er
aufzutreiben ist, kosten und ihn auf den Tiroler Sommer trinken, obwohl
er ein Stck weit von Tirol geboren und gewachsen ist, aber doch in
derselben Art Natur, wie man sagt. Z. war vllig der Alte, nur fand ich
ihn noch hlicher, schiefbeinig, buckelrckig, langarmig, und die fette
Zunge immer vorne zwischen den Zhnen. Aber wie klug und anhnglich und
treu er ist! Seine Frau hat ihn vom Vegetarianismus abgebracht; sie hat
die Hosen an. Aber sie ist eine brave Person und so innig anhnglich an
ihn, wie blo eine erlste Gouvernante es sein kann. Sie ist hbsch,
besonders wenn sie einen Schleier um hat, fgen Dagny und Mutter
hinzu. Fr die, die besser sehen als ich, soll sie etwas Angejahrtes
haben, wenn sie ihn heruntertut. Sie ist gro, schlank, dunkelhaarig,
mit schnen Augen. Nun habe ich es so weit gebracht, da ich franzsisch
(mangelhaft) sprechen kann ber Gott wei was alles, und bis ich wieder
nach Italien zurckkomme, werde ich es ebensoweit im Italienischen
gebracht haben. In Rom mute ich eine ganze Menge der neuesten
Belletristik lesen, um mein Urteil abzugeben. Die italienische Jugend
ist so naiv, frisch, poetisch, es ist eine Freude, mit ihr zu verkehren.
Ich begreife vorlufig nicht, was der Grund ist, da ihre sozialen und
politischen Verhltnisse so bedauerlich im Rckstand sind. Da kein
groer Reformator ersteht. Ich glaube, Italien gibt zum drittenmal der
Welt einen neuen Anfang, oder vielleicht besser: zum _vierten_ Male,
wenn das Papsttum ebenfalls als solcher gerechnet wird. Die
Rmerherrschaft, das Papsttum, die Renaissance. Kein andres Volk hat
solchen Reichtum besessen, und wenn ich unter der Jugend bin, so habe
ich den Eindruck, als sei er noch immer da.

Du mut Sigurd erzhlen, da sein ganzer Vergleich zwischen Leo dem
Dreizehnten und Gladstone in die Review of Reviews aufgenommen ist.
Aber sage ihm auch, da ich _nicht_ gemeint habe, er msse in einer
Berliner Zeitung dem entgegentreten, was sie ber mich oder den Kampf in
Norwegen gesagt haben; ich schere mich den Teufel um ihre Niedertracht;
nein, eine kurze Darstellung dessen geben, um was es sich handelte; denn
darber herrschen nachgerade irrige Anschauungen. Die Schweden sind sehr
fleiig gewesen. So schlecht, wie es mit dem Parlamentarismus steht in
Europa, und so fest, wie sich der Satz eingebrgert hat, da die
Norweger Wirrkpfe sind, ein Haufen Abnormer -- ist die Lage nicht ohne
Gefahr.

Die Mutter ist von einem Magenbel geplagt, wozu mitunter starke
Rckenschmerzen kommen. Gegen diese gebraucht sie Salicyl, und mit gutem
Erfolg, aber die Magenbeschwerden kommen hufig wieder. Heute weint sie
vor Schmerzen. Bis dato ist es nichts Ernsteres; Malthe untersuchte sie
in Rom; aber es mu ja ernst werden, wenn nichts dafr getan wird. Dann
ist es wieder acht bis vierzehn Tage gut, aber kaum lnger. Das schlgt
auf die Stimmung. Es wre eigentlich ganz gut, wenn Du eines Tages zu
Malthe hingingst. -- Bitte Sigurd, mir zu sagen, was _er_ ber die
Wahlen denkt. _Jetzt_ ist also die Zeit gekommen, da, wie ich erwartete,
das Ministerium Steen Kopf oder Schrift spielen wrde mit dem
schwedischen Knig, der gleichzeitig der unsre sein soll. _Jetzt_ htten
die Bewilligungen fr Konsuln und Diplomaten, die schon in der vorigen
Session vorbereitet und angekndigt wurden, _abgelehnt werden mssen_.
Und die Regierung mte vor die Alternative gestellt sein, entweder zu
gehen oder die Wahlen ber am Ruder zu bleiben. Dann htten wir unser
Ministerium bis jetzt gehabt und stnden zehnmal besser da in den
Wahlen.

Dagny spielt wirklich recht gut. Sie macht im ganzen groe Fortschritte.

Peter hat uns alten Kse geschickt, Dikka gerucherten Lachs, wir sind
jeden Tag auf den Fischbrcken des Westlands und im Vorratshaus und
haben ein so echtes Konterfei von Norwegen, wie kein Gedicht es strker
oder wahrer geben kann. Siehst Du Peter, so umarme ihn, Dikka ebenfalls!
--

Erzhl' auch von Cato! Wir mssen doch von Cato hren! Ihr drft Cato
niemals weggeben, finde ich. Er war Euer erster Hausgenosse, und
Zuschauer von Anbeginn des Anbeginns und Zuhrer von Tankreds erstem
endlosen Geplrre. Wenn Dagny davon erzhlt mit dazupassenden Bildern
von Sigurds mannhaftem Zorn, Deiner Verzweiflung und Catos Verzweiflung
am ganzen Leben, lachen wir, da wir uns den Bauch halten.

Mit meiner Arbeit geht es gut jetzt. Bjrns und Ingeborgs Triumphe in
Kopenhagen haben uns furchtbar gefreut. Gre Sigurd und Tankred, Peters
und die alten Ibsens vielmals von

                                                  Deinem Freund Vater.




                                         Schwaz, Tirol, 22. Juni 1894.


Liebe Bergliot, Mutter soll nach Innsbruck; wir warten nur auf Geld.
Dort ist ein Arzt, der berhmt ist wegen seiner Kuren fr
Magengeschichten. Es kommen viele von weither zu ihm.

Es freute mich, da _Du_ kein Hase warst. Absalons Haar ist das
Strkste, was ich geschrieben habe, weil es die teuerste Erfahrung
meines Lebens ist. Wer Dichter ist, und das auf meine Weise ist, und
etwas so Frchterliches erlebt, und dann nicht das Seine tut, um zu
warnen und die Wiederholung im groen und kleinen zu verhindern, der
wird seiner Aufgabe untreu. Rcksichten wie: dann sagen die Leute _das_,
und dann denken sie _so_ von Dir, nehme ich nicht. Ich gehe drauf los,
und dafr sollten alle einstimmig mir danken und mich ehren. So habe ich
ja mein ganzes Leben lang gehandelt, und das wollen die Leute nie sehen,
und es mir nie lohnen. _Denn Aufopferung wird ihren Lohn und ihren Ruhm
haben_, wenn die Zeit gekommen ist. Sie ist nmlich ein Vorschu, den
starke und gesunde Menschen auf das Ganze nehmen.

Rache? -- Nicht _ein_ Wort der Rache, nicht ein Wort der Bosheit findet
sich in der Schilderung, um die es sich hier handelt. Derartiges
verdunstet mir, wenn ich vor dem Ernst der Aufgabe stehe. Ja, mehr noch:
ich wehre mich dagegen, ganz entschieden. Um sicher zu gehen, lasse ich
mindestens ein Drittel von dem, was das Bild verschlimmern knnte, weg
und rcke den Rest in das Licht des Verstehens vom psychologischen
Gesichtspunkte aus. _Ihr_, die Ihr das Modell kennt, wit alle, da ich
auch diesmal so verfahren bin. Ich werde spter darber ffentlich etwas
schreiben, falls kein anderer es kann oder will.

Tausend Gre an Euch alle!

                                                    Euer Freund Vater.




                              p. t. Schwaz, Tirol, 25. September 1894.


Liebe Bergliot, was ist denn das fr ein Unsinn, da Du uns etwas von
dem Gelde, das wir fr Deinen Gesang ausgelegt haben, zurckbezahlen
willst! Das ist doch Deine Mitgift. Es wird sich mit der Zeit schon
zeigen, da diese Mitgift sehr bedeutend ist. Es freut uns sehr, da Du
glaubst, diese Zeit sei bereits gekommen.

Ich freue mich ber die Drontheimer Wahl; aber wenn ich das Wachsen der
Rechten in Akershus und im Westland sehe, dann merke ich wohl, da die
Wahlen im ganzen nicht nach Wunsch ausfallen. Leider! Eine falsche
Taktik wird von den besten Reden nicht aufgewogen. Es sieht ja aus, als
knnten wir in einem ganzen Menschenalter diese Bezirke nicht gewinnen.
-- Das ganze Ausland ist gegen uns. Ich glaube auch nicht, da wir dem
Ausland das Verstndnis beibringen knnen, ehe wir unserer
Unabhngigkeit ein Ziel stellen, das alle fassen. Dieses kann einzig
sein: Schiedsgerichte fr alle vorkommenden Flle, und ein Ansuchen
deswegen in allererster Linie bei Ruland. Wenn das Ausland einsieht,
da es _das_ ist, dem die Schweden sich widersetzen, werden ihm die
Augen aufgehen. Wie lange soll ich diese Weise herleiern, ehe ich die
Leute mitkriege?

                                                    Dein Freund Vater.






Liebe Bergliot, schon jetzt kann ich aus den Wahlen sehen, da
die Rechte sich behauptet. Die Linke bringt es zu keiner
Zweidrittel-Majoritt; und dann begreife ich nicht, was Ihr daheim
wollt, besonders wenn auch Ibsens reisen. Ich werde die Reise nach dem
Sden fr Euch bezahlen, falls sie jetzt stattfindet, d. h. diesen
Herbst. -- Nimm Dich in acht vor Arlbergs allzu offnen Vokalen; im
brigen hat er selbst eine brillante Gesangsmethode gehabt. Ob er
irgendeinen hervorragenden Schler hat, wei ich nicht. Ich glaube, das
einzige, was Deiner Stimme fehlte, wre mehr Kraft in den Stimmbndern,
und die kme durch Elektrisieren und bei grerer krperlicher
Gesundheit. -- Aber Ihr versteht das ja besser, weil Ihr kundige Leute
zu Rate ziehen knnt.

Ich stimme im wesentlichen mit Sigurd in der Beurteilung Bismarcks
berein. Nur schwrme ich nicht, wie er, fr das Groe, blo weil es
gro, fr das Interessante, blo weil es interessant ist. Dafr bezahle
ich _ein_mal Entree oder zweimal und bin fertig damit. Napoleon ist fr
mich um vieles bedeutsamer geworden, seit seine Psychologie so
offenkundig vor allen liegt, da wir den tiefen menschlichen
Zusammenhang sehen, den Zusammenhang des Herzens, des Charakters mit den
grenden, schaffenden Mchten der Zeit nach allen Seiten hin. Etwas
hnliches ist es mit Bismarck; _das_ ist es, was ihm immer Bewunderung
sichern wird.

                                                            Dein B. B.






Liebe Bergliot! Ich schrieb gerade an Graf Prozor: da der Phantast
Lugn-Po und die ganze franzsische Komdie mit norwegischen Stcken zu
uns kommen, ist eigentlich zum Lachen. Ich ahnte, da sie nicht einmal
gut spielen. -- Eine Affektation ist das, die mir so zuwider ist, da
ich mich einfach abwende. Und nun folgt eine Reaktion, da es in allen
Fugen kracht. -- Aber das rgerlichste ist, da _wir_ eine Rolle dabei
spielen sollen; das mte schon eine ganz andere sein! Nun ja, ich will
nicht weiter darber reden; es wird genug geredet. Ich verfolge das in
_allen_ Literaturen und sehe den Umschlag kommen. Die Geschftigkeit der
_Juden_ und ihre Begeisterung bei all dem htte uns mitrauisch machen
mssen. Nun -- die Abrechnung wird schon kommen. --

Wir ziehen also sdwrts -- zum letztenmal. Noch einmal mag ich nicht.
Aber solange wollen wir drauen leben, als die Verhltnisse daheim keine
Gefahr bergen, oder klar sind. Es wrde mich nur stren; ich habe
Hemmungen genug. Mit meiner Arbeit geht es gut.

Unsere innigsten Glckwnsche zu Eurem Hochzeitstage! Mge es Euch alles
in allem so wohl ergehen, wie es doch Summa Summarum uns gegangen ist!
Es ist eine fruchtbare Lebensreise, die hinter uns liegt; etwas lebt
nach uns -- und mehr wird noch kommen.

Ja, das ist wahr, immer habe ich vergessen, von dem Ringe zu erzhlen.
Ich entdeckte ihn durch einen Zufall unter Mutters merkwrdigem
Krimskrams und war ganz erschrocken, da sie ihn mitgenommen hatte. Denn
ein solcher Gegenstand war zu verlockend zum Stehlen; ich bat sie,
entweder ihn nach Hause zu schicken oder ihn zu tragen. Sie wollte
beides nicht, und so nahm ich ihn an mich, lediglich, um ihn
aufzubewahren. Freude hatte ich keine daran; _ich_ kann ja nicht sehen,
da er leuchtet; das knnen blo die anderen. Allmhlich ist er mir
vertraut geworden einfach dadurch, da ich morgens und abends an ihn
denke, so da er ein Teil meines tglichen Lebens geworden ist. Aber Du
kannst ihn wiederhaben, sobald Du willst. Es ist buchstblich nur
Vergelichkeit, da ich nicht eher davon geschrieben habe. -- Mildes,
herrliches Herbstwetter, wie der Sptsommer bei uns daheim. Gre
Srensen!

                                                    Dein Freund Vater.




                                            Roma, Quattro Fontane 155,
                                                    11. Dezember 1894.


Liebe Bergliot, so oft schon wollte ich Dir von Deinem alten Freund Dr.
N. N. erzhlen.

uerlich gnzlich unverndert. Nur kann man jetzt berhaupt nicht mehr
mit ihm reden, ohne da er wie zufllig hinwirft, er sei neulich nach
S.... zur Knigin berufen worden, die ihn nicht habe wieder weglassen
wollen; er mute den Vorwand gebrauchen, da er nach London zu einer
Konsultation msse, und merkwrdig genug, als er abreisen wollte, bekam
er wirklich ein Telegramm von Lord Dufferin. Dieser Lord Dufferin
segelte mit ihm den Sommer ber im Golf von Neapel; aber N. N. mute ihn
auf Capri absetzen, weil er zur Frstin Ruspoli nach Rom berufen wurde.
Als ich wieder einmal mit N. N. sprach, war gerade einer von Amerikas
jungen Milliardrshnen zum erstenmal nach Rom gekommen, lediglich, um
Dr. N. N. zu konsultieren; er litt an Trunksucht und wollte keinem
andern folgen als Dr. N. N., und jetzt folgt er sogar seiner Mutter,
weil Dr. N. N. ihm das befohlen hat; N. N. erwartet 10000 Dollars
Honorar.

Er wohnt an der spanischen Treppe in der Wohnung, in der der englische
Dichter Keats starb; obendrber wohnte Shelley. Wenn man zu N. N.
kommt, liegen Keats und Shelleys Gedichte ganz zufllig aufgeschlagen
da; beides Prachtbnde von hchster Eleganz. Eine ungeheure Schale mit
Visitenkarten begrt einen im Vorzimmer; zu oberst die Gladstones, --
man sollte glauben, er sei erst gestern bei N. N. gewesen. Dr. N. N.
fhrt entweder mit zwei Staatspferden oder mit zwei Ponys aus. Neben ihm
sitzen entweder die Kronprinzessin von X. oder seine zwei Hunde, ein
kleiner und ein groer von Englands edelstem Blut, der kleine auf dem
Rcksitz, der groe auf dem Vordersitz. Ein Groom sitzt auf dem Bock
beim Kutscher, beide in Livree. N. N. selbst dagegen so einfach
gekleidet wie Napoleon. Nie sieht man ihn einen Orden tragen, selten
Handschuhe. Ganz zufllig, man kann sagen unversehens, erwhnt er, was
er der Knigin, der Kronprinzessin, der Frstin Ruspoli, dem
amerikanischen Milliardrsohn gewesen ist, oder er streift die
Konsultation, die dem Tode des englischen Gesandten voriges Jahr hier
vorausging, bei der Dr. N. N. Recht behielt und alle die anderen im
Unrecht waren. So was kommt eben ganz ungewollt heraus, wie wir mitunter
etwa erzhlen, da wir schon Mittag gegessen oder schon Kaffee getrunken
haben. Fr einen Besuch erhlt er 50-100 Lire oder mehr. Das Geld liegt
im ganzen Zimmer herum, zum Teil zusammengeknllt. Oft nimmt er auch
kein Honorar. Was hat er denn weiter getan als seine Pflicht?! --

Er hat drei Mdchen, die alle einer Familie in A. angehren, deren
smtliche Mitglieder er gerettet hat. Der brige Teil der Familie wohnt
jetzt in seiner Villa dort. In A. kennt man nur _einen_ Namen, und das
ist der seine. (Neulich war ein Norweger dort und konnte niemand finden,
der wute, wo Dr. N. N.s Villa lge.) --

Ich bin einmal -- sage: _ein_mal bei N. N. gewesen; somit hat er nun
auch meine Visitenkarte in seiner Schale; spter hatte er keine
Verwendung mehr fr mich und ich auch keine fr ihn.

Lebe wohl, liebe Bergliot. Gott behte Dich!

                                                    Dein Freund Vater.




                                            Aulestad, 3. Oktober 1896.


Liebe Bergliot, ich meine, Du solltest jetzt die Bekanntschaft einer
Dame suchen, die Dich begleiten und mit Dir hierher kommen knnte und
berhaupt sich an Dich und uns so anschlsse, da sich daraus eine
Tournee entwickeln liee, wenn die Zeit kommt. Am liebsten mchte ich
ja, sie wre einigermaen hbsch, da ich mich so ein bichen in sie
verlieben knnte, denn das ist zu nett; aber da solche Damen meistens
hlich sind, mut Du wenigstens dafr sorgen, da sie in dieser
Hinsicht nicht geradezu den ersten Preis verdient. Ihr Spiel mu Seele
haben, sonst taugt es nichts; aber sie selber mu diskret und umgnglich
sein, sonst ist sie nichts fr uns, weit Du. Wenn Du es darauf anlegst,
mut Du schon eine finden knnen.




                                                         8. Juni 1900.


Liebe Bergliot, ich soll von Tankred gren. Ich machte ihn auf der
Herreise fr den Mjsen verantwortlich. Jedesmal, wenn er verschwand,
war das Tankreds Schuld, und er bekam Prgel dafr, und jedesmal, wenn
der Flu wieder zum Vorschein kam, war er nur schnell um den Wald
herumgelaufen, um ihn vor den Prgeln zu retten. Tankred wurde natrlich
dieses Spiels nicht mde. Besonders spannend war es jedesmal, wenn die
Bume anfingen, die Aussicht aufs Wasser zu versperren, und ganz
entsetzlich wurden die Prgel, wenn wir durch einen Tunnel kamen; dann
hatte er den Mjsen nmlich weggeworfen. Kaum waren wir in Aulestad, so
war Tankred auch bereits verschwunden. Um halb 10 kam er wieder herein
-- wir hatten ihn nmlich total vergessen, wir hatten so vielerlei zu
ordnen -- und da war ihm schlecht und er war sehr bla. So mde war er!
Heute um 6 Uhr hrte ich, wie ein Rouleaux in die Hhe gezogen wurde.
Was meinst Du wohl? Das war er! Um 8 Uhr gelang es uns endlich, ihn zum
Frhstck einzufangen. Aber er hatte nur gerade Zeit, einen Bissen zu
essen! Die Khe sollen auf die Alm, und Gott wei, was alles ihn jetzt
in Anspruch nimmt. Wir denken so: er mag den ersten Rausch austoben.
Jrgen und Else traben mit. Er freute sich, als er Arne in
Jungenskleidern sah und gab sich eine Weile mit ihm ab. Aber weil Arne
glaubte, Tankreds Ball sei lebendig und deshalb sich nicht mitzuspielen
getraute, war Tankred dieses zu dummen Verwandten bald berdrssig.

Ja, weiter wre nichts zu berichten. Gre Sigurd!




                                          Aulestad, 19. Dezember 1902.


Liebe Bergliot, Dank fr neulich; -- ich habe oft Deines Mannes
Gewissenhaftigkeit bewundert, aber niemals wie jetzt, da ich sehe, da
die Verhandlungen, die ihn verhinderten, am 6. mit Dir hierher zu
kommen, erst am 15. erffnet werden sollten.

Hier sitze ich und beantworte die allerntigsten Briefe; sie sind (bis
auf einen, von den Professoren an der Hochschule in Gteborg) alle aus
Kristiania. Telegramme sind es 727, sagt Mutter; ich mchte wissen, wie
viele darunter von Gesellschaften und Vereinen. Die Briefe sind Legion;
ich mu ja einmal daran.

Vorlufig arbeite ich fr Alexander Kielland. Die 40000 geerbt haben pro
Kopf, sind seine Geschwisterkinder, und die haben ein paar Verwandten zu
helfen, die hchst bedrftig sind. Alexander Kielland hat in allen
diesen Jahren mit einem Einkommen von 4000 Kronen dagesessen und hat
davon bis zu 600 Kronen Steuern zahlen mssen. Ich glaube nicht, da er
so sehr zu tadeln ist. Er htte wohl etwas tun sollen, ehe die Schulden
bis 10000 angewachsen waren. Aber nun sind sie es, und wir mssen
helfen.

Ich habe eine Bitte an Dich: geh zum Grokaufmann Srensen. Der biedere
Mann wird mir vielleicht helfen, wenn er hrt, da ich nicht vom Flecke
komme, bis ich die 10000 beieinander habe, die in diesen Zeiten sehr
schwer aufzutreiben sind -- auch aus dem Grunde, weil wir mit einer
gewissen Diskretion vorgehen mssen. Ich wende mich am liebsten an
reiche Norweger auerhalb Norwegens. Leg' ihm ans Herz, da Alexander
Kiellands Konkurs jetzt ihn um seine Stellung bringen wrde und eine
Schande fr das ganze Land wre. Dafr arbeite und arbeite ich. Sag'
ihm, da ich ein gewisses Recht habe, andere um Hilfe zu bitten, weil
ich selbst Kielland mehrere Male geholfen habe; so zahlte ich ihm
damals, als er seinen Dichtersold verlor, diesen Betrag das erste Jahr
ganz allein aus.

Uns geht es gut nach der Reise. Hier ist es herrlich! Aber ganz Gausdal
und ganz Gudbrandsdal sind ohne Wasser. Unter dem Blachfrost sind alle
Quellen ausgegangen. Die Gausa ist fast wasserleer; die Fabrik steht
still. Unsere Wasserleitungen auf dem Hofe laufen auch bald nicht mehr;
blo das Wasser, das _wir_ aufgespeichert haben, der Neversee, gibt noch
was her. Wre nicht im Herbst in den Damm ein Loch gekommen (durch eine
tiefe Sandader, die durchbrach), so htten wir bis zum April Wasser
gehabt. Jetzt haben wir kaum bis Mitte Januar. Wir haben eine
schwedische Mhle, die Tag und Nacht geht; im ganzen Kirchspiel ist nur
die eine. Wenn das Wasser ausgeht, bringen wir den Motor an, also mahlen
wir den ganzen Winter fr andere. Wenn doch die Mhlen erst fertig
wren; jetzt meinen alle, wir mten versuchen, sie aufzustellen, was
hchstens 5000 Kronen kosten knnte. Aber die habe ich eben _nicht_.

Das ntige Wasser fr Haus, Viehstall und Pferdestall mu den ganzen
Winter ber angefahren werden! Eine herrliche Aussicht! Wahrscheinlich
aus dem Flu, -- falls berhaupt so viel da ist, wenn die Zeit kommt!
Gr' Sigurd und Deine Kinder von uns.

                                                    Dein Freund Vater.




                                             Aulestad, 8. Januar 1903.


Liebe Bergliot, in diesem Augenblick schickt Midling in Hudiksvall (ein
Mann, den Treschow trichterweise verabschiedet hat, und der nun
Millionr ist) 1000 Kronen fr Alexander Kielland. Ich darf hoffen, ich
habe in diesem Augenblick 9000 Kronen. Auf jeden Fall habe ich 7000.

Und ich finde, Ihr beide, Du und Srensen, mtet elende Patrioten und
Waschlappen sein, wenn Ihr mich nicht mit einer gleichen Summe
berrascht. Midling sandte das Geld in _einem_ Schein. Konsul Fredrik
Hansen ist Kassierer, aber Ihr mt den Schein an mich schicken. Ich mu
ihn in der Hand halten, weil er fr Alexander Kielland ist, _den ich
liebe_.

Also: Tankred war zu Ball; dort verliebte er sich. Er sah sie tanzen;
er lie sie nicht aus den Augen, er legte seinen Kopf in Lizzies Scho
und flsterte: Ist sie nicht entzckend? Gleich darauf fgte er hinzu:
Jetzt will _ich auch_ tanzen lernen. Als sie ihn mit nach Hause nehmen
wollten, whrend sie noch dablieb, weinte er. Erling, der sehr erfahren
ist in Liebessachen und deshalb Mitleid hatte, nahm sich seiner an, und
er durfte bleiben. Als ihn Erling spter in seinen Pelz wickelte und ihn
so mit ins Hotel nahm, war er so mde, da man ihn ausziehen mute, und
er flehte, man mge ihm das Waschen erlassen, was Erling -- immer voll
Mitleid -- auch bewilligte, zum tugendsamen Entsetzen der beiden
Dienstmdchen, seiner Vormnder.

Ach so, -- also die Unionssache sollte zuerst am achten behandelt werden
und wurde dann auf den fnfzehnten verschoben. Verzeihung!

Dagny hat ihren Koffer bekommen.

                                                    Euer Freund Vater.




                                               Aulestad, im Juli 1903.


   Du Vglein, wenn der Lenz begann,
   Mit all den Deinen pflegst du dann
   Zum alten Hof zu eilen
   Und schwelgst in anmutvollem Sang,
   Voll Jugend und voll Jubelklang,
   Hier wieder zu verweilen.

   Verleih' das Glck dir Heil und Kraft,
   Da sich zum Himmel unerschlafft
   Die hohen Tne schwingen,
   Die deinem berflu entsprhn
   Als Zeugen, da du grad so khn
   Im Handeln wie im Singen.

                                                Bjrnstjerne Bjrnson.




                                              Roma, via Gregoriana 38,
                                                        17. Mrz 1904.


Ich befinde mich so wohl in Rom, da, wenn blo auch die Arbeit sich in
das Klima und die Natur schicken will, man mich nicht wieder nach Hause
kriegt.

Herrgott, wie schmutzig mir von hier aus die norwegische Politik
vorkommt, wie ich das stolze herrische Wort im Storthing vermisse! Ich
fange an, mich nach greren Staatswesen zu sehnen.

Dieser Brief ist eben so sehr fr Dagny wie fr Dich. Ich sehne mich so
nach ihrem klaren, offenen Charakter, dem alles Kleine klein ist. Und so
schrecklich nach ihren Jungens. Ich habe die feste berzeugung, da wir
uns bald sehen werden. Aber es freut mich, da die Jungens Aulestad
wieder lieb gewonnen haben dank ihrem Winteraufenthalt. Es wird ihnen
unvergelich bleiben, was sie jetzt erlebt haben.

Eine groe, schwere Arbeit habe ich jetzt vor. Gelingt sie, dann wird
sie einem groen Gedanken, einem gewaltigen Gegensatz Gehr schaffen.
Aber ich kann nicht sagen, da es schnell vorwrts geht. -- Mutter ist
hier ganz flott und frisch geworden; gedeiht und schlft und schwatzt,
als wre sie wieder jung. Wir haben viele gute Freunde, und mir ist
sogar der Rom-Geruch lieb wie Wein. Bald ist die Luft so mild, da wir
in ganzen Karawanen in die Kneipen vor die Stadt ziehen, Speckeierkuchen
und Artischocken essen und Landwein trinken. Marias Makkaroni duften aus
der Kche. Wir wollen essen.

                                                    Euer Freund Vater.




                                                 Roma, via Gregoriana,
                                                     26. Oktober 1904.


Liebe Bergliot, mit dem Buche habe ich Euch nicht vergessen, sondern die
Sache verhielt sich so: Collin und Naerup, besonders der erstere,
teilweise auch Bjrn, wollten nicht, da ich es herausgeben solle, ehe
es fertig sei. _So_ war es zu schlecht. Besonders Collin war rein
verzweifelt. Nun wute ich ja, da sie falsch sahen; aber ich bekam es
doch so satt, da ich es lange Zeit niemandem schickte. Auch habe ich
nicht ein einziges Wort in einer Zeitung darber gelesen. So ist es
zugegangen.

Nach und nach habe ich dann so viele Telegramme und Briefe darber
bekommen, da ich meine gute Laune wiedergewonnen habe; aber ganz
berwunden habe ich es noch nicht. Ich habe seitdem nicht wieder an
Collin schreiben knnen, und bringe es gewi auch noch lange nicht
fertig. In diesem Augenblick sind 9000 Exemplare von dem Buche verkauft.
Bis zu Weihnachten werde ich also ber 10000 verkauft haben, und damit
ist unsre ganze Reise nach Italien bezahlt.

Wir sorgen uns so um Irenes Operation, ja wir sorgen uns so seit Deinem
heutigen Brief, der die Nachricht brachte, so da ich nicht arbeiten
kann. Schreib, schreib!




                                                    Via Gregoriana 38,
                                                     3. November 1904.


Du unsre liebe Bergliot, niemals hast Du uns einen Brief geschrieben,
der uns weher getan hat. Es ist ja zu dumm, denn jetzt ist es vorber.
Aber der Gedanke, wie frchterlich es gewesen ist, reibt uns ganz auf.
Wir sind eben alt geworden, und wir haben nicht mehr die Spannkraft, die
uns nach diesem Eindruck wieder aufrichtet. Wir konnten nicht davon los.
Oh, wie grauenvoll ist das gewesen! Ich erlebe das Ganze immer wieder
von neuem. Ich komme nicht wieder heraus aus diesem Zimmer. Und der Tag
im Bett und die Nacht, und die nchste: ja, Du bist schwer geprft, bei
all Deiner Jugend. Du, die eigentlich immer frhlich sein mte! Gre
und ksse Irene von uns! --

Was Du von Bostrm erzhlst, kam beraus unerwartet. In dem Brief von
Michelsen, den ich krzlich erhielt, war eine Andeutung; aber ich ahnte
nicht, da sie auf Bostrm ging.

Ist denn kein schwedischer Mann da von Ansehen, der uns das Wort redete?
Der sich einsetzte fr ein gutes Verhltnis? Haben wir immer noch kein
Verstndnis gefunden bei den leitenden Mchten! Ich glaubte, das sei
jetzt vorbei.

Aber Irene, die kleine Irene, sie jagt alle diese Kmmernisse in den
Wind. Sie nimmt sie alle in Anspruch im Verein mit Dir.

                                                    Dein Freund Vater.




                                              Roma, via Gregoriana 38,
                                                    25. November 1904.


Liebe Bergliot, ich denke so viel an Euch. Sigurd seinerseits und Du
Deinerseits, mht Euch so schrecklich ab. Und die Kinder halten Euch so
in Atem.

Ich bitte um etwas fleiigere Nachrichten. Es bedarf nicht vieler Worte;
aber ein bichen fter, so lange diese Spannung andauert. Auch die
politische.

ber Bostrm sagte ich zu Blehr, er sei wie Frau Wolf. Er weint vor
Rhrung, und im nchsten Augenblick ist es vergessen. Er ist zwei
verschiedene Menschen in einer und derselben Stunde. Der Charakter und
Staatsmann ist Lagerheim. Jetzt, da er geht, wird dies gewi allgemeiner
verstanden. Das merke ich an Tor Hedberg, der hier ist.

Um eins mchte ich Dich bitten, und zwar recht herzlich. Ich habe Sigurd
Ibsen nicht dazu bringen knnen, Adolf Hedin zu besuchen. Ich finde das
politisch unrichtig, ich finde es anstig. Keiner ist fr Norwegen so
eingetreten wie er, und zwar seit seiner frhsten Jugend. Ich bin
sicher, Sigurd wrde nach einer halbstndigen Unterredung mit ihm sagen:
das ist der begabteste und interessanteste Mensch in Schweden.

Aber Adolf Hedin hat unter seinen menschlichen Eigenschaften auch die,
da er mein ltester und bester Freund in Schweden ist. Deshalb sollst
_Du_ zu ihm gehen, Bergliot. Du hast Deinen eignen Kopf und Dein eignes
Herz, und beide sind ein bichen verwandt mit meinen. Geh Du zu ihm und
plaudre eine halbe Stunde mit ihm. Nimm etwas Obst mit oder ein paar
Blumen und gre ihn von mir, wenn Du ein liebes Mdel sein willst.

Ich habe viel rger und groen Zeitverlust gehabt durch die Finnlnder:
sie haben L'Europen zu einer Tageszeitung umschaffen wollen!!! Da der
Redakteur keine Bestimmung in den Statuten durchsetzen konnte, die diese
Art berraschungen verhinderte, stiftete er einen neuen L'Europen. Mir
will sein Vorgehen nicht gefallen; aber zwei L'Europen sind schlimmer
als gar keiner, deshalb htten die Finnlnder einen Ausgleich suchen
mssen. Nein, die wollen Kampf und Sieg --! Und verlieren dabei so
ungeheuer viel. Ich kann sie nicht soweit bringen, das einzusehen. Sie
stehen von vornherein nicht gut in der ffentlichen Meinung; nunmehr
wird das noch schlimmer. Je eher dieser Zwist aus der Welt kommt, desto
besser. Ja, ja, nichts als Spektakel und Rechthaberei! Gre Tankred und
Irene.

                                                            Dein B. B.




                                              Roma, via Gregoriana 38,
                                                     1. Dezember 1904.


Liebe Bergliot, Mutters Geburtstag; sie liegt noch im Bett mit einer
groen goldenen Kette um den Hals und eine Uhr daran. Mein Geschenk.

Wir sind beide so unglcklich ber die kleine Irene. Das einzige, was
ich mir zum Troste sagen kann, ist, da bei einem energischen und
begabten Menschen ein Schnheitsfehler die Folge haben kann, da sein
Wille strker und sein Dnkel geringer wird. Vielleicht ist es eine Gabe
fr ihre Zukunft -- und ein Schutz. Einer vollendeten und bewuten
Schnheit drohen viele Gefahren, vor allem in ihrem eigenen Seelenleben;
ich sitze gerade ber der Schilderung einer solchen. Denkt darber nach,
Ihr beide.

                                                    Dein Freund Vater.




                                              Aulestad, 28. Juni 1908.


Mein lieber, lieber Singvogel, am elften September kommen alle Kinder
hierher, auch Bjrn. Aber nicht Du, die mehr Fest mitbringt, als alle
die anderen zusammen.

Hier ist es so wundervoll jetzt, da ich mich einer hnlichen
Fruchtbarkeit nicht entsinnen kann, oder einer Reihe von so
gleichmigen, leuchtenden Tagen. Hier ist neu gestrichen und
aufgefrischt auen und innen. Es mag ein Selbstbetrug sein, aber
nirgends findet sich herzlichere, traulichere Gemtlichkeit. Unten bei
Thekla ist auch alles wie neu, und jedem, der dort eintritt jetzt, macht
der Besuch reiche Freude. Sie ist so frhlich, gleichmig, gut, klug,
da Erling imstande ist, der Mann zu werden, den das Beste in ihm ahnen
lie, ohne da er frher vermocht htte, es zu entwickeln.

Dann Dagny! In ihrem Salon mute ich mich sofort hinsetzen und
schreiben; ich habe nie hnliches gesehen. Entworfen von dem groen
Maler Ingres zu Beginn des vorigen Jahrhunderts und eingerichtet mit
Dagnys Mbeln und mit ihrem Farbensinn. Ein Balkon die ganze Front
entlang, auf den Hauptweg auf Longchamps zu, mit seinen baumreichen
Alleen, und die Festungswlle und das Boulogner Wldchen ganz nahe, so
da sie eigentlich in einem Walde wohnt und auf dem Lande. -- Bei Thres
in Hamburg hatten wir es groartig. So gesunde, klare Menschen in
ppigen Verhltnissen. (Vier Automobile!) Hegels waren ganz besonders
liebenswrdig. Wir waren ihre Gste im Hotel. Am letzten Tag
Schriftstellerdiner bei Vilh. Andersen. Alle auf dem Bahnhof mit Hurra.
Dasselbe Hurrawesen mit Musik dazu in Fredriksstad. Dort hielt ich eine
meiner besten Reden, gut aufgelegt und vorbereitet. Bei Dikka diesmal
ber alle Maen herzlich und warm, und das Zusammensein mit der
Verwandtschaft das denkbar Beste fr uns beide. Die Rede auf sie wurde
mit einer Dankbarkeit aufgenommen, die echt war. Sie war auch selbst
echt, innig und scherzhaft, so da wir alle durcheinander weinten und
lachten. Ejnars Kinder sind hier. Prachtkinder. Gott, wie ist es hier
schn und beseligend! Karoline schlft und kommandiert und legt
Patiencen, aber it kein Fleisch. Heute abend Doktors und die Bleute.

                                                    Dein Freund Vater.




                  Im gleichen Verlag ist erschienen:
                        Bjrnstjerne Bjrnson
                           Gesammelte Werke
                           in fnf Bnden.


   Herausgegeben und eingeleitet von Julius Elias. Mit dem Bilde des
   Dichters. Gebunden 15 Mark.

   1. Bd. GEDICHTE. ERZHLUNGEN: Thrond / Die gefhrliche Freite /
   Synnve Solbakken / Arne / Der frhliche Bursch / Der Vater /
   Das Fischermdel.

   2. Bd. ERZHLUNGEN UND ROMANE: Der Falbe / Ein Lebensrtsel /
   Staub / Ein schauriges Erlebnis / Mutters Hnde / Es flaggen
   Stadt und Hafen.

   3. Bd. ROMANE UND ERZHLUNGEN: Auf Gottes Wegen / Mary.

   4. Bd. DRAMEN: Zwischen den Schlachten / Sigurd der Schlimme /
   Die Neuvermhlten / Ein Bankrott / Der Knig / Leonarda.

   5. Bd. DRAMEN UND BRIEFE: ber die Kraft, erster Teil / ber die
   Kraft, zweiter Teil / Geographie und Liebe / Paul Lange und
   Tora Parsberg / Laboremus / Wenn der neue Wein blht / Briefe aus
   Aulestad an seine Tochter Bergliot Ibsen / Nachwort.

                 Spamersche Buchdruckerei in Leipzig




Anmerkungen zur Transkription


Der Originaltext ist in Fraktur gesetzt. Hervorhebungen, die im
Original g e s p e r r t sind, wurden mit Unterstrichen wie _hier_
gekennzeichnet.

Die Schreibweise und Grammatik des Originals und auch die Verwendung
der im Deutschen gebruchlichen Umlaute  und  anstatt der im
Norwgischen verwendeten  und  in Eigennamen wurden weitgehend
beibehalten. Lediglich offensichtliche Druckfehler wurden, teilweise
unter Verwendung des norwegischen Originaltextes, korrigiert wie hier
aufgefhrt (vorher/nachher):

   [S. 29]:
   ... Ich sehe, Braekstad ist in Paris gewesen, um sein ...
   ... Ich sehe, Brkstad ist in Paris gewesen, um sein ...

   [S. 54]:
   ... zu etwas Ntzlichen bekme? Wer sollte zuletzt ...
   ... zu etwas Ntzlichem bekme? Wer sollte zuletzt ...

   [S. 85]:
   ... von hier. Lundes und Meydells aus Lillehammer ...
   ... von hier. Lundes und Mejdells aus Lillehammer ...

   [S. 113]:
   ... eine Wasserklarheit ist, die einen reinen Sinn
       wiederspiegelt, ...
   ... eine Wasserklarheit ist, die einen reinen Sinn widerspiegelt, ...

   [S. 127]:
   ... Zug. Der Ofen von hieroben ist in die Stube ...
   ... Zug. Der Ofen von hier oben ist in die Stube ...

   [S. 187]:
   ... Der Maler Ro ist uns ein guter Freund. Er hat ...
   ... Der Maler Ross ist uns ein guter Freund. Er hat ...

   [S. 211]:
   ... Ich habe ein Bitte an Dich: geh zum Grokaufmann ...
   ... Ich habe eine Bitte an Dich: geh zum Grokaufmann ...

   [S. 213]:
   ... Midling in Hudliksvall (ein Mann, den Treschow ...
   ... Midling in Hudiksvall (ein Mann, den Treschow ...






End of the Project Gutenberg EBook of Briefe aus Aulestad an seine Tochter
Bergliot Ibsen, by Bjrnstjerne Bjrnson

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK BRIEFE AUS AULESTAD AN SEINE ***

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